Südtiroler Landwirt | 13.03.2014

Wetter fordert die Bauern heraus

Am Dienstag, 25. Februar, haben Obmann Manuel Santer und Ring-Koordinator Robert Wiedmer bei der 53. Generalversammlung des Beratungsrings für Obst- und Weinbau im Vereinshaus von Nals Bilanz über die Tätigkeiten gezogen und die Schwerpunkte für die Zukunft vorgestellt.

Ein Ziel für die kommenden Jahre ist es, landesweit ein professionelles Bewässerungsmanagement einzuführen.

Ein Ziel für die kommenden Jahre ist es, landesweit ein professionelles Bewässerungsmanagement einzuführen.

Mehr als 6000 Bauern in Südtirol nehmen das fachliche Dienstleistungsangebot des Beratungsringes in Anspruch: Es geht um verschiedenste Fragen rund um den Anbau von Äpfeln, Wein, Marillen und Kirschen. Der Südtiroler Beratungsring ist somit die weltweit größte privatrechtliche Beratungsorganisation in diesem Sektor.
In diesen Wochen laufen die Telefone wieder heiß, denn die Sorte Pink Lady steht kurz vor dem Austrieb der Knospen. „Das ist früher als im Vorjahr und früher als im langjährigen Durchschnitt“, sagte Robert Wiedmer. Die Wetterextreme der letzten Jahre stellen die Berater und Bauern immer wieder vor neue Herausforderungen. Das abgelaufene Jahr war diesbezüglich besonders intensiv: Frostschäden im Frühjahr, starke und lang anhaltende Niederschläge im Frühjahr und Herbst haben das Auftreten von Pilzkrankheiten gefördert, die starken Hagelschläge im Sommer haben große Mengen an Äpfeln und Trauben vernichtet und noch bevor die letzten Pink-Lady-Früchte geerntet waren, hat es bereits geschneit“, resümierte Widmer das Ausnahmejahr 2013. „Wir können das Wetter nicht beeinflussen, wir können nur – mit verschiedenen Maßnahmen – darauf reagieren“, betonte der Ring-Koordinator. In Kürze werden die Mitglieder auch die aktuellen Leitfäden mit den überarbeiteten Empfehlungen für das heurige Anbaujahr erhalten – heuer in einem neuen Layout, kündigte Wiedmer an.

Online-Betriebsheft wird Pflicht
Eine weitere Neuigkeit erwartet die Mitglieder für das laufende Jahr: das Online-Betriebsheft. „Es wird zukünftig notwendig sein, dass alle Maßnahmen, die ein Landwirt in seinen Anlagen durchführt, nicht nur schriftlich, sondern auch digital aufgezeichnet werden. Im Vinschgau ist dies bereits 2014 der Fall“, sagte Obmann Manuel Santer. Der Beratungsring hat darum für seine Mitglieder ein anwenderfreundliches „digitales Betriebsheft“ entwickelt und programmieren lassen. Zudem wird die Digitalisierung der Aufzeichnungen angeboten, wenn dies jemand nicht selbst machen möchte.

Obstbau: Schwerpunkte Bewässerung und Sprühtechnik
Die Bewässerung und deren Optimierung werden Schwerpunkte für die nächsten Jahre bilden. Gemeinsam mit dem Versuchszentrum Laimburg und der Eurac wird daher die Bodenfeuchtigkeit systematisch erhoben. Robert Wiedmer sprach von einem zukunftsweisenden Projekt: Ziel sei es, landesweit ein professionelles Bewässerungsmanagement einzuführen.
Auch bei der Sprühtechnik will sich der Beratungsring verstärkt um neue, innovative Lösungen bemühen. Gemeinsam mit der Freien Universität Bozen, dem Versuchszentrum Laimburg und dem Südtiroler Bauernbund soll nach neuen technischen Lösungen gesucht werden.

Weinbau: Viruserkrankungen im Visier
Im Weinbau wird sich der Beratungsring gemeinsam mit dem Versuchszentrum Laimburg intensiv mit den Viruserkrankungen der Rebe befassen. Befallene Rebstöcke wachsen nicht mehr und bringen kaum mehr Erträge. In den vergangenen beiden Jahren hat der Befall sprunghaft zugenommen. Da es bisher noch sehr wenig Beobachtungen und Erfahrungen gibt, soll das Phänomen besser untersucht werden.
„Wir wären im Apfel-, Wein-, Kirschen-, und Marillenanbau nicht auf diesem hohen Niveau, gäbe es den Südtiroler Beratungsring nicht“, lobte Landesrat Arnold Schuler die Leistungen des Beratungsringes.
Auch der Landesobmann des Südtiroler Bauernbundes Leo Tiefenthaler fand anerkennende Worte: „Der Beratungsring ist eine wichtige Institution für den für Obst- und Weinbau und weltweit ein Vorbild. Nach diesem gut funktionierenden Modell haben wir auch die Beratung in der Berglandwirtschaft aufgebaut.“

Experten zu Gast in Südtirol
Alljährlich besuchen Fachleute aus der ganzen Welt den Südtiroler Beratungsring, um über den Apfel- und Weinanbau zu beraten. Im November 2014 werden Experten zum Feuerbrand-Fünf-Ländertreffen erwartet. Auch die Fachmesse Interpoma wird im kommenden Herbst wieder zahlreiche Gäste nach Südtirol bringen.
Die Fachzeitschrift Obstbau*Weinbau hat im vergangenen Jahr ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert. Der Chefredakteur, Walther Waldner, blickte auf die Entstehungsgeschichte zurück. Auch nach fünf Jahrzehnten ist das Fachmagazin ein beliebtes Mittel zur Informationsbeschaffung geblieben. Für seine langjährige Mitarbeit beim Südtiroler Beratungsring wurde Fritz Menke geehrt. Er stand 34 Jahre lang im Dienste der Organisation und ist im Vorjahr in den Ruhestand getreten.