Südtiroler Landwirt | 24.10.2013

Digitale Medien bewusst konsumieren

Digitale Medien sind technische Instrumente, die wir nutzen können, um Kommunikation über Entfernungen auditiv und visuell zu ermöglichen. Was Sie im Umgang damit beachten sollten.

Unsere Kinder wachsen mit digitalen Medien auf. Es liegt aber an uns Eltern, dass sie auch lernen, richtig damit umzugehen. (Foto: www.trekantenlegesenter.no/ansatte/leger)

Unsere Kinder wachsen mit digitalen Medien auf. Es liegt aber an uns Eltern, dass sie auch lernen, richtig damit umzugehen. (Foto: www.trekantenlegesenter.no/ansatte/leger)

Die neuen Medien sind für uns zu verführerischen Wundermitteln geworden, welche spielerisch leicht, zu jeder Zeit an jedem Ort genutzt werden können. Wir beobachten es täglich: Erwachsene navigieren beim Autofahren mit dem Smartphon, im Zug wird der „Blog“ betreut oder „getwittert“, bei Sitzungen werden die Termine im Personalplaner eingetragen, unterstützende Infos werden am Tablet gezeigt. Kinder beschäftigen sich mit Computerspielen …
Telefonieren rückt mehr und mehr in den Hintergrund. E-Mails schreiben, Zeit managen,
Fotografieren mit dem Smartphone, im Internet surfen, Navigieren, Informationen über das Weltgeschehen „zeitnah“ abrufen, das sind nur einige der Funktionen, die wir täglich nutzen. Das kostet uns auch Zeit. Zeit, die für die Familie und für aktive zwischenmenschliche Beziehungen verloren geht.

Zu wenig Bewegung hat Folgen
In Diskussionen mit Pädagogen und Eltern wird gerne über Kinder und Jugendliche
geredet, die zu viel Zeit mit digitalen Medien verbringen. Manfred Spitzer, Mediziner und
Neurowissenschaftler, warnt in seinen Publikationen schon seit 2005 vor dieser Art der
Freizeitbeschäftigung und beschreibt viele ihrer negativen Folgen: Er spricht davon, dass
Kinder und Jugendliche im Schnitt täglich drei bis sechs Stunden vor irgendeinem Bildschirm sitzen. Die damit verbundene Bewegungsarmut kann zu einem erhöhten Körpergewicht führen, dies wiederum bringt die Gefahr von Ausgrenzung mit sich. Außerdem können Kreislaufbeschwerden oder Jugenddiabetes als Folgen des vielen Sitzens und der mangelnden Bewegung auftreten.

Empathieverlust droht
Durch den hohen Medienkonsum finden reale Gespräche und Kontakte zwischen Menschen, bei denen das Gegenüber mit Körperhaltung, Gefühlen usw. ganzheitlich wahrgenommen werden, immer seltener statt. Kinder machen dadurch weniger empathische Erfahrungen und lernen somit auch weniger empathisch zu agieren.
Der Umgang mit den Bildschirmmedien ist heute sicher kulturtechnisch gleich wichtig wie ein korrekter Umgang mit Messer und Gabel. Allerdings ist bei digitalen Medien die Suchtgefahr sehr groß. Deshalb will der richtige Umgang gut gelernt sein.
Denn Kinder und Jugendliche sind nicht die einzigen mit einem überdurchschnittlich hohen Konsum. Auch Erwachsenen ist zu empfehlen, mit digitalen Medien bewusst und kritisch umzugehen, die modere Technik zu nutzen, ohne sich von ihr bestimmen zu lassen.

Bewusster Konsum digitaler Medien
In erster Linie sollte Erwachsenen immer bewusst sein, dass Kinder und Jugendliche durch das Nachahmen lernen. Die Vorbildwirkung auf die junge Generation ist nicht zu unterschätzen! Es nützt beispielsweise nichts, Kindern das PC-Spiel zu verbieten, selbst aber den Sonntagnachmittag mit Fernsehen zu verbringen, anstatt sich aktiv mit den Kindern zu beschäftigen oder einer anderen sinnvollen Tätigkeit nachzugehen.
Von den Eltern sollte gut überlegt werden, ab welchem Alter ihre Kinder ein Handy oder ein iPad brauchen. Nicht der Freundeskreis sollte darüber bestimmen, wann welches Gerät notwendig und zweckmäßig ist.
Kinder und Jugendliche sind heutzutage oft sehr fit im Umgang mit Handy und Computer. Die meisten besitzen ein solches Gerät schon sehr früh.
In verständnisvollen Gesprächen über das Für und Wider können Eltern aber versuchen, Kinder im bewussten Umgang mit diesen Geräten zu stärken und die Entscheidung über den richtigen Zeitpunkt der Anschaffung gemeinsam zu treffen. Wenn ein solches Gerät dann angeschafft wird, ist es in jedem Fall wichtig, mit den Kindern die Art der Benutzung zu besprechen und die benötigten Funktionen zu aktivieren, während andere eventuell zu sperren sind.
Eine hilfreiche Maßnahme ist es aber auch, klare Regeln für den Umgang mit den diversen Medien gemeinsam zu vereinbaren und zu formulieren, damit sich jeder daran halten kann. Es ist darüber hinaus auch wichtig, die Konsequenzen zu besprechen, die greifen sollen, wenn diese Vereinbarungen nicht respektiert und eingehalten werden. So sollten Fernsehzeiten und tägliche Computerzeiten klar definiert sein. Kinder sollten
auch darüber aufgeklärt weden, wie viel diese Geräte in ihrer Anschaffung und in der täglichen Benutzung kosten.

Weniger ist mehr
Nutzen wir die Geräte sinnvoll je nach Bedürfnis und Bedarf, dann können wir davon profitieren. Denn wenn wir uns von diesen technischen Wunderwerken bestimmen lassen, verschlechtern wir unsere Lebensqualität dauerhaft. Denn es gilt: Weniger ist mehr!