Südtiroler Landwirt | 10.10.2013

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Was für ein Jahr: Erstmals haben heuer über 2200 Freiwillige einen Arbeitseinsatz auf einem Südtiroler Bergbauernhof geleistet. Erfreulich: Die Zahl der Helfer unter 30 Jahren ist um zehn Prozent angestiegen. Dies ist die erfreuliche Bilanz des VFA.   von Michael Deltedesco und Guido Steinegger

Wie es dem Verein Freiwillige Arbeitseinsätze auch in diesem Jahr gelungen ist, die Zahl der Helfer zu steigern.

Wie es dem Verein Freiwillige Arbeitseinsätze auch in diesem Jahr gelungen ist, die Zahl der Helfer zu steigern.

So manche Freudenträne bei den Beschenkten, eine leicht bebende, bewegte Stimme bei der Koordinatorin und herzliche Worte des Dankes beim Obmann: Die Erntedankfeier des Vereins Freiwillige Arbeitseinsätze (VFA) war emotionsgeladen. Koordinatorin Monika Thaler formulierte es so: „Wahrlich große Gefühle erlebt man bei einem Arbeitseinsatz auf einem Südtiroler Bergbauernhof!“ Und VFA-Obmann Georg Mayr rief den vielen Freiwilligen des heurigen Jahres, die vielfach aus Deutschland und anderen Ländern zur Feier angereist waren, zu: „Ihr seid die wirklichen Ehrengäste des Abends!“

Dabei sind jene, die hierher ins Bürgerhaus von Sarnthein gekommen sind, nur die Spitze eines wahren Berges an Helfern. Und so konnten Georg Mayr und Monika Thaler an diesem Abend – mit Dankbarkeit im Namen der Bauernfamilien und mit Stolz auf das von den Freiwilligen Geleistete – die erfreuliche heurige Jahresbilanz verkünden: Knapp
14 Prozent der Helfer waren unter 20 Jahren, weitere 18 Prozent zwischen 20 und 30 Jahren. „Damit haben wir erstmals seit Langem wieder mehr junge Helfer, was uns natürlich besonders freut“, erklärte Thaler.

Auffallend ist weiter, dass heuer auch die Altersgruppe der 40- bis 50-Jährigen zugelegt hat, während die Freiwilligen über 60 Jahren um 20 Prozent abgenommen haben. Auch bei der Herkunft der Helfer gab es Verschiebungen: So stammen „nur“ mehr etwa zwei Drittel aus der Bundesrepublik Deutschland. „Der Grund dafür war das Jahrhunderthochwasser. Viele Freiwillige waren selbst betroffen, andere haben abgesagt, weil sie tatkräftig ihren Landsleuten unter die Arme griffen“, fasste Thaler zusammen.
Bedauerlich: Die Zahl der heimischen Helfer ist ebenfalls leicht zurückgegangen. Hingegen finden immer mehr Italiener den Weg auf einen Bergbauernhof, aber auch „Exoten“ wie Bolivianer, Amerikaner und Ukrainer wollen eine neue Realität kennenlernen. VFA-Obmann Georg Mayr freut sich über 2260 Helfer: „Wir sind mehr als zufrieden. Das ist die höchste Zahl, die wir jemals erreicht haben.“

Immer mehr Frauen
Ein Trend ist seit einigen Jahren spürbar: Die Bereitschaft von Frauen, auf einem Bergbauernhof mitzuhelfen, steigt. Heuer waren 49 Prozent der Freiwilligen Frauen.
Nur leicht zugenommen hat die Zahl der Bergbauernfamilien, die um einen Freiwilligen angesucht haben.

Mehr als nur „nackte“ Zahlen
Mehr noch als die „nackten“ Zahlen freuen sich Mayr und Thaler über viele tolle Helfer. Thaler berichtete von Freiwilligen, die bis zu 180 Tage auf einem Bergbauernhof mitarbeiten. Viele dieser Helfer kommen seit sechs, sieben oder acht Jahren. Und so fielen an dieser Stelle die Worte von den großen Gefühlen und dem herzlichen Dank an die wahren Ehrengäste.
Ähnliche Töne stimmten die Grußredner an: Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler sprach von einer „äußerst wichtigen Hilfe, mit der die Freiwilligen nicht nur die Existenz von Bergbauernhöfen sichern, sondern auch eine gepflegte Landschaft und – in Zeiten steigender Arbeitslosigkeit nicht zu unterschätzen – auch Arbeitsplätze sichern.“
Neben dem Bauernbund sind auch die Caritas, Lebenshilfe und der Südtiroler Jugendring Trägervereine des VFA. Die Vorsitzende des Jugendrings, Martina De Zordo, freute sich über den Zuwachs von zehn Prozent bei den jungen Helfern, „denn solche direkte Erfahrungen sind in Zeiten der Technisierung und Digitalisierung für Jugendliche besonders wichtig“. De Zordo nahm sich vor, die Arbeitseinsätze künftig stärker zu bewerben, „damit nächstes Jahr auch bei den Freiwilligen aus Südtirol wieder ein Zuwachs zu verzeichnen ist“.

Dank für die Unterstützung
Überwältigend der Abschluss: Einigen besonders fleißigen Helfern überreichten die Vorstandsmitglieder stellvertretend für die vielen Helfer des letzten Jahres kleine

Geschenke des Dankes.
Zu schaffen macht den Verantwortlichen die finanzielle Lage. Da der Verein kaum über Einnahmen verfügt, machen sich vor allem die Verwaltungskosten bemerkbar. Nun hofft Mayr, einen Sponsor gefunden zu haben. Im November dürfte hier Klarheit herrschen.
Heuer wurde der Verein von der Stiftung Sparkasse, dem Amt für Senioren und So­ziales, dem Amt für Kabinettsangelegenheiten, dem Amt für Tourismus, BTS Biogas GmbH, der Raiffeisenkasse Bozen sowie den Bezirksgemeinschaften Salten-Schlern und Überetsch-Unterland unterstützt.

Fotos auf der Landwirt-Facebook-Seite

www.bergbauernhilfe.it