Südtiroler Landwirt, Markt | 27.03.2014

Kein Ostern ohne diese Versteigerung

Der Höhepunkt des Kovieh-Versteigerungsjahres ging am Dienstag in St. Lorenzen über die Bühne: Bei der Osterochsen-Versteigerung wechselten 15 Gsieser Almochsen ihre Besitzer. Ein weiteres Prachtstück brachte 9443,50 Euro für die Südtiroler Krebshilfe.

Freuten sich über 9443,50 Euro für die Südtiroler Krebshilfe: (v.l.) Elmar Pardeller (Aspiag), Ida Schacher und Martha Erlacher von der Südtiroler Krebshilfe und Spender Ferdinand Seiwald.

Freuten sich über 9443,50 Euro für die Südtiroler Krebshilfe: (v.l.) Elmar Pardeller (Aspiag), Ida Schacher und Martha Erlacher von der Südtiroler Krebshilfe und Spender Ferdinand Seiwald.

Der Versteigerer Walter Hainz hatte alle Hände voll zu tun, um ja keinen Mitbietenden und kein Gebot zu übersehen. Denn die 15 Gsieser Osterochsen mit dem Gütesiegel fanden reißenden Absatz. Kein Wunder, gelten sie doch als Tiere höchster Qualität: Als
Gsieser Ochse mit dem geschützten Gütesiegel darf nämlich nur unter den Hammer kommen, wer den Rassen Fleckvieh oder Pinzgauer angehört, in Gsies geboren und auch dort aufgewachsen ist, mindestens 650 Kilogramm Lebendgewicht auf die Waage bringt und in seinem Leben zweimal gealpt wurde.
Dafür steht der eingetragene Züchterverein, dessen Obmann Josef Selbenbacher bei der diesjährigen Osterochsenversteigerung des Viehvermarktungskonsortiums Kovieh selber zugegen war. Die Versteigerungshalle in St. Lorenzen war zum Bersten voll: Käufer, Bauern und Interessierte waren aus allen Landesteilen angereist, um sich das alljährliche Groß-ereignis nicht entgehen zu lassen.

15 Osterochsen mit dem Gütesiegel als Hauptattraktion
Sechs der insgesamt 15 Gsieser Osterochsen mit dem Gütesiegel  gingen in diesem Jahr letztendlich an die Fleischwerke Bozen der Aspiag. Fünf weitere Exemplare an die Vereinigung Südtiroler Gasthaus, die in drei Gruppen mitsteigerten.
Die Metzgerei Stampfl in Klausen und Vintl bekam den Zuschlag für einen der Gsieser Ochsen gleich wie die Metzgerei Weissteiner aus Niederdorf und die Ahrntaler Metzgerei aus Sand in Taufers. Der Binta Pub in Gsies ersteigerte den letzten der Gsieser Ochsen für seine Ochsenwoche, die vom 2. bis 11. Mai stattfinden wird.
 Der Ausrufpreis für die Ochsen mit dem Qualitätssiegel war mit jeweils 3,50 Euro pro Kilogramm Lebendgewicht festgelegt worden.Das Höchstgebot lag nach spannendem Wettkampf zwischen 4,14 und 5,30 Euro pro Kilogramm (Durchschnittspreis: 4,85 Euro). Mit 4756,40 Euro Gesamtpreis ersteigerten die Despar  Fleischwerke Bozen (Aspiag) das teuerste Tier unter den Gsieser Ochsen. Es handelte sich dabei um den Ochsen mit dem Namen Glockner von Züchter Alfred Selbenbacher vom Oberweckeler in Gsies.

Qualitätstier als Spende für die Südtiroler Krebshilfe
An die Aspiag und ihre Fleischwerke Bozen ging auch das teuerste Tier der diesjährigen Osterochsen-Versteigerung: Der Gsieser Ferdinand Seiwald hatte seinen Ochsen mit dem Namen Bubi gespendet, um den Erlös aus der Versteigerung dieses Tieres der Südtiroler Krebshilfe zukommen zu lassen. Der Ochse mit einem Lebendgewicht von 850 Kilogramm wechselte seinen Besitzer zum Kilopreis von 10,10 Euro und brachte der Südtiroler Krebshilfe so einen Betrag von 9443,50 Euro ein. Ferdinand Seiwald ist bei der Osterochsenversteigerung kein Unbekannter: Jedes Jahr versteigert er bei dieser Veranstaltung einige seiner Qualitätstiere, bereits mehrere Male hat er für die Südtiroler Krebshilfe einen Ochsen gespendet.
Eine weitere Spende kam von Familie Thaler vom Huberhof in St. Andrä bei Brixen: Die Weger KG aus St. Johann ersteigerte dieses Qualitätsrind um 1953,60 Euro. Der Betrag wird der Kinderkrebshilfe Südtirol Regenbogen zugute kommen.

Prämierungen für die Käufer
Wie jedes Jahr prämierte die Kovieh bei ihrer traditionsreichsten Versteigerung im Jahreskreis wieder die wichtigsten Kunden: Mit 90 ersteigerten Rindern erhielt die Weger KG in St. Johann einen der beiden Geschenkkörbe dafür, die meisten Rinder ersteigert zu haben. Dies entspricht knapp der Hälfte der angelieferten Kühe. Davon wurden dreißig Stück nach Deutschland und sechzig nach Holland geliefert. Der zweite Geschenkkorb ging an die Aspiag, weil sie mit 18 Stück die meisten Qualitätstiere ersteigert hatte. Auch die Magnum-Flasche Südtiroler Weins bekam die Aspiag überreicht, weil sie das teuerste Rind des Tages, den Ochsen für die Spende zugunsten der Südtiroler Krebshilfe, ersteigert hatte.

Rinder aus Südtirol, Käufer von überallher
Während die Qualitätstiere fast ausschließlich von Südtiroler Betrieben, Händlern und Metzgereien ersteigert wurden und die Osterochsen ihre Abnehmer sogar zur Gänze in Südtirol fanden, gingen viele der Kälber, Kalbinnen, Stiere und Kühe, die nicht zu den Qualitätstieren gehören, an Mastbetriebe, Schlachthöfe und -betriebe auch außerhalb der Provinz, hauptsächlich nach Norditalien, sprich Venetien, Piemont oder in die Provinz Trient.

Tiere vom abgebrannten Goarerhof in Lüsen
In der Nacht vor der großen Versteigerung war in Lüsen der Goarerhof von Albin Mellauner abgebrannt. Der Bauer, seine sechs Rinder und die beiden Kälber
blieben glücklicherweise unverletzt. Die Tiere wurden zur Versteigerung nach St. Lorenzen gebracht, um sie dort zu verkaufen.
Der Erlös sollte dem Bauern in seiner Notlage eine erste Hilfe bieten. Gleichzeitig wurden Spenden für den Betroffenen gesammelt.

Lob für Verkäufer und Käufer
Wie Kovieh-Obmann Lorenz Gasser in seinen Eröffnungsworten zur Versteigerung feststellte, ist die traditionelle Osterochsenversteigerung ein gutes Beispiel dafür, wie hohe Qualitäten und kleine Kreisläufe einander wirkungs- und sinnvoll ergänzen können. Er dankte allen Händlern, Metzgern und anderen Käufern sowie den Bauern und Bäuerinnen, die ihre Tiere zur Versteigerung gebracht hatten.
Landtagsabgeordnete Maria Hochgruber Kuenzer begrüßte vor allem die Initiative der Südtiroler Gasthäuser, die die qualitativ hochwertigen Tiere aus Gsies ersteigern wollen, um sie ihren Gästen als hochwertige Fleischspeisen anbieten zu können. „Ich wünsche, dass alle Verkäufer den Preis bekommen, den sie sich verdient haben, weil das die Belohnung ihrer Arbeit und Mühen ist. Und ich wünsche den Käufern und letztendlich den Konsumenten, dass sie mit dem zufrieden sind, was sie sich heute hier ersteigern“, so Hochgruber Kuenzer.
Amtstierarzt Artur Fabi, Koordinator des Tierärztlichen Dienstes Sanitätseinheit Ost bestätigte allen Anwesenden die Güte der zur Versteigerung angebotenen Qualitätstiere: „Diese Tiere sind nicht nur gesund aufgewachsen, sondern hatten ein glückliches Leben. Das macht ihr Fleisch für unsere Ernährung so wichtig!“