Südtiroler Landwirt | 07.11.2013

Kampagne „Spar’s dir!“

Steigende Produktionskosten machen kleinstrukturierten Landwirtschaftsbetrieben zunehmend zu schaffen. Mit der Kampagne „Spar’s dir!“ sollen versteckte Kosten aufgezeigt und ein Bewusstsein für Einsparmöglichkeiten geschaffen werden. von Michael Deltedesco

So manche Maschine kostet viel und wird nur selten genutzt. Deshalb ist ihr überbetrieblicher Einsatz durch den Maschinenring von Vorteil. (Foto: www.agrarfoto.com)

So manche Maschine kostet viel und wird nur selten genutzt. Deshalb ist ihr überbetrieblicher Einsatz durch den Maschinenring von Vorteil. (Foto: www.agrarfoto.com)

Energie, Treibstoff, Futtermittel und Maschinen: In den letzten Jahren sind die Produktionskosten auf vielen Betrieben deutlich gestiegen – wesentlich stärker als das Einkommen. Ein erfolgreiches Wirtschaften wird  so zunehmend zur Herausforderung für landwirtschaftliche Betriebe.
Während Betriebe im Ausland die gestiegenen Kosten durch höhere Produktionsmengen auszugleichen versuchen, ist das in Südtirol, auch aufgrund der geographischen Voraussetzungen und der kleinen Betriebsgrößen, nur bedingt möglich. Dasselbe gilt für unsere Nachbarn in Tirol und Vorarlberg. Mit der Kampagne „Spar’s dir!“ wollen die Maschinenringe von Südtirol, Tirol und Vorarlberg in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Bauernbund nun den Betrieben in dieser Hinsicht Hilfestellung leisten.

Kosten genau unter die Lupe nehmen
Eine genauere Analyse der Kostenseite wird für alle Betriebe immer wichtiger. Genau hier will die Kampagne ansetzen und Möglichkeiten aufzeigen, wie in landwirtschaftlichen Betrieben Geld gespart werden kann. Angeboten werden zwölf Fachvorträge, Podiumsdiskussionen, Informationen im „Südtiroler Landwirt“ und eine Webseite mit einem eigens entwickelten „Maschinen-Kosten-Rechner“. Hilfestellung kommt dabei von der Universität für Bodenkultur in Wien.
Anton Mairhofer, Obmann des Maschinenringes Südtirol, erklärt bei der Vorstellung von „Spar’s dir!“ in Oberplanitzing bei Kaltern: „Unser Ziel ist es, den Bäuerinnen und Bauern zu zeigen, wo die Kosten lauern  und wo sie sparen können. Denn wer Kosten und Erlöse im Griff hat, sichert seinen Bauernhof als wirtschaftliche Grundlage für seine Familie.“

Mehr Miteinander als Nebeneinander
Eine Möglichkeit, Kosten zu sparen, bietet der Maschinenring. „Die Kernaufgabe des Maschinenrings ist die organisierte Zusammenarbeit“, so Mairhofer. „Das bedeutet konkret, dass ein Bauer seine Maschinen und seine Arbeitskraft nicht nur am eigenen Betrieb, sondern auch beim Nachbarn einsetzt. Dieser Nachbar besitzt im Idealfall eine andere Maschine, mit der er seinerseits Aufgaben auf dem Nachbarhof erledigen kann. Viele Maschinenring-Mitglieder sind so zugleich Auftraggeber und -nehmer und verbessern damit also sowohl ihre Kosten- also auch ihre Erlösseite.“
Die große Bedeutung der Maschinenringe gerade für kleine Betriebe unterstrich Jungbauer Georg Sölva aus Oberplanitzing. Er erledigt über den Maschinenring verschiedene Arbeiten. Zudem bezieht er vom Maschinenring seinen Treibstoff für die landwirtschaftlichen Maschinen und nutzt seine Versicherungsangebote. Für Mairhofer gehöre die Mitgliedschaft im Maschinenring zur „Grundausstattung“ eines jeden Betriebes.

Maschinen als Kostenfalle
Die größten Einsparungen sind bei den Maschinen möglich, ist Mairhofer überzeugt. „Die  Kosten für den Ankauf und die Wartung von Maschinen und Geräten, die nur gering ausgelastet sind, sind oft enorm. Dennoch kennen nur wenige Bauern die eigenen Maschinenkosten. Wer Synergien sucht, die eine oder andere Maschine nicht anschafft und stattdessen Arbeiten von anderen erledigen lässt, spart eine Menge Geld“, so Mairhofer. Wer zusätzlich die eigenen Maschinen auch für Einsätze auf anderen Betrieben nutzt, könne nur gewinnen. Martin Stuppner vom Amt für Landmschinen erklärte, dass die überbetriebliche Nutzung auch in Anbetracht der Beiträge interessant sei, da die öffentliche Unterstützung in diesen Fällen höher ist. Ganz allgemein gelte: Wer spart, hat am Ende mehr davon als von manchen Beiträgen.
Unterstützt wird die Kampagne „Spar’s Dir!“ vom Südtiroler Bauernbund, der auch in der Projektgruppe sitzt. Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler sagt: „In den letzten Jahren haben Hunderte Bäuerinnen und Bauern die Bewirtschaftungen ihrer Höfe aufgegeben. Häufig waren es kleine Betriebe, denen die Kosten zu viel wurden. Gerade solchen Betrieben wollen wir mit dieser Kampagne helfen, die Kosten in den Griff zu bekommen.“ Um die bäuerlichen Betriebe für die Zukunft zu rüsten, müssten Betriebe wieder mehr miteinander arbeiten „Die Optimierung von Einnahmen und Ausgaben ist heute die zentrale Managementaufgabe am Hof“, so Tiefenthaler. Nur so sei garantiert, dass das Land weiterhin flächendeckend bewirtschaftet werden könne. Dem schlossen sich auch Roland Platter vom Maschinenring Tirol und Christian Prossliner, Geschäftsführer des Maschinenringes Vorarlberg an.
Neben dem Kostensparen machte der Maschinenring auch auf einen weiteren Umstand aufmerksam: „Wenn wir die Landwirtschaft erhalten wollen, braucht es weiterhin günstige Rahmenbedingungen. Ganz wichtig sind einfache gesetzliche Bestimmungen und ein Abbau der Bürokratie“, erklärte Mairhofer.


TIPP:

Nachdem die Landing-Page www.spars-dir.eu bereits seit geraumer Zeit online ist, ging der Maschinenkostenrechner (http://www.spars-dir.eu/rechner) vergangene Woche ins Netz.