Wirtschaft, Südtiroler Landwirt, Politik | 13.06.2014

Katastrophen sind ausgeblieben

Zum ersten Mal hat Landesrat Arnold Schuler am Freitag vergangener Woche den Agrar- und Forstbericht für das vorhergehende Jahr vorgestellt. Sein Fazit: 2013 war ein gutes Jahr – ohne große klimatische Katastrophen, aber mit einigen beeindruckenden Zahlen.

Rückblick auf ein weitgehend zufriedenstellendes Jahr in der Land- und Forstwirtschaft (v.re.): Landesrat Schuler, Abteilungsdirektoren Profanter und Pazeller.

Rückblick auf ein weitgehend zufriedenstellendes Jahr in der Land- und Forstwirtschaft (v.re.): Landesrat Schuler, Abteilungsdirektoren Profanter und Pazeller.

Von flächendeckenden Wetterkatastrophen ist Südtirols Land- und Forstwirtschaft im Jahr 2013 zwar verschont geblieben, für viele Bauern gab es aber dennoch unerfreuliche Stunden. „Insgesamt 4000 Hektar waren im vergangenen Jahr von Hagelschlägen betroffen“, berichtete Schuler bei der Vorstellung des Agrar- und Forstberichtes.
Der Bericht ist wie immer ein wertvolles Nachschlagewerk für alle, die sich einen aktuellen Überblick über die Südtiroler Landwirtschaft verschaffen wollen. Die Auszahlungspreise waren 2013 in allen großen landwirtschaftlichen Sektoren gut bis sehr gut, stark steigende Produktionskosten machten die daraus resultierenden höheren Einnahmen jedoch vielfach wieder zunichte.
Einige besonders herausragende Zahlen griff Landesrat Schuler bei seiner Vorstellung hervor: „Südtirol ist tonangebend bei der Veredelung von Milchprodukten. Nebeneinander aufgestellt, würden die jährlich produzierten Joghurtbecher aus Südtirol fast zweimal die Erde umrunden“. Jeder zehnte Apfel in Europa sei ein Südtiroler Apfel, im Biobereich ist es sogar jeder zweite Apfel. Südtiroler Weine erhielten 2013 insgesamt 137 Mal Bestnoten in den verschiedenen Weinführern. Südtirol bestätigt sich damit als das meistprämierte Weinbaugebiet Italiens im Verhältnis zur Rebfläche.

Milchproduktion: Trend bestätigt
Erstmals waren auch die zuständigen Abteilungsdirektoren Martin Pazeller (Landwirtschaft) und Paul Profanter (Forstwirtschaft) eng in die Vorstellung des Berichtes eingebunden. Pazeller berichtete, dass sich im Bereich der Milchwirtschaft der langjährige Trend – konstante Milchmenge bei immer weniger Produzenten – auch 2013 fortgesetzt habe. „Neue interessante Exportmärkte wie Russland, China oder Indien bringen es mit sich, dass wir bei der Einhaltung von Hygienestandards auf neue Details achten müssen“, unterstrich Pazeller. Eine positive Nachricht gibt es im Bereich der Tiergesundheit: Südtirol ist seit 2013 wieder frei von Tollwutfällen.
Erfreuliche Nachrichten kommen auch von der EU: Die Fördergelder für die kommenden Jahre scheinen mittlerweile gesichert. „Insgesamt werden die Zahlungen für die Berggebiete sicher nicht ab-, sondern eher zunehmen“, verkündete Pazeller.

Fast 100 Prozent DOC-Weine
Für die Obstbauern im Land bleibt der Besenwuchs eine große Herausforderung. Die Weinwirtschaft verzeichnet weiterhin einen Flächenzuwachs, allerdings – als Folge des Klimawandels – vor allem in den höheren Lagen. Bemerkenswert sei auch, dass Südtirol mit einem fast 100-prozentigen Anteil an DOC-Weinen eine einzigartig hohe Quote aufweist. Der „Urlaub auf dem Bauernhof“ habe sich als vierter Sektor der Südtiroler Landwirtschaft längst etabliert und mit der Erweiterung auf fünf Blumen jetzt auch ein echtes Premium-Segment.

Wald: Einseitige Zunahme im Berggebiet
Den Bereich Forstwirtschaft übernahm bei der Vorstellung der Abteilungsdirektor Paul Profanter. Auch hier mache sich der Klimawandel bemerkbar: „Wir haben einen Zuwachs bei der Waldfläche, allerdings vor allem in den Berggebieten. In den Tallagen gerät der Wald immer mehr unter Druck“, berichtete Profanter. Insgesamt ist der Gesundheitszustand des Waldes gut, Prozessionsspinner und Borkenkäfer werden biologisch bekämpft. Die österreichischen Sägewerke haben den Südtiroler Holzmarkt entdeckt, die Holzpreise sind angestiegen. Großes Potential gebe es weiterhin bei den Fernheizwerken: „Nur 30 Prozent des Rohstoffes, der dort verarbeitet wird, kommt derzeit aus Südtirol“, betonte Profanter. Um den vielen Unfällen bei der Waldarbeit entgegen zu wirken, werden in der Forstschule Latemar vermehrt Arbeitssicherheitskurse angeboten.
Ein großes Thema sei die Freizeitnutzung von Wald- und Almwegen. „Nicht jeder, der sich dort bewegt, zeigt genug Respekt vor dem Eigentum der Grundbesitzer. Es gibt eine Reihe von Abkommen, diese lassen sich aber oft leichter zu Papier bringen als in die Tat umsetzen“, berichtete Profanter.