Südtiroler Landwirt | 21.11.2013

Intensive Forschung geht weiter

Die Apfeltriebsucht – besser bekannt als Besenwuchs – ist ein ernstes Problem und wird intensiv erforscht. Wie der Stand der Forschung ist und wie es weitergeht, darüber informierten sich Anfang November in Marling rund 300 Landwirte.

Dass das Thema Besenwuchs vor allem den Bauern im Raum Meran unter den Nägeln brennt, wurde beim Informationsabend in Marling deutlich: Der Saal des Vereinshauses war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Dass das Thema Besenwuchs vor allem den Bauern im Raum Meran unter den Nägeln brennt, wurde beim Informationsabend in Marling deutlich: Der Saal des Vereinshauses war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Zum Treffen im Marlinger Vereinshaus eingeladen hatte das Versuchszentrum Laimburg, beteiligt waren auch der Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau, das Landesamt für Obst- und Weinbau sowie der Südtiroler Bauernbund.  
Der Besenwuchs stellt ein ernstes Problem dar, das vom Versuchszentrum Laimburg sehr ernst genommen wird. Die bisherigen Anstrengungen zur Erforschung der Krankheit würden in zwei Schwerpunktprojekten fortgesetzt. „Die Forscherinnen und Forscher wollen insbesondere herausfinden, welche Faktoren die große Anzahl an Neubefall in den besonders betroffenen Gebieten beeinflussen – denn der Besenwuchs kommt auch in anderen Gebieten vor, nur wesentlich seltener“, hieß es beim Informationsabend. Dabei arbeite das Versuchszentrum Laimburg eng mit dem Beratungsring für Obst- und Weinbau zusammen und tausche Ergebnisse und Daten aus.
Bisherige Forschungsergebnisse zum Besenwuchs
Bereits in den umfangreichen, bisher durchgeführten Studien hätten die Forscherinnen und Forscher wichtige Erkenntnisse zum Besenwuchs erarbeitet. So wurden der Sommerapfelblattsauger als Hauptüberträger der Krankheit identifiziert und die Grundlagen für die Bekämpfungsstrategien der Blattsauger erarbeitet.
Zudem wurde eine molekulare Methode zur Diagnostik der Krankheit entwickelt, die es erlaubt, kranke Pflanzen lange vor dem Auftreten der Symptome zu erkennen. Getestet würden auch Mittel zur Stärkung des Immunsystems der Pflanzen.
Diese bewirken jedoch nur eine zeitweise Unterdrückung der Symptome. Daher könnten kranke Pflanzen nicht geheilt werden, sondern müssen gerodet werden. Ein Mittel für Behandlungen gegen den Besenwuchs sei für die nächsten Jahre jedoch nicht realistisch.

Aktuelle Situation und Diskussion
Im Rahmen der Informationsveranstaltung gab der Beratungsring für Obst- und Weinbau eine erste Übersicht über die aktuelle Befallssituation. Insbesondere das Burggrafenamt und der untere Vinschgau weisen eine hohe Zahl an Neubefall auf. Zudem stellten die Wissenschaftler des Versuchszentrums Laimburg die aktuellen Forschungsprojekte zum Besenwuchs vor. Die Landwirte wurden anschließend auch vom Amt für Obst- und Weinbau über die Vorschriften im Umgang mit erkrankten Pflanzen informiert.
Bauernbund-Bezirksobmann Bernhard Burger appellierte an die Vertreter des Versuchszentrums Laimburg, die Forschung weiter voranzutreiben und forderte die Landwirte auf, die Vorschriften und Maßnahmen im Interesse aller zu befolgen und umzusetzen. In einer Fragerunde hatten die Landwirte die Möglichkeit, ihre Fragen direkt an die Referentinnen und Referenten zu richten.
Genannt wurden beim Treffen auch konkrete Zahlen zu den Geldern, die bislang in die Forschung zum Besenwuchs geflossen sind. Bereits bis 2011 wurden 1,5 Millionen Euro in Forschungsprojekte zum Schwerpunkt Besenwuchs gesteckt. Zwischen 2012 und 2017 werden weitere 3,2 Millionen Euro für Schwerpunktprojekte zur Erforschung des Besenwuchses eingesetzt.

Bauernjugend fordert bessere Zusammenarbeit
Während das Versuchszentrum Laimburg also die Bauern um Geduld ersucht, geht diese vielen Betroffenen offenbar langsam aber sicher aus. Deutlich wird dies auch aus einem Brief, den Bauernjugend-Landesobmann Hannes Dosser und Landesleiterin Christine Tschurtschenthaler gemeinsam mit den Führungsspitzen der Bauernjugend-Bezirke an Landeshauptmann Luis Durnwalder und Laimburg-Direktor Michael Oberhuber geschrieben haben.
In dem Brief kritisieren die Bauernjugend-Vertreter vor allem, dass die Rodung der Bäume als einzig wirksames Mittel angesehen werde, um die Krankheit einzudämmen. Trotz konsequenter Rodung der betroffenen Bäume habe sich die Krankheit in den letzten Jahren explosionsartig verbreitet, in stark betroffenen Gebieten stehe bei einigen Bauern auch die Existenzfrage im Raum „Die Rodung ist keine Lösung des Problems. Es muss in Zukunft möglich sein, das Phytoplasma, das für die Krankheit verantwortlich ist, direkt zu bekämpfen!“, fordert Bauernjugend-Landesobmann Hannes Dosser. Verbesserungswürdig findet die Bauernjugend vor allem die Zusammenarbeit des Versuchszentrums Laimburg – jene mit anderen Institutionen ebenso wie jene der Forscher untereinander. „Es besteht der Eindruck, dass die Zusammenarbeit in der Praxis nicht so funktioniert wie sie funktionieren sollte“, betont Dosser. Die Forschungstätigkeit solle noch stärker auf dieses Krankheitsbild ausgerichtet werden. „Nur wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen, können wir der bedrohenden Krankheit entgegenwirken und unseren Betrieben auch weiterhin eine Zukunftsperspektive geben“, heißt es abschließend in dem Schreiben.