Wirtschaft | 24.04.2014

Kovieh: Umsatzplus dank Wirtschaftskrise

Mit fast 41.200 vermarkteten Tieren und rund 19 Mio. Euro Umsatz hat das Kovieh im Jahr 2013 ein gutes Ergebnis eingefahren. Kritisiert haben die Vertreter der Viehwirtschaft im Rahmen der Jahresvollversammlung das mangelnde Interesse von Landesrat Arnold Schuler. von Guido Steinegger

Die Bauern wissen die Dienstleistungen des Kovieh zu schätzen. Das zeigt auch der große Andrang bei den Versteigerungen (hier bei der Osterochsenversteigerung in St. Lorenzen).

Die Bauern wissen die Dienstleistungen des Kovieh zu schätzen. Das zeigt auch der große Andrang bei den Versteigerungen (hier bei der Osterochsenversteigerung in St. Lorenzen).

Von einem „ausgeglichenen und guten Geschäftsjahr“ für das Südtiroler Viehvermarktungskonsortium Kovieh sprach Obmann Lorenz Gasser heute auf der Vollversammlung im Haus der Tierzucht in Bozen. Auf 94 Versteigerungen in Bozen und St. Lorenzen hat das Kovieh vergangenes Jahr 41.193 Tiere vermarktet, also 2779 mehr als im Vorjahr. Der Umsatz von rund 19 Mio. Euro zeugt von der Schlagkraft und Bedeutung für die Südtiroler Viehhaltungsbetriebe. Das Plus wurde erstaunlicherweise erzielt, weil die generelle Wirtschaftslage eher schlecht ist. Laut Kovieh-Geschäftsführer Martin Tröger haben genau deshalb viele Bauern mehr Tiere verkauft.

Die Preisentwicklung verlief sehr unterschiedlich: Im ersten Halbjahr war der Preis sehr hoch, was die Anlieferung an die Versteigerungen noch einmal ankurbelte. Als Preistreiber nennt Geschäftsführer Tröger „die vielen Ausfuhren aus der EU in die Türkei, die europaweit zu einem Kuhfleischmangel geführt haben. Der im zweiten Halbjahr eingetretene Preisrückgang war deshalb auch zu erwarten.“ Insgesamt sank der durchschnittliche Gesamtpreis (ohne MwSt.) bei den Kälberversteigerungen um 5,67 Prozent auf 292,63 Euro pro Stück. Bei den Schlacht- und Mastviehversteigerungen blieb der Durchschnittspreis mit einem Minus von 0,41 Prozent praktisch gleich. Seit 2010 ist der Durchschnittspreis aber um rund 200 Euro pro Tier gestiegen. „Gelungen ist dies auch dank der hervorragenden und offiziell bestätigten Tiergesundheit in unserem Land. So können wir in alle Länder der EU exportieren“, sagte Tröger. Dies sei nur aufgrund eines hervorragenden Kontrollsystems und unkomplizierter Zusammenarbeit mit dem Landestierärztlichen Dienst möglich, für das der anwesende stellvertretende Landestierarzt Ernst Stifter gelobt wurde. Auch Bauernbund-Landesobmannstellvertreter Viktor Peintner lobte die effiziente Arbeit des Kovieh, das den Bauern zu äußerst niedrigen Kosten sowohl den Transport als auch die Bürokratie abnehme.

Schuler glänzt durch Abwesenheit
In den Wortmeldungen der Mitglieder und Ehrengäste zeigte sich die Sorge um die Zukunft der funktionierenden Vermarktungseinrichtung. Sowohl Kovieh-Obmann Lorenz Gasser als auch die drei Obmänner des Braunvieh-, Fleckvieh- und Rinderzuchtverbandes kritisierten die häufige Abwesenheit der Landespolitik, vor allem des Landwirtschaftslandesrates Arnold Schuler: sowohl bei Jahreshauptversammlungen, aber auch bei wichtigen Veranstaltungen wie der ersten gemeinsamen Landes-Jungzüchterschau und Gebietsausstellungen. „Natürlich haben wir Verständnis für die vielen Termine eines Landesrates“, sagte einer der Obmänner. „Die Tendenz aber zeugt vom Desinteresse der Landesregierung an der Viehwirtschaft. Zu erwarten wäre, dass sie zumindest einen führenden Landesbeamten als Vertreter schickt“, ergänzte einer seine Kollegen. Für zunehmenden Zündstoff in Viehwirtschaftskreisen sorgt das vor allem, weil die Landespolitik die Beiträge für die Verbände und Organisationen in den vergangenen Jahren stark zurückgefahren und weitere Kürzungen angekündigt hat. Die Obmänner argumentieren, dass funktionierende Dienste langfristig nicht mehr aufrecht erhalten werden könnten, und das schade den Bauernbetrieben und der gesamten Gesellschaft. „Gehen diese Dienste erst einmal verloren, kann man sie nicht mehr aufbauen“, sagten gleich mehrere Verbandsobmänner. Die Politik erwecke den Anschein, dass ihr das egal oder nicht bewusst sei.

Alles beim Alten nach Kovieh-Wahlen
Alles beim Alten blieb bei den Wahlen des Verwaltungsrates: Sowohl Obmann Lorenz Gasser als auch Stellvertreter Michael Treyer wurden in ihrem Amt für weitere drei Jahr bestätigt. Aufgrund gestiegener Umsatzanteile entsendet der Fleckviehzuchtverband einen Delegierten mehr, weshalb sich der Verwaltungsrat künftig aus 14 statt bisher 13 Delegierten zusammensetzt. Neben Gasser (Braunviehzuchtverband) und Treyer (Fleckviehzuchtverband) sind das Alois Hellrigl, Hans Dorfmann, Roland Thomaser und Anton Michael Wallnöfer (alle Braunviehzuchtverband); Emmerich Silbernagl, Robert Außerhofer und als neuer Delegierter Stefan Winkler (alle Fleckviehzuchtverband); Heinrich Ennemoser, Paul Markart und – statt bisher Johann Lintner – Christian Rainer (alle Rinderzuchtverband); Richard Gamper (Haflinger Pferdezuchtverband) und Lorenz Müller (Kleintierzüchter).

Geehrt wurde Renate Manferdini, die nach 32 Jahren Mitarbeit bei Vives und Kovieh im vergangenen Jahr in Rente gegangen war.

Der neu gewählte Verwaltungsrat des Kovieh vor dem Haus der Tierzucht in Bozen. Er besteht in Zukunft aus 14 Delegierten.

Stellten bei der Versammlung die Jahresbilanz vor: (v.l.) Daniel Prossliner, Michael Treyer, Lorenz Gasser und Martin Tröger.