Südtiroler Landwirt, Produktion | 08.05.2014

Gefährlicher Schädling im Maisfeld

Seit fünf Jahren treibt der Maiswurzelbohrer auch in Südtirol sein Unwesen. Was die Bauern gegen diesen gefährlichen Schädling tun können und welche Rolle die Fruchtfolge dabei spielt, zeigen der Pflanzenschutzdienst des Landes und das Versuchszentrum Laimburg auf. von Anna Zelger (Landespflanzenschutzdienst), Hannes Rauch, Christine Klotz (Versuchszentrum Laimburg)

In immer mehr Südtiroler Maisfeldern wütet der Maiswurzelbohrer. Allein 2013 ist der Befall südtirolweit im Vergleich zum Vorjahr um 35 Prozent gestiegen.

In immer mehr Südtiroler Maisfeldern wütet der Maiswurzelbohrer. Allein 2013 ist der Befall südtirolweit im Vergleich zum Vorjahr um 35 Prozent gestiegen.

Der Westliche Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera virgifera) gehört zur Familie der Blattkäfer (Chrysomelidae) und zählt zu den bedeutendsten Maisschädlingen.
Der ursprünglich aus Zentralamerika stammende Käfer wurde in Europa zum ersten Mal 1992 in Serbien entdeckt. Seither hat er sich innerhalb weniger Jahre in andere europäische Länder ausgebreitet und verursacht  in den Maisfeldern mancher Gebiete mittlerweile Schäden in Millionenhöhe.
Der Großteil des Schadens wird durch die Larven verursacht, welche sich praktisch ausschließlich von Maiswurzeln ernähren. Als Schadschwelle gelten zwischen fünf und zehn Larven des dritten Larvenstadiums pro Pflanze, wenngleich vor allem abiotische Faktoren wie die Wasserverfügbarkeit und die damit zusammenhängende Wurzelregeneration diese wesentlich beeinflussen können.

Ernteverluste bis zu 80 Prozent
In Extremfällen werden in Befallsgebieten Ernteverluste von über 80 Prozent verbucht.
Die Käfer ernähren sich hauptsächlich von Pollen, Narbenfäden, milchreifen Maiskörnern und jungen Blättern. Bei einem sehr starken Befall von über zehn Käfern pro Pflanze können auch die Adulten einen beachtlichen Schaden verursachen.

Ausbreitung durch Flug der Käfer
Die natürliche Ausbreitung erfolgt durch den aktiven Flug der Käfer. Der Westliche Maiswurzelbohrer ist ein guter Flieger und kann bei optimalen Flugbedingungen in einem Einzelflug bis zu 25 Kilometer zurücklegen. In Gebieten mit intensivem Maisanbau kann die natürliche Ausbreitung dieses Schädlings jährlich 60 bis 80 Kilometer und mehr betragen. In Österreich beläuft sie sich aktuell auf etwa 30 bis 40 Kilometer pro Jahr. Mittlerweile lässt sich die natürliche Ausbreitung in Europa nicht mehr aufhalten, durch entsprechende Eingrenzungsmaßnahmen kann sie aber deutlich verzögert werden.
Neben der natürlichen Ausbreitung wird der Maiswurzelbohrer noch über verschiedene Transportmittel wie Flugzeug, Bahn, LKW-Verkehr usw. passiv verschleppt, wodurch der Käfer immer wieder vereinzelt auch in bisher nicht von ihm besiedelten Gebieten gefunden werden kann.

Befallssituation in Südtirol
Bereits seit mehreren Jahren werden in den Südtiroler Maisanbaugebieten Pheromonfallen eingesetzt, um das Auftreten des Maiswurzelbohrers zu überwachen. Beim letztjährigen Monitoring wurden 38 Standorte ausgewählt und an jedem Standort wurden drei Pheromonfallen aufgehängt. Diese Fallen wurden in zweiwöchigem Abstand kontrolliert und nach etwa vier Wochen ausgetauscht.
Im Rahmen dieses Monitoring-Programmes wurden im Jahr 2009 in Freienfeld und in Bruneck die ersten Exemplare des Schädlings nachgewiesen. Bereits im darauf folgenden Jahr konnte dieser Schädling nahezu im gesamten Landesgebiet festgestellt werden, wenn auch noch in einer geringen Befallsdichte.
Dabei ist aber ein jährlicher rapider Anstieg der Käferanzahlen zu verzeichnen. Im Jahre 2013 wurden immerhin 408 Exemplare gefangen. Dies entspricht einem Anstieg von 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Käfer vermehrt sich sehr schnell
Der Quarantänestatus des Maiswurzelbohrers wurde in der EU im heurigen Jahr aufgehoben.
Aufgrund der Befallssituation und den Erfahrungen aus anderen Maisanbaugebieten wird eine Ausmerzung des Schädlings in Südtirol als nicht mehr möglich erachtet.
Die Populationsentwicklung ist ähnlich wie in anderen europäischen Ländern, in denen der Maiswurzelbohrer bereits stark verbreitet ist und große Schäden in den Mais­äckern anrichtet. Aufgrund der schnellen Vermehrung des Schädlings in den letzten Jahren ist in Zukunft mit einer weiteren Populationszunahme zu rechnen.
Es gilt daher verschiedene Strategien anzuwenden, um die Vermehrung und Verbreitung des Schädlings zu reduzieren und somit die Schäden bei der Maiskultur so gering wie möglich zu halten.
Dem Landwirt stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, wenngleich nicht alle in den Südtiroler Anbaugebieten in der Praxis anwendbar oder wirtschaftlich sind. Die Maßnahmen reichen von einer chemischen Bekämpfung der Larven und/oder der Käfer bis hin zu Fruchtfolgesystemen.

Chemische Bekämpfung schwierig
Chemische Mittel können eingesetzt werden, um die Larven und/oder die Käfer zu bekämpfen, wobei Ersteres in Europa einer Adultbekämpfung vorgezogen wird. Es sind zurzeit in Italien einige Produkte zugelassen, welche als Bodengranulat bei der Aussaat beigedrillt werden können und als Kontakt- bzw. Fraßgift gegen die Larven wirken. Allerdings belegen zahlreiche Studien, dass mittlerweile einige Populationen Resistenzen gegen verschiedene Insektizide aufweisen und selbst Wirkungsgrade von über 80 Prozent oftmals nicht ausreichen, um in stark befallenen Gebieten unter der wirtschaftlichen Schadschwelle zu bleiben.
Zudem ist die Verwendung von Saatgut, welches mit systemisch wirkenden Neonikotinoiden gebeizt und in zahlreichen europäischen Ländern in den letzten Jahren eingesetzt wurde, aufgrund seiner vermutlich bienenschädigenden Wirkung seit heuer in der EU gesetzlich nicht mehr erlaubt.
Die Bekämpfung der Käfer ist aufgrund der Kulturhöhe zur Hauptflugzeit nur mit Stelzentraktoren möglich, weshalb diese Strategie für die klein strukturierten Betriebe in Südtirol aufgrund der fehlenden Maschinenausstattung kaum in Frage kommen kann.

Biologische Bekämpfung: Wirksamkeit schwankt
Neben chemischen Insektiziden gibt es auch einige biologische Mittel, die zur Larvenbekämpfung herangezogen werden können. Dazu zählen in erster Linie, insektenpathogene Nematoden, die mit einer eigenen Schare bei der Aussaat flüssig in die Furche appliziert werden.
 Darüber hinaus wird in Versuchsflächen in der Steiermark die Effizienz des Pilzes Metarhizium brunneum zur Bekämpfung der Larven getestet.
Obwohl biologische Mittel bereits vielversprechende Resultate erzielten, schwankt ihre Wirksamkeit und hängt von zahlreichen Faktoren, wie z.B. der Bodentextur, Bodentemperatur, Wasserverfügbarkeit ab.

Fruchtfolge ist einfach und effizient
Die Einhaltung einer Fruchtfolge stellt die einfachste und wirksamste Methode dar, um die Vermehrung und Ausbreitung des Westlichen Maiswurzelbohrers erfolgreich zu unterbinden.
Frisch geschlüpfte Larven des Westlichen Maiswurzelbohrers besitzen nur ein sehr begrenztes Wandervermögen und sterben, wenn sie nicht innerhalb von etwa 24 Stunden nach dem Schlupf Maiswurzeln finden. Eine Mais-Anbaupause von einem Jahr kann daher bereits einen Großteil der Larven vernichten, da sie diesen praktisch auf natürliche Weise die Lebensgrundlage entzieht.
Durch ein gezieltes Management der Fruchtfolge kann das Erreichen der Schadensschwelle deutlich hinausgezögert werden. Im Allgemeinen gilt: Je früher und öfter ein Fruchtwechsel vorgenommen wird, umso länger können eventuelle Schäden im Maisanbau vermieden werden.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Schweiz, wo dank einer effizienten und konsequent eingehaltenen Fruchtfolge eine starke Vermehrung des Schädlings unterbunden werden konnte.

Geeignete Kulturen für Fruchtwechsel
Bei der Gestaltung der Fruchtfolge können verschiedene Kulturen in Betracht gezogen werden, wie zum Beispiel Gemüse-, Getreide- oder Futterbaukulturen.
Jeder Betrieb sollte individuell entscheiden, welche Kultur er bei einem Fruchtwechsel anbauen könnte. Bei der Planung der Fruchtfolge sind aber bestimmte Faktoren zu berücksichtigen, wie zum Beispiel die Standort­eigenschaften, die Kulturdauer, maschinelle Ausrüstung sowie der Arbeitsaufwand.
Viehwirtschaftliche Betriebe sollten auch an den Futterertrag der einzelnen Kulturen denken. Zu beachten sind zudem die geltenden „Cross Compliance“-Bestimmungen, laut denen Mais nicht länger als fünf aufeinander folgende Jahre auf derselben Fläche angebaut werden darf.