Wirtschaft, Südtiroler Landwirt | 27.03.2014

Die neuen Chancen der Schulen

Paul Mair ist seit Januar 2014 geschäftsführender Direktor der Abteilung 22 (Land-, forst- und hauswirtschaftliche Berufsbildung). Im Interview mit dem „Südtiroler Landwirt“ spricht er über Zukunft und Chancen der Fachschulen im Bildungsressort. von Renate Anna Rubner (Interview)

Der Praxisbezug in der Ausbildung der land-, forst- und hauswirtschaftlichen Fachschulen soll nicht verloren gehen.

Der Praxisbezug in der Ausbildung der land-, forst- und hauswirtschaftlichen Fachschulen soll nicht verloren gehen.

Für viele ist nach wie vor unverständlich, dass im Zuge der Aufteilung der Ressorts in der neuen Landesregierung die Abteilung 22 vom Landwirtschaftsressort abgekoppelt und dem Bildungsressort angegliedert wurde.
Ihr Direktor, Paul Mair, hat die anfängliche Enttäuschung inzwischen überwunden und sieht heute auch eine große Chance darin.

Südtiroler Landwirt: Herr Mair, Sie sind geschäftsführender Direktor der Abteilung 22 (Land-, forst- und hauswirtschaftliche Berufsbildung). Können Sie uns verraten, wie es dazu kam, dass diese Abteilung dem Bildungsressort zugesprochen wurde?
Paul Mair: Nein, das weiß ich auch nicht, denn ich war bei dieser Entscheidung nicht dabei. Die wurde politisch getroffen. Wir waren anfangs darüber sehr enttäuscht. Denn wir waren gut vernetzt und gut in die Landwirtschaft eingebunden. Das machte einen großen Teil unseres Erfolges aus. Aber dann war es für uns als Fachschulen ganz unerwartet sehr positiv zu spüren, welche Wichtigkeit man uns beimisst: Alle Interessenverbände standen ganz klar zu und hinter uns: Südtiroler Bauernbund, die Bauernjugend und die Bäuerinnen. Und nicht zu vergessen die Gärtnervereinigung. Das hat uns Mut gemacht und hat unheimlich wohl getan. Wir spürten von allen Seiten sehr viel Wertschätzung.
Jetzt müssen wir aber vorwärts schauen. So sehe ich in diesem Eingebunden-Sein ins Bildungsressort auch Chancen. Zum Beispiel die, dass wir uns stärker in bildungspolitische Themen einbringen und die Besonderheiten unserer Fachschulen besser unterstreichen können. Vielleicht können wir so die Gemeinsamkeiten, die wir Fachschulen untereinander und mit der Landwirtschaft haben, sogar noch besser leben …

Welche Vorteile erhoffte man sich von dieser Zuteilung zum Bildungsressort?
Darüber kann ich nur spekulieren: Sicher geht es darum, innerhalb des Bildungsressorts die Verwaltung zu verschlanken und effizienter zu machen, indem Synergien genutzt und Prozesse verwaltungstechnisch zusammengelegt werden. Inhaltlich und was die Qualität anlangt, sollte aber alles unverändert bleiben. Da  wollen wir sicher keine Abstriche machen. Ich bin überzeugt, dass Schüler und Absolventen nichts von der Zuteilung zum neuen Ressort spüren werden.
Ich bin diesbezüglich sehr zuversichtlich: Beide Landesräte, also sowohl Arnold Schuler für die Landwirtschaft als auch Philipp Achammer für das Bildungsressort haben ganz klar bekundet, dass es ihnen darum geht, den Übergang der Abteilung reibungslos und ohne Einbußen für die fachliche Ausbildung abzuwickeln. Die Gespräche finden in angenehmer Atmosphäre und ganz auf Augenhöhe statt.

Dann bleibt die Abteilung 22 auch im Bildungsressort erhalten?
Zurzeit ist das so vorgesehen, ja! Aber es gehört zu den Agenden von Landesrätin Waltraud Deeg, die Landesverwaltung insgesamt zu reorganisieren. Das wird nicht heuer oder nächstes Jahr passieren, aber es gehört zum Regierungsprogramm. Deshalb wird man im Zuge dieser Reorganisation in zwei bis drei Jahren generelle Fragen beantworten müssen. Und dann wird erst klar werden, wie es mit der Abteilung 22 weitergeht.

Und Sie werden dieser Abteilung dann als Direktor vorstehen?
Für mich persönlich ist das noch nicht klar. Ich habe die Abteilung interimistisch übernommen, weil ich als bisheriger Stellvertreter von Stefan Walder darum gebeten wurde. Er ist ja bekanntlich als Ressortdirektor zu Landesrätin Deeg gewechselt. Also bin ich derzeit dreimal wöchentlich als Abteilungsdirektor in Bozen und zwei mal in der Woche als Direktor hier an der Fachschule Laimburg. Ich möchte mich nicht von der Schule lösen. Ich hänge an ihr, habe hier viel bewegen können und empfinde diese Aufgabe für mich auch nicht als abgeschlossen.
Als Abteilungsdirektor liegt der Schwerpunkt meiner Arbeit darin, dass die Fachschulen in ihrer Identität und in ihrer Einbindung in die Landwirtschaft erhalten bleiben und weiterhin so funktionieren, wie wir es gewohnt sind.

Wären die beiden Funktionen, also Schuldirektor und Abteilungsdirektor, denn überhaupt miteinander vereinbar?
Zumindest wäre eine solche Doppelfunktion nicht undenkbar für eine gewisse Zeit. Die Abteilung ist ja das Sprachrohr der Fachschulen. Deshalb könnte es auch von Vorteil sein, wenn ein Schuldirektor die Abteilung leitet, weil er direkt vor Ort Auge und Ohr hat.
Ich leite die Abteilung zunächst einmal geschäftsführend und begleite ihren Wechsel vom Landwirtschafts- ins Bildungsressort. Dann erst wird sich zeigen, wie der Rahmen abgesteckt wird und wer langfristig die Abteilung oder das, was daraus entsteht, leiten wird.

Wie wird man nun künftig konkret gewährleisten, dass der fachliche Bezug zur Landwirtschaft in den Fachschulen nicht verloren geht?
Zum Einen werden zwischen den beiden Landesräten klare Absprachen getroffen, wonach Landesrat Schuler und die ganze Landwirtschaft (mit Bauernbund und allen anderen landwirtschaftlichen Institutionen) koordiniert den fachlichen Bezug der Fachschulen gewährleisten.
Die Verwaltung dagegen wird bei Landesrat Achammer angesiedelt sein. Diese Vereinbarung zwischen den beiden Landesräten ist bereits in Ausarbeitung und auf einem guten Punkt.
Darin wird auch der Wille beider Landesräte deutlich, dass die Fachschulen in ihrer Identität erhalten bleiben sollen.
Landesrat Achammer hatte zudem die Idee, einen Fachbeirat einzurichten, der die aktuellen Erfordernisse und Bedürfnisse der Landwirtschaft abklären und den fachlichen Bezug gewährleisten soll. Dieser Vorschlag wurde vom Südtiroler Bauernbund begrüßt.
Es ist also der Wille da, das Ganze zu institutionalisieren! Und auch der Wille, dass die Schulen ihre Eigenständigkeiten behalten, ja, sogar ausbauen sollen. So soll weiterhin möglich sein, dass Räumlichkeiten oder Referenten unbürokratisch ausgetauscht werden. Und wer weiß, vielleicht ergeben sich noch weitere Möglichkeiten, um die Fachschulen besser miteinander zu verflechten und gemeinsam zu stärken.

Was wird aus den Betrieben, die an die Fachschulen angekoppelt sind? Sie sind ja für den starken Praxisbezug der Fachschulen von besonderer Bedeutung.
Mit Ausnahme von Salern sind die landwirtschaftlichen Betriebe der Fachschulen durchwegs Teil des Betriebes Laimburg. Ziel ist und bleibt es, die Schulen mit den Betrieben und dem Versuchszentrum Laimburg zu verzahnen, künftig vielleicht noch stärker als bisher.
Und was Salern anlangt, da wird der Betrieb von der Schule selbst verwaltet. Aus unserer Sicht soll das auch so bleiben.

Werden die Fachschulen künftig einem Schulsprengel eingegliedert?
Nein, derzeit gibt es keine Überlegungen in diese Richtung. Und wir werden uns dafür einsetzen, dass die einzelnen Standorte so autonom bleiben wie bisher.

Worin sehen Sie die größten Herausforderungen der Fachschulen für die Zukunft?
Eine der großen Herausforderungen für die Fachschulen wird sicher die Durchlässigkeit, und zwar sowohl horizontal als auch vertikal: Ab nächstem Schuljahr wird zum Beispiel das maturaführende Jahr angeboten. Aber auch die Mehrberuflichkeit im Sinne von Zu- oder Nebenerwerb wird für die Fachschulen immer stärker zum Thema. Ganz allgemein bin ich davon überzeugt, dass sich die Fachschulen immer stärker zu Kompetenzzentren entwickeln (müssen).