Südtiroler Landwirt | 16.01.2014

Jeder von uns ist gefordert

Den guten Ruf des Südtiroler Obstbaus und der Südtiroler Äpfel zu erhalten, heißt die Herausforderung der Zukunft: Die 61. Obstbautagung des Absolventenvereins Landwirtschaftlicher Schulen stand ganz im Zeichen des Reputationsmanagements.

Christian Fischer von der Freien Universität Bozen fordert gemeinsames Reputationsmanagement.

Christian Fischer von der Freien Universität Bozen fordert gemeinsames Reputationsmanagement.

Der Südtiroler Obstbau ist eine Erfolgsgeschichte wie sie im Buche steht, darin waren sich Landeshauptmann Arno Kompatscher und Christian Fischer, Professor an der Freien Universität Bozen, bei der diesjährigen Obstbautagung des Absolventenvereins landwirtschaftlicher Schulen einig. Fischer gab allerdings auch zu bedenken, dass die Zeiten schwieriger und die Herausforderungen an Produzenten und Vermarkter ständig höher werden. Deshalb sei es notwendig, diese Herausforderungen proaktiv anzugehen, um später nicht „Feuer löschen“ zu müssen. „Keine Branche ist problemfrei“, stellte er fest und gab den Zuhörern im voll besetzten Kursaal von Meran  zu verstehen, dass Handlungsbedarf bestehe, um den guten Ruf des Südtiroler Obstbaus zu bewahren.

Reputation als wichtige Ressource
Der Konsument von heute hat immer weniger Zeit für den Einkauf, er hat keinen Bezug zum Produzenten mehr, weil die Absatzwege lang sind. Gleichzeitig stellt die Gesellschaft höhere Anforderungen an die Wirtschaft, sie soll nachhaltig sein, Wohlstand, Mensch und Erde (prosperity, people, planet) behüten und erhalten. „Wer diese Erwartung erfüllt, wer als Unternehmen oder Branche einen guten Ruf genießt, der hat wirtschaftlichen Erfolg. Wer nicht, verschwindet mittelfristig. Reputation wird damit zur wichtigen Ressource in der Erwartungsökonomie des 21. Jahrhunderts“, so Fischer. Reputation schaffe zudem Handlungsspielräume und Freiheit, weil der Konsument Vertrauen hat und nicht nach Fremdkontrolle verlangt.

Reputationsprobleme der Obstbaubranche
Ein Student der Freien Universität Bozen beschäftigte sich in seiner Diplomarbeit eingehend mit den Reputationsproblemen der Südtiroler Obstbaubranche: Anwohner beklagen sich demnach hauptsächlich über Abdrift von Pflanzenschutzmitteln, Herbizideinsatz oder über Verkehrsprobleme während den Erntezeiten, die übrige Südtiroler Bevölkerung eher über das veränderte Landschaftsbild durch die Monokultur oder die Hagelschutznetze. Das empfinden zuweilen auch die Feriengäste als enttäuschend.
Oft fehlt in der Bevölkerung auch einfach das Verständnis für die ökonomische Bedeutung der Obstwirtschaft. Und: Der Bergbauer steht in der Beliebtheitsskala der Südtiroler weit über dem Obstbauern.
Konsumenten beschäftigen sich besonders mit der Rückstandsproblematik und mit den Umweltauswirkungen der Produktion, bemängeln teilweise den Geschmack der Ware oder bedauern das Verschwinden alter Apfelsorten.
Abhilfe geschaffen werden könnte durch eine Erweiterung der Rückverfolgbarkeit für die Ansprüche des Konsumenten, durch Obstwanderungen, die den Gästen die Welt des Südtiroler Apfels näher bringen, durch eine gezielte Information der Südtiroler Bevölkerung zu den Regeln der Integrierten Produktion, oder auch zum Beruf des Bauern sowie durch Produktverteilaktionen.

Was ist also zu tun?
Laut Christian Fischer gilt es nun, aktives Reputationsmanagement für die Südtiroler Obstbaubranche zu betreiben: mit Kommunikationsaktivitäten, strategischen Kooperationen und der Erstellung verbindlicher Verhaltensregeln für die Mitglieder. Dazu müssten alle Interessensgruppen zusammenarbeiten. Vor allem könne sich der Einzelne nicht aus der Verantwortung stehlen: „Es darf nicht nur Kosmetik betrieben werden, sondern es braucht eine Veränderung an der Substanz! Wir dürfen die ‚saubere Branche’ nicht nur predigen, sondern auch das Entsprechende tun – und zwar jeder“, forderte er.

Lob von oberster Stelle
Das bekräftigte auch ALS-Obmann Andreas Khuen bei seiner Eröffnungsrede und erklärte: „Wenn sinnvolle Maßnahmen für das Ansehen unserer Branche getroffen werden, ist das für uns Obstbauern keine Belastung, sondern eine Chance!“
Großes Lob kam indes von Landeshauptmann Arno Kompatscher: „Kompliment dafür, dass Sie den Obstbau durch Innovationsgeist und Risikobereitschaft so weit gebracht haben. Und noch ein größeres dafür, dass Sie sich nicht nur damit begnügen sondern überlegen, wie Dritte Ihr Produkt und die Südtiroler Obstwirtschaft sehen.“