Südtiroler Landwirt, Betriebsberatung | 16.01.2014

Wichtige Stütze für die Bergbauern

Nach seiner Gründung im April 2013 hat der Beratungsring für die Berglandwirtschaft BRING im Herbst seine Beratungstätigkeit aufgenommen. Eine erste Bilanz wurde auf der SBB-Aktionsbühne im Rahmen der Agrialp gezogen. von Guido Steinegger

Der direkte Kontakt zum Berater und das professionelle Netzwerk im Hintergrund sind zwei wichtige Säulen des BRING. (Foto: www.agrarfoto.at)

Der direkte Kontakt zum Berater und das professionelle Netzwerk im Hintergrund sind zwei wichtige Säulen des BRING. (Foto: www.agrarfoto.at)

Der BRING braucht in seiner Aufbauphase vor allem zwei Dinge. Erstens Zeit, um die fachliche Beratung mit solider Qualität aufzubauen. Und zweitens einen Vorschuss an Vertrauen durch die Südtiroler Bergbauern, damit diese dem BRING in großer Zahl beitreten. Nur so kann er jene Legitimität erreichen, die er braucht, um die nötige Unterstützung der Politik und seiner Partner einfordern zu können.
Diese Meinung vertraten alle Teilnehmer der vom „Südtiroler Landwirt“-Redakteur Bernhard Christanell geleiteten Veranstaltung in der Messe Bozen: BRING-Obmann Daniel Gasser, Bauernbund-Vizedirektor Ulrich Höllrigl, Versuchszentrum-Laimburg-Direktor Michael Oberhuber und BRING-Gründungsmitglied Franz Kaserer aus dem Ultental.
Zunächst blickte Höllrigl auf die Gründungsphase zurück: „Im vergangenen Jahrzehnt haben mehr Grünlandbetriebe ihre Tätigkeit aufgegeben, als uns lieb ist. Es war uns bewusst, dass wir gegensteuern müssen. Eine der vorrangigen Maßnahmen war da die Suche nach einer kompetenten, umfassenden und unabhängigen Beratungseinrichtung.“ Vorbild sei der Beratungsring für Obst- und Weinbau gewesen, der in der vorbereitenden Arbeitsgruppe auch seine Erfahrung eingebracht habe. Kurzzeitig habe man sogar daran gedacht, dass dieser Beratungsring auch die Beratung für die Berglandwirtschaft übernehme.
Aber es habe sich gezeigt, dass in der Berglandwirtschaft dann doch auch ganz andere Voraussetzungen herrschen: „Hier geht es nicht allein um eine kompetente fachliche, sondern um eine breiter gefächerte Beratung: Es geht nicht nur um Viehwirtschaft, Pflanzenanbau und Technik, sondern auch um die Betriebswirtschaft, um Sonderkulturen usw.“, sagte Höllrigl. Gasser ergänzte: „Wir brauchen also eine Rundumberatung, eine Beratung um 360 Grad.“
Genau dieses Konzept hat Franz Kaserer, Gründungsmitglied aus dem Ultental, bewegt, gleich bei der Gründungsversammlung Mitglied des BRING zu werden: „Ich habe den Aufruf dazu im ‚Südtiroler Landwirt’ gesehen.“ Er selbst habe eine ganz kleine Landwirtschaft und habe sich für einen Hofschank als Zuerwerb entschieden.
In seiner Situation habe er sich gedacht: „Wie gut wäre für mich diese 360°-Beratung – ein Berater, der dir sagen kann, was für deinen Hof am geeignetsten ist. Bei unserer Kleinstrukturiertheit im Ultental, da braucht es genau das. Das interessiert mich sehr!“ Und da habe er sich einen Ruck gegeben und an der Gründungsversammlung teilgenommen. Aber nicht nur das: „Ich bin nach wie vor überzeugt vom Sinn dieser Einrichtung“, berichtet Kaserer und fordert andere, vor allem jüngere Bauern auf, es ihm nachzutun. „Ich frage sie, was sie tun wollen, und sie wissen oft nicht, welche Richtung sie einschlagen sollen. Da kann der BRING helfen!“

Vertrauensperson vor Ort
Wichtig zu wissen: Ansprechpartner für die Mitglieder ist in erster Linie der BRING-Berater im Bezirk. Wie Obmann Gasser betonte, soll er die Vertrauensperson vor Ort sein, die abschätzt wie es weiter gehen soll. Kein Berater kann alle Fachgebiete abdecken. Daher wird der Berater im Bezirk entscheiden, wie es weitergeht: Wenn er selbst helfen kann, übernimmt er die Beratung selbst. Ansonsten leitet er das Anliegen an den Experten im betreffenden Fachgebiet weiter.
Genau dazu baut der BRING mit verschiedenen Partnern ein Expertennetzwerk auf. Teil dieses Netzwerks ist auch das land- und forstwirtschaftliche Versuchszentrum Laimburg. Dessen Direktor Michael Oberhuber freut sich darüber: „Unsere Forschungseinrichtung orientiert sich seit jeher eng an den Bedürfnissen der Südtiroler Praxis – und das nicht nur im Obst- und Weinbau, wie viele meinen, sondern durchaus auch in der Grünlandwirtschaft, in der Viehhaltung, im Ackerbau usw.“
Auch der Bereich Sonderkulturen werde in einigen Berggebieten immer mehr zur interessanten Ergänzung. „Wir stehen mit unserem Wissen zur Verfügung“, versprach Oberhuber, „und es ist für uns eine Erleichterung, wenn wir wie im Obst- und Weinbau nun auch hier eine schlagkräftige Beratungseinrichtung zur Seite gestellt bekommen: So kann sich das Versuchszentrum mehr auf die Forschungsarbeit konzentrieren und damit auch mehr neue Erkenntnisse für die Südtiroler Bergbauern liefern.“

Ein Verein von Bauern für Bauern
Diese Erkenntnisse praxisgerecht an die Bauern weiterzugeben, dafür ist eine Beratungsorganisation wie der BRING am besten geeignet. „Das zeigt auch die Erfahrung des Beratungsrings für Obst- und Weinbau“, sagte Bauernbund-Vizedirektor Höllrigl.
„Wir als Bauernbund müssen Verantwortung für alle Mitglieder übernehmen. Es ist unser Ziel, möglichst alle oder zumindest so viele Betriebe wie möglich zu erhalten. Daher wollten wir einen Verein von Bauern für Bauern. Es ist wichtig, dass die Bauern selbst Mitglied sind: Sie wissen am besten, was sie brauchen.“
Gleichzeitig sei es auch gut, dass die Mitgliedschaft etwas koste: „Investition in Beratung zahlt sich aus. Jeder investierte Euro mache sich drei- bis viermal bezahlt.“ Neben dieser Eigenfinanzierung sei natürlich die öffentliche Hand gefordert, ihren Beitrag für diese wichtige Dienstleistung an der Berglandwirtschaft zu leisten.
Wo der BRING in vier Jahren steht, fragte Moderator Christanell den Obmann Daniel Gasser. „Wir möchten möglichst alle Bergbauern erreichen“, antwortete dieser. Ein Großteil der Berglandwirtschaftsbetriebe soll dann Mitglied beim BRING sein.
„Zugleich wünsche ich mir ein gutes Ergebnis, und das erzielen wir, wenn wir von unseren Mitgliedern die Rückmeldung bekommen, dass sie mit uns zufrieden sind“, sagte Gasser. Der Aufbau brauche Zeit. Aber wenn die Mitglieder dem BRING das Vertrauen schenken und die nötige Zeit lassen, „dann sind wir in drei bis vier Jahren dort, wo wir gerne sein möchten!“.