Politik | 31.01.2014

Bäuerliche Familienbetriebe häufig unterschätzt

Eine besondere Ehre wurde Gerd Sonnleitner, früherer Präsident des Deutschen und des Europäischen Bauernverbandes, zuteil: Er wurde von der UNO zum Sonderbotschafter des UNO-Jahres der bäuerlichen Familienbetriebe ernannt.

Gerd Sonnleitner ist UN-Sonderbeauftragter für das Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe.

Gerd Sonnleitner ist UN-Sonderbeauftragter für das Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe.

Südtiroler Landwirt: Herr Sonnleitner, was will die UNO mit dem Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe erreichen?
Gerd Sonnleitner:
Das Jahr ist eine große Chance, die Öffentlichkeit auf das enorme ökonomische und gesellschaftliche Potential der bäuerlichen Familienbetriebe aufmerksam zu machen. Sie produzieren nachhaltig und tragen, besonders in den Entwicklungsländern, zur politischen Stabilität bei. Leider wird weltweit vor allem die Wirtschaftskraft der bäuerlichen Familienbetriebe unterschätzt. Das möchten wir ändern.

Sie haben in einer Botschaft an die UNO in New York gesagt, bäuerliche Familienbetriebe sind die Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft. Was können solche Betriebe besser als andere?

Bäuerliche Familienbetriebe sind äußerst flexibel und anpassungsfähig, gleichzeitig aber auch ein stabilisierender Faktor. Dadurch überstehen sie Krisen besser. Bäuerliche Familien sind zudem stärker an Grund und Boden gebunden und denken in Generationen. Sie sind bestrebt, den Hof in verbesserter Form weiterzugeben. Das ist das Besondere an den Familienbetrieben, hier unterscheiden sie sich von anderen.

Kleine Familienbetriebe leiden stark unter Preisschwankungen. Wie kann das bäuerliche Einkommen abgesichert werden?
Grundsätzlich brauchen bäuerliche Familienbetriebe faire internationale Handelsabkommen. Für die ist die Politik zuständig. Die Bäuerinnen und Bauern selbst können sich einerseits in Interessensgemeinschaften organisieren, um politisch stärker zu werden. Als Erzeuger können sie sich zu Erzeugergemeinschaften wie z. B. Genossenschaften zusammenschließen, um so ihre Marktposition zu stärken und mehr fordern zu können. Gerade für bäuerliche Familienbetriebe ist es wichtig, die Effizienz zu steigern. Es hilft nichts, wenn Träumer kommen und sagen: Ihr sollt klein bleiben und so wie eure Vorfahren produzieren. Dann verlieren die jungen Leute auf den Höfen die Lust und rennen weg. Auch sie wollen eine moderne und effiziente Landwirtschaft.

Interview: Michael Deltedesco