Südtiroler Landwirt | 14.03.2014

Die Kraft der bäuerlichen Familien

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2014 zum „Internationalen Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe“ erklärt. Landesbäuerin Hiltraud Erschbamer erklärt im Interview, wie und warum sich die Südtiroler Bäuerinnenorganisation beteiligt.

Hiltraud Erschbamer: „Frauen sind Hüterinnen der Werte in den bäuerlichen Familien.“

Hiltraud Erschbamer: „Frauen sind Hüterinnen der Werte in den bäuerlichen Familien.“

Südtiroler Landwirt: Bäuerinnen spielen in der Welternährung eine wesentliche Rolle. War das ein Ansporn, sich als Südtiroler Bäuerinnenorganisation (SBO) an diesem UNO-Jahr zu beteiligen?
Hiltraud Erschbaumer:
Wir möchten die Kampagne unterstützen und mit einigen Initiativen einen sichtbaren Beitrag zum UNO-Jahr leisten (siehe Infokasten). Insgesamt wollen wir auf die gesellschaftlichen Leistungen der bäuerlichen Familienbetriebe aufmerksam machen und damit auch Imagepflege betreiben.

Welche Botschaften sollen das konkret sein?
Seit 35 Jahren setzt sich die SBO für das Leben der bäuerlichen Familien ein, denn sie sind das Herzstück unserer Landwirtschaft. Bäuerliche Werte sind vor allem menschliche Werte, z.B. der ausgeprägte Familiensinn, da mehrere Generationen zusammenleben und im Rhythmus der Natur arbeiten. Brauchtümer und Traditionen werden gelebt und gepflegt.

Inwieweit hat sich die Rolle der Frau in der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten verändert?
Vieles hat sich in den letzten zehn Jahren verändert, besonders das Selbstbewusstsein, die Zuständigkeiten und Aufgabenbereiche. Frauen übernehmen am Hof neue Aufgabenbereiche, z.B. in Form von bäuerlichen oder sozialen Dienstleistungen. Bäuerinnen gehen vielfältigen Tätigkeiten nach und sind innovativ, aber auch traditionsbewusst. Sie besinnen sich in dieser schnelllebigen Zeit nach wie vor ihrer bäuerlichen Werte und Lebensart.

Welches sind die speziellen die Herausforderungen für die Bäuerinnen in der heutigen Zeit?

In unserer kleinstrukturierten Landwirtschaft werden die Vollerwerbsbetriebe weniger, viele Höfe sind auf einen Zu- oder Nebenerwerb angewiesen. Und immer häufiger gehen Frauen auch auswärts arbeiten. Unsere Organisation unterstützt aktiv Bäuerinnen, um ihnen neue Wege des Zuerwerbes am Hof zu ermöglichen. Denn für die Zukunft der bäuerlichen Familien ist es wichtig, dass junge Frauen am Hof tätig bleiben können.

Auch Landflucht ist eines der Themen des UNO-Jahres. Viele junge Frauen und Männer zieht es in die Städte. Welche Vorzüge hat das Leben einer Frau am Hof?

An unseren Höfen haben wir den Vorteil, dass unsere Kinder noch bei uns aufwachsen und bei der tagtäglichen Arbeit dabei sein können. Man wächst gemeinsam!

In vielen Ländern nimmt die Zahl der bäuerlichen Familienbetriebe ab. Kann ein Internationales Jahr helfen, diesem Trend entgegenzuwirken?
Familie ist etwas Ursprüngliches und hat sich über Jahrtausende bewährt. Sie gibt Sicherheit und Halt, ist Sinnbild für das helfende Miteinander zwischen Mann und Frau, Eltern und Kindern, Großeltern und Enkel. Aber auch zwischen den bäuerlichen Familien selbst gibt es diese Bindung; das gemeinsam Leben und Arbeiten erfolgt somit auf den unterschiedlichsten Ebenen. Es geht darum, die positiven Seiten aufzuzeigen, denn letztlich bestimmt vor allem die Kraft der Familie den wirtschaftlichen Erfolg.