Steuerberatung | 02.05.2014

Innergemeinschaftliche Verkäufe

Für Verkäufe zwischen Unternehmern innerhalb der Europäischen Union gilt die Bestimmungslandbesteuerung. Die Waren und Dienstleistungen unterliegen allgemein in dem Land der Mehrwertsteuer, in das sie geliefert bzw. erbracht werden.

VIES-Datenbank im Internet

VIES-Datenbank im Internet

Die Bestimmungslandbesteuerung gilt auch für den Verkauf von landwirtschaftlichen Produkten, die also ohne Anwendung der Mehrwertsteuer an Unternehmen in anderen EU- Staaten verkauft werden.

Voraussetzungen

Damit ein innergemeinschaftlicher Verkauf vorliegt, müssen mehrere Voraussetzungen gegeben sein.

1.) Verpflichtung zur Eintragung im VIES (für den verkaufenden Landwirtschaftsbetrieb)
Bevor innergemeinschaftliche Verkäufe (oder Einkäufe) getätigt werden, muss sich der Landwirtschaftsbetrieb ins VIES- Register eintragen lassen. Dies erfolgt über ein Ansuchen an die Agentur der Einnahmen. Die Wirksamkeit der Eintragung gilt erst 30 Tage nach Antragstellung. Das heißt, wer beabsichtigt, Produkte ins EU-Ausland zu verkaufen, muss sich 30 Tage vorher ins VIES eintragen.
Andernfalls findet die italienische Mehrwertsteuer Anwendung.

2.) Käufer muss ein Unternehmer sein – Kontrolle im VIES

Der kaufende Unternehmer im anderen EU-Staat muss auch in der VIES- Datenbank aufscheinen. Es ist die Pflicht des Verkäufers, den Status seines Kunden zu überprüfen. Deshalb sollte unbedingt jeder neuer Kunde im VIES kontrolliert werden. Es ist dringend anzuraten, auch langjährige Geschäftspartner kontinuierlich zu überprüfen. Ihr Status kann sich aus den verschiedensten Gründen ändern.

Die Kontrolle kann unter nachfolgendem Link vorgenommen werden: http://www1.agenziaentrate.gov.it/servizi/vies/vies.htm

3.) Die Ware muss nachweislich in einen anderen EU- Staat geliefert werden

Die Lieferung der Ware in einen anderen EU- Staat muss dokumentiert werden.
Zum Nachweis eines innergemeinschaftlichen Verkaufes sind folgende Dokumente notwendig:

  1. Verkaufsrechnung
  2. INTRASTAT- Meldung
  3. Nachweis der Zahlung
  4. Transportdokument oder ähnliches:

  • Transportdokument (CMR) vom Transporteur und dem Käufer unterschrieben oder

  • Lieferschein (DDT) vom Käufer unterfertigt oder

  • Versicherungsvertrag zum Transport oder

  • Kaufvertrag oder Auftragsbestätigung durch den Kunden oder

  • schriftliche Bestätigung des Käufers, das Gut erhalten zu haben (Gelangensbestätigung).

Ohne Dokumentation der tatsächlichen Verbringung ins EU- Ausland, kann die Finanzverwaltung die Steuerbefreiung aberkennen.

4.)
Es muss sich um eine entgeltliche Lieferung handeln
Nur Verkäufe gegen Entgelt werden als innergemeinschaftliche Lieferungen eingestuft.
Ist auch nur eine der genannten Voraussetzungen nicht erfüllt, muss die italienische Mehrwertsteuer Anwendung finden. Im Falle einer Finanzkontrolle muss allenfalls die Mehrwertsteuer zuzüglich Strafen und Zinsen nachbezahlt werden. Normalerweise gelingt es nicht, die Mehrwertsteuer vom ausländischen Kunden in nachhinein zu kassieren. Deshalb ist äußerste Vorsicht geboten.


Richtige Vorgehensweise

  1. Eintragung ins VIES-Register muss erfolgt sein.
  2. Kontrolle ob der Käufer ein Unternehmer ist und als solcher registriert ist (VIES).
  3. Der Verkäufer stellt eine Rechnung ohne Anwendung der Mehrwertsteuer aus mit der Anmerkung: „Nicht steuerpflichtiger Umsatz im Sinne des Art. 41, Gesetzesdekret Nr. 331/1993- Umkehrung der Steuerschuldnerschaft“ („operazione non imponibile ex art. 41, decreto legge n. 331/1993- inversione contabile“) und vermerkt die Identifikationsnummer (MwSt.- Nr.) des Käufers.

  4. Der ausländische Käufer muss in seinem Staat die Mehrwertsteuer bezahlen.
  5. Sofern der landwirtschaftliche Betrieb das Pauschalsystem anwendet, wird der landwirtschaftliche Kompensierungssatz als Guthaben gegenüber dem Fiskus ausgewiesen und kann beim nächsten Abschluss verrechnet werden.
  6. Für diese Bewegungen muss außerdem vom Verkäufer die Intra 1-Kundenliste beim Zollamt eingereicht werden.