Südtiroler Landwirt, Bäuerlicher Notstandsfonds | 28.03.2014

Treffsicher

Wenn Familien unverschuldet in Not geraten, ist der Bäuerliche Notstandsfonds zur Stelle. Im letzten Jahr konnte er 101 Familien helfen, hieß es kürzlich bei der Vollversammlung in St. Pauls. Über 3000 Spender und verschiedene Spendenaktionen haben die Hilfe ermöglicht. von Michael Deltedesco

Der Bäuerliche Notstandsfonds bringt Hilfe dorthin, wo sie gebraucht wird. (Foto: Tappeiner)

Der Bäuerliche Notstandsfonds bringt Hilfe dorthin, wo sie gebraucht wird. (Foto: Tappeiner)

Es kann jeden treffen: Ein plötzlicher Todesfall, eine schwere Krankheit, ein Unfall, der das Leben von einer Sekunde auf die andere auf den Kopf stellt. Seit mehr als 20 Jahren hilft der Bäuerliche Notstandsfonds schnell und unbürokratisch Familien, die unverschuldet in Not geraten sind.
Auf der Vollversammlung in der Kellerei St. Pauls erklärte der Obmann des Bäuerlichen Notstandsfonds (BNF) Sepp Dariz: „Im Jahr 2013 haben wir 101 Familien in Not unterstützt. Insgesamt wurden 1.060.000 Euro an Hilfsgeldern ausbezahlt.“ Hinzu kamen 300.000 Euro an Sonderfinanzierungen im Rahmen des Förderprojektes Ethical Banking „Bäuerlicher Notstandsfonds-Menschen helfen“.
Neben finanzieller Hilfe bietet der BNF aber auch physische und psychische Unterstützung sowie Beratungen an. Eine wichtige Stütze sind mehrere Holzblockhäuser, die der Notsandsfonds an Familien verleiht. Zwei davon wurden vom Sonderfonds für die Ehrenamtliche Tätigkeit mitfinanziert, eines von der Hermann Rubner Privatstiftung Onlus gestiftet. Im Rahmen von „Zukunft schenken“ wurde zudem 30 Jugendlichen eine Studienbeihilfe gewährt.

Todesfall, Krankheit und Unfall
Am häufigsten wurden Familien unterstützt, die durch Krankheiten, Behinderungen oder Todesfälle in Not geraten sind. 20 Prozent der Unterstützungsmaßnahmen gibt es nach Bränden oder Unwetterschäden. Häufig sind auch betriebliche Notfälle, wie etwa ein Viehausfall.
Neben Gesuchen aus dem Jahr 2012 wurden im letzten Jahr 63 neue Gesuche um Unterstützung und Hilfsmaßnahmen vorgelegt und behandelt. „41 Gesuche stammen von bäuerlichen Familien. Im Rahmen der Aktion ‚Menschen helfen’ haben auch 22 nicht-bäuerliche Familien um Hilfe angesucht“, sagte Dariz.

Über 3000 Spender und viele Freiwillige
Dass Familien in einer Notsituation überhaupt geholfen werden kann, ist den vielen Spendern und verschiedenen Aktionen zu verdanken. „Die freiwilligen Spenden, Hinterlassenschaften, Spendenaktionen usw. brachten 2013 über 1,2 Millionen Euro ein“, zählte Dariz auf. Den Großteil der Mittel, insgesamt 574.000 Euro, spendeten mehr als 3000 Private, aber auch Unternehmen, Verbände, die bäuerlichen Organisationen und Banken. Knapp 152.000 Euro kamen von „Südtirol hilft“. Die Stiftung Südtiroler Sparkasse steuerte 45.000 Euro bei. Deren Vertreterin Martha Ambach erklärte: „Eine Aufgabe der Stiftung ist es, soziale Einrichtungen zu unterstützen. Daher helfen wir dem BNF immer sehr gerne.“ Das Charity-Skirennen am Hahnenkamm in Kitzbühel brachte 13.000 Euro ein. Aus Hinterlassenschaften standen im letzten Jahr 180.000 Euro für bedürftige Familien zur Verfügung. Und etwa jeder fünfte Euro stammt von verschiedenen Spendensammelaktionen.

Großartige gemeinsame Aktionen
Seit Jahren kann der BNF auf gemeinsame „großartige Aktionen zählen“, freute sich Dariz. Ein großer, aber lohnender Aufwand ist jedes Jahr der Verkauf von Weihnachts- und Glückwunschkarten mit Motiven von Künstlern und Freizeitmalern.
Eine große Hilfe sind die Flugretter Südtirols und der Aiut Alpin Dolomites. Der Erlös aus dem Verkauf des „Flugretter helfen“-Kalenders geht an den Bäuerlichen Notstandsfonds. Auf der Jahreshauptversammlung überreichten Erich Näckler (Flugbegleiter), Giuglielmo Costamoling (Aiut Alpin) und Manfred Brandstätter (Heli Flugrettung) dem BNF einen Scheck über 17.000 Euro.
Beeindruckend ist das Engagement der Geschwister Kössler aus St. Pauls. Der Erlös der Adventaktion „Weihnachtskeller“ im Ansitz Altenburg in St. Pauls ging an den BNF.
Stanislaus Schmid stellte Schloss Rametz für einen Weihnachtsmarkt zugunsten des BNF zur Verfügung.
Die Südtiroler Gärtner sorgten mit „Austern und Sekt“ auf dem Grieser Platz an Silvester für eine großzügige Spende.
Über 13.500 Euro spendeten Schülerinnen und Schüler der Hotelfachschule Kaiserhof in Meran. Das Geld hatten sie bei zwei Veranstaltungen gesammelt.
Beim Adventskonzert „Kinderaugen leuchten“ des Schulchors der Grundschule St. Michael/Eppan sowie der Kinder der 5. Klassen der Grundschule Leifers gingen 1650 Euro ein.
Unterstützt wird der BNF weiters von der Pfarrcaritas Vahrn. Auch der Kiwanis Club Bozen  und viele andere Unternehmen helfen dem BNF mit Sach- oder Geldspenden.
2014 will der Bäuerliche Notstandsfonds weiter Spenden für in Not geratene Familien sammeln. „Die Hilfe hört nie auf, stille Not gibt es überall. Ich möchte allen für die beeindruckende Unterstützung danken. Wer einmal erlebt hat, wie dankbar Menschen in Not für jede noch so kleine Hilfe sind, der wird das nie vergessen“, sagte Dariz. Gedankt wurde auf der Jahreshauptversammlung aber auch dem Vorstand und den Mitarbeiterinnen des Bäuerlichen Notstandsfonds.
Ein besonderer Dank ging an die bisherige Obmann-Stellvertreterin Rosl Debiasi, die bei der Neuwahl des Vorstandes nicht mehr antrat. Sie hat seit der Gründung des Bäuerlichen Notstandsfonds im Jahr 1990 ehrenamtlich mitgearbeitet.
Beeindruckt zeigte sich der Landesrat für Landwirtschaft Arnold Schuler von der Tätigkeit des Bäuerlichen Notstandsfonds. „Der BNF ist mittlerweile zu einer Institution geworden, die aus Südtirol nicht mehr wegzudenken ist. Freiwillige und Mitarbeiter leisten unheimlich viel, dafür gebührt ihnen unser aller Dank, aber auch unsere Unterstützung.“
Den Dank des Südtiroler Bauernbundes überbrachte der Bozner Bezirksobmann Karl Framba. Auch er hob die große Bedeutung des BNF für das Land hervor.