Südtiroler Landwirt | 21.11.2013

Bausysteme – ein Vergleich

Je nach Standort haben sich im Laufe der Geschichte verschiedenste Bauarten entwickelt. Heute gibt es eine Vielzahl an Bausystemen zur Auswahl. Ein Überblick soll bei der Entscheidung helfen. von Mark Pichler, baubiologe

Die Holzständerbauweise, wie hier im Bild, ist heute im Holzbau die verbreitetste.

Die Holzständerbauweise, wie hier im Bild, ist heute im Holzbau die verbreitetste.

Wer bauen will, wird vor viele Fragen gestellt, die es prinzipiell zu entscheiden gilt. Ein Überblick über die verschiedenen Bausysteme kann dabei helfen, die individuell richtige Wahl zu treffen. Wir unterscheiden zunächst zwischen Holz- und Massivbau.

Verschiedene Holzbausysteme
Im Holzbau sind in den letzten Jahrzehnten verschiedene Bausysteme entwickelt worden. Laufend wird weiter daran gearbeitet, denn Holz ist zwar ein traditioneller Baustoff, erlebt aber in den letzten 20 bis 30 Jahren eine Renaissance. Im alpenländischen Raum wird für den Holzbau zum Großteil Fichte verwendet.
Die verbreitetste Bauart ist heute die Holzständerbauweise, beplankt mit aussteifenden Holzwerkstoffplatten für die Statik. Diese Bauweise ist den Fachwerkbauten von früher ähnlich. Die Holzständer werden in ein Raster mit regelmäßigem Abstand von 62,5 cm eingeteilt. Dieses Maß wurde den Dämmstoffen und Holzwerkstoffplatten angepasst. Die Holzständerwand wird zwischen den Stehern gedämmt. Auf der Innenseite wird eine Installationsebene mit einer Gipsplatte angebracht. Außen wird zusätzlich vollflächig gedämmt und verputzt oder mit einer Holzschalung verkleidet. Holzständer können aus massiven, unverleimten Hölzern erstellt werden. Heutzutage werden meistens keilgezinkte Hölzer verwendet.
Die Blockbauweise ist eine der ältesten Bauweisen und kommt heute eher in höheren Lagen und Berggebieten zum Einsatz. Früher wurde der Blockbau aus reinem Massivholz mit Rundbalken oder kantigen Balken, außen und innen in Sicht ohne zusätzliche Wärmedämmung, aufgebaut. Heute muss sich der Bauherr entscheiden, ob er die Wärmedämmung innen oder außen anbringt und welche Seite er als Blockbau in Sicht haben möchte. Meistens wird der Blockbau außen in Sicht belassen und innen wärmegedämmt. Auf der Innenseite wird eine Installationsebene angebracht. Als innenseitiger Abschluss wird meistens eine Holzverkleidung oder eine Gipsfaserplatte oder Gipskartonplatte verwendet.
Eine weitere Variante ist die Massivholzplatten-Bauweise. Aus Massivholzplatten können Wände, Decken und Dächer erstellt werden. Bei der Massivholzplatten-Bauweise unterscheidet man zwischen verleimten, vernagelten, gedübelten, geschraubten und mit Gratleisten verbundenen.
Diese Bauweise ist der Holzblockwand sehr ähnlich. Sie hat aber große Vorteile gegenüber der Blockwand, weil in der Wand  kaum Setzungen entstehen.
Die Massivholzplatten-Bauweise ist folgendermaßen aufgebaut: Auf der Innenseite werden entweder die Elektro- und Heizungsleitungen in der Wand ausgefräst, oder es wird eine Installationsebene vorgesetzt. Als innenseitiger Abschluss wird meistens eine Gipsfaserplatte oder Gipskartonplatte, eine Lehmbauplatte mit Lehmputz oder eine Schilfputzträgermatte mit Lehmputz montiert. Auf der Außenseite wird vollflächig die Wärmedämmung angebracht und verputzt oder mit einer Holzschalung verkleidet.
Die Decken werden meistens aus Holzbalkendecken in Sicht oder verkleidet zusammengestellt, aber auch als Massivholzdecken, z. B. Brettstapeldecken, ausgeführt. Das Dach wird in traditioneller Weise mit Holzsparren und den tragenden Elementen wie First, Pfetten und Mauerbank zusammengestellt. Bei Fertighäusern werden oft Wände, Decken und Dach im Werk zusammengestellt und auf die Baustelle geliefert. So kann innerhalb weniger Tage das komplette Haus aufgestellt werden.

Dachkonstruktionen
Dachkonstruktionen werden sowohl im Holzbau als auch im Massivbau meist in traditioneller Holzbauweise ausgeführt. Die tragende Konstruktion besteht aus Mauerbänken, Pfetten, First und Sparren aus Holz. Die Wärmedämmung wird je nach Geschmack des Bauherrn oberhalb der Sparren, wenn die Sparren in Sicht bleiben, oder zwischen den Sparren, wenn keine Sparren in Sicht sein sollen, angebracht. Die Untersicht des Daches kann mit Gipsfaser- oder Gipskartonplatten verkleidet werden. Das Dach wird mit einer wasserdichten Folie und je nach Neigung des Daches mit einer Blecheindeckung, Dachbegrünung oder Ziegeleindeckung vor Witterungseinflüssen geschützt.

Alternative zum Holzbau: die Massivbauweise
Immer wieder entstehen ganze Häuser aus Stahlbeton, also in Betonbauweise. Auf der Innenseite kann verputzt werden. Soll der Stahlbeton aber in Sicht bleiben, wird außen ein WDVS (Wärmedämmverbundsystem) vollflächig angebracht, um Wärmeverluste zu verringern. Bei der Betonbauweise muss auf die sorgfältige Planung einer wärmebrückenfreien Konstruktion geachtet werden.
Neben der Betonbauweise besteht die Möglichkeit, mit doppelwandigen, vorgefertigten Elementen mit integrierter Wärmedämmung ganze Keller oder auch Häuser zu bauen. Außen besteht die Wand aus einer Betonfertigteilscheibe, welche die weiter innen liegende Wärmedämmung schützt. Dann folgten der Ortbetonkern und abschließend eine weitere Fertigteilscheibe.
Die Außenscheibe und die Wärmedämmung sind wärmebrückenfrei mit dem tragenden Teil der Wand verbunden. Die statisch erforderliche Bewehrung wird in der Innenscheibe und im Ortbetonkern vorgesehen. Aussparungen für Öffnungen werden werkseitig bereits vorgesehen.
Seit Jahrtausenden wurden Ziegel von Hand geformt und gebrannt. Die Ziegelbauweise ist aber bis heute erhalten geblieben. Es gibt nun eine Vielzahl industriell gefertigter Ziegel mit verschiedensten Eigenschaften und Qualitäten: Bei Neubauten  werden verschiedene Wandaufbauten verwendet. Beispielsweise der Ziegelbau mit gedämmten Ziegeln, d. h. eine monolithische Bauweise mit einem guten wärmedämmenden Ziegel innen und außen verputzt. Die Ziegel haben verschiedenste Merkmale, z. B. sehr viele kleine Löcher, oder der Lochanteil ist mit Dämmmaterial z. B. Perlite, gefüllt. Die Ziegel werden nur mit einem geeigneten Kleber geklebt – ohne Verwendung von Mörtel. Der Ziegel kann auch als tragende Struktur verwendet werden. Der Vorteil dieser Bauweise ist, dass Wärmedämmung und Ziegel in einer einzigen Schicht vereint sind. Nachteile sind die geringe Standfestigkeit des Ziegels und die Wärmebrücken, die gelöst werden müssen. Der Ziegel erfüllt bei der monolithischen Außenwand alle Anforderungen an Wärmeschutz, Schallschutz, Brandschutz sowie Statik.
Daneben gibt es Ziegel mit Wärmedämmverbundsystem (WDVS): Die Ziegelmauer fungiert als tragende Struktur, trägt aber wenig zur Wärmedämmung bei. Das WDVS (Wärmedämmverbundsystem) wird auf der Außenseite angebracht und umhüllt die gesamte Oberfläche.
Vorteile dieser Bauweise sind, dass der Ziegel mit einer höheren Standfestigkeit gewählt werden kann, ohne die Wärmedämmung zu beeinträchtigen, und dass eine homogene, vollflächige Wärmedämmung auf der Außenseite entsteht und viele Wärmebrücken vermieden werden.
Nachteilig ist, dass zwei Schichten in zwei getrennten Arbeitsgängen aufgebaut werden. Das ist aufwändiger und je nach Wärmedämmmaterialien auch teurer. Bei der Konstruktion mit der Wärmedämmung übernimmt der Ziegel nicht nur die statischen Funktionen, sondern auch jene der Schalldämmung und Wärmespeicherung.
Das zweischalige Ziegelmauerwerk mit einer Zwischendämmung ist die aufwändigste Massivbauweise. Seine Vorteile liegen darin, dass es ein Ziegel mit hoher Standfestigkeit, vollflächiger Wärmedämmung und mit Verblendmauerwerk als Schutz für Fassade und Wärmedämmung ist. Der große Aufwand mit drei Schichten und der Raumverlust durch dicke Wände sind dagegen von Nachteil.
Eine Alternative bieten Formsteine mit Wärmedämmung integriert und Betonguss vor Ort. Diese Formsteine bestehen aus Holzspänen, gebunden mit Zement. Die Wärmedämmung erfolgt mit bereits integrierten EPS-Platten, der Hohlraum wird mit Ortbeton gefüllt. Der Vorteil dieser Bauweise: Es sind vorgefertigte, gedämmte Mantelsteine, welche schnell auf der Baustelle aufgestellt werden können. Mit dem Betonguss ist die Wand statisch abgeschlossen. Der Nachteil: Es gibt keine homogene Schichten, sondern drei verschiedene Materialien. Bei der Entsorgung ist die Trennung der Materialien schwierig.

Mehrere Varianten bei Decken
Ziegel-Einhängedecken werden bauseits aus vorgefertigten Ziegel-Gitterträgern und speziellen Einhängeziegeln sowie Betonverguss erstellt. Ziegel-Einhängedecken sind besonders flexibel einsetzbar und praktisch an alle Grundrisse anzupassen.
Stahlbetondecken dagegen zählen zu den Geschossdecken und damit zur Rohdecke bzw. Tragschicht. Massivdecken stellen heute für den weitaus größten Teil aller Bauvorhaben die übliche Geschossdecke dar, weil mit ihnen die notwendige Feuersicherheit und ein ausreichender Schallschutz relativ einfach erreicht werden können. Da sie außerdem auch unempfindlich gegen Feuchtigkeit und Schädlinge sind, gelten sie als fast unbegrenzt dauerhaft.
Fertigteildecken können ohne großen Aufwand gebaut werden. Von den Firmen werden hier verschiedene Konstruktionen angeboten: Deckenelement mit einer Blähtonschicht an der Unterseite. Diese Schicht ermöglicht es, Elektroinstallationen auch im Nachhinein vorzunehmen, um dadurch eine flexiblere Wohnraumgestaltung zu ermöglichen.
Die Elementdecke massiv kommt häufig im modernen Wohnbau und im Gewerbebau zum Einsatz. Die vorgespannte Hohldielendecke kommt bei großen Spannweiten und Auflasten zum Einsatz.