Südtiroler Landwirt | 27.02.2014

Vieles neu an den Fachschulen

Südtirols Fachschulen für Land- und Hauswirtschaft und Ernährung werden im kommenden Schuljahr ihr Angebot um den Bereich Agrotourismus erweitern. Erstmals wird es auch die Möglichkeit geben, das maturaführende Jahr zu absolvieren. von Martin Ebert, Abt. 22 - Autonome Provinz Bozen

Handwerkliches Können ist auf einem Hof stets gefragt.

Handwerkliches Können ist auf einem Hof stets gefragt.

Noch vor dem Ersten Weltkrieg – im Jahre 1909 – öffnete die erste Landwirtschaftsschule auf dem heutigen Südtiroler Landesgebiet in Schloss Moos bei Sterzing ihre Tore. Wenige Jahre später fanden dort auch die ersten Haushaltskurse statt.
Die Schule in Schloss Moos gibt es zwar schon lange nicht mehr, aber aus dem damaligen Weiterbildungsangebot während der Wintermonate entwickelten sich im Laufe der Zeit acht über das gesamte Land verteilte Fachschulen, die eine mehrjährige, staatlich anerkannte Berufsausbildung ermöglichen. Nun stehen einige Neuerungen an. Die Einschreibungen für das Schuljahr 2014/15 laufen  bis Ende März und können heuer auch über das Südtiroler Bürgernetz gemacht werden.
Laut den neuen Rahmenlehrplänen erhalten die Schüler am Ende der dreijährigen Ausbildung ein Berufsbefähigungszeugnis für folgende Berufsbilder: Fachmann/Fachfrau für Landwirtschaft (Fachrichtungen: Obst- und Weinbau, Obstbau, Berglandwirtschaft, Nutztierhaltung oder Forstwirtschaft), Fachkraft für hauswirtschaftliche Dienstleistungen, Fachkraft für Ernährungswirtschaft und – ganz neu – Fachkraft für Agrotourismus (Start ab Schuljahr 2014/15).

Spezialisierungs-Jahr und maturaführendes Jahr
Das Berufsbefähigungszeugnis ist die Zugangsvoraussetzung für den Besuch des vierten Spezialisierungsjahres, das mit dem Berufsbildungsdiplom zu folgenden Berufsbildern abschließt: landwirtschaftlicher Betriebsleiter (Fachrichtungen: Obst- und Weinbau, Obstbau, Nutztierhaltung oder Forstwirtschaft) und spezialisierte Fachkraft für Agrotourismus und Großhaushalte.
Ab dem kommenden Schuljahr gibt es mit der Einführung des sogenannten fünften Jahres auch an den Fachschulen die Möglichkeit, die Berufsmatura zu absolvieren. Damit steht den Absolventen der Fachschulen schon bald der Weg zu einem Universitätsstudium offen. Schüler, die im Besitz des Berufsbildungsdiploms sind, können sich um die Aufnahme in diesen einjährigen Lehrgang bewerben. Die staatliche Abschlussprüfung besteht aus drei Prüfungsaufgaben und einem Prüfungsgespräch.

Agrotourismus heißt die Zukunft
Derzeit gibt es in Südtirol 2836 landwirtschaftliche Betriebe, die Urlaub auf dem Bauernhof anbieten.
Mit dem nun neu eingeführten Berufsbild „Fachkraft für Agrotourismus“ möchten die Fachschulen des Landes den Schülern jene Kompetenzen vermitteln, die verstärkt in der Regionalentwicklung und in der Gästebetreuung im Rahmen von Urlaub auf dem Bauernhof eingesetzt werden können, und sie auf die Herausforderungen dieses Zuerwerbs vorbereiten.
Der Abschluss zur „Spezialisierten Fachkraft für Agrotourismus und Großhaushalte“ kann dem bereits bestehenden staatlichen Berufsbild „Tecnico dei servizi di promozione e accoglienza“ zugeordnet werden. Damit ist auch seine Anerkennung gewährleistet.


Land-, forst- und hauswirtschaftliche Berufsbildung