Südtiroler Landwirt | 26.09.2013

Kein Platz für „Geiz ist geil“

Andere Länder, gleiche Entwicklung: Auch in Österreich ist ein Strukturwandel bei den milcherzeugenden Betrieben festzustellen. Das wurde auf der österreichischen Milchwirtschaftlichen Tagung in Brixen deutlich. von Michael Deltedesco

Der Sennereiverband Südtirol hieß vergangene Woche in Brixen Milchwirtschaftsvertreter aus ganz Österreich willkommen.

Der Sennereiverband Südtirol hieß vergangene Woche in Brixen Milchwirtschaftsvertreter aus ganz Österreich willkommen.

Veranstaltet wurde die Milchwirtschaftliche Tagung von der Bundesanstalt für Alpenländische Milchwirtschaft Rotholz in Zusammenarbeit mit dem Verein zur Förderung der österreichischen Milchwirtschaft und dem Sennereiverband Südtirol.
Österreichs Milchwirtschaft kann gleich mit mehreren Rekorden aufwarten. So hat die Alpenrepublik nicht nur den höchsten Anteil an der Milchproduktion im Berggebiet, sondern auch den höchsten Anteil an Biomilch in Europa, berichtete der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter Helmut Petschar in Brixen.
Weniger Grund zur Freude bringt der Blick auf die Entwicklung der Milchwirtschaft. Trotz gestiegener Preise und einer stabilen Absatzsituation sinkt auch in Österreich die Zahl der Milchlieferanten: gegenüber 2011 um drei Prozent auf 34.322. Der Milchkuhbestand ging um knapp ein Prozent auf 523.000 Stück zurück. Die Milchmenge hingegen stieg von 2011 auf 2012 um etwa zwei Prozent auf 2,96 Millionen Tonnen. Im ersten Halbjahr 2013 ist die Milchanlieferung in Österreich um 2,1 Prozent zurückgegangen.

Preise gestiegen
In der letzten Zeit entwickeln sich die Preise in der Milchwirtschaft nach oben. Betrachtet man aber einen längeren Zeitraum, so zeigt sich, dass die Erhöhung unter der Inflation liegt. Seit dem EU-Beitritt 1993 sind die Verbraucherpreise um 44 Prozent gestiegen, die Preise für Trinkmilch hingegen „nur“ um knapp 13 Prozent.
Dass Milch aus dem Berggebiet einen Mehrwert bietet, darüber waren sich die Teilnehmer in Brixen einig. Betriebe am Berg produzieren naturnah und in kleinen Einheiten. Durch die Milchwirtschaft wird die Landschaft freigehalten und gepflegt, was eine Besiedelung überhaupt erst ermöglicht. Zudem erbringt die Milchwirtschaft diverse Umweltleistungen, sichert Arbeitsplätze und die Basis für den Tourismus. Dieser Mehrwert müsse abgegolten werden, forderte Petschar.
Die Teilnehmer forderten die Politik auf, sich zu einer flächendeckenden Milchwirtschaft zu bekennen. Das können z. B. geeignete Förderinstrumente sein, die die höheren Produktionskosten im Berggebiet abdecken, oder der Kennzeichnungsschutz. Zudem braucht es politische Maßnahmen nach dem Auslaufen der Milchquoten. Handel und Tourismus müssen sich zur heimischen Landwirtschaft bekennen. „Geiz ist geil“ als Verkaufsaktion dürfen bei hochwertigen Produkten keinen Platz haben. Sehr oft liegen Wunsch und Wirklichkeit weit auseinander. Konsumenten würden sich nämlich hohe Qualität, Regionalität, Nachhaltigkeit usw. wünschen, wären dann aber nicht bereit, auch einen entsprechenden Preis zu bezahlen. Hier muss verstärkt sensibilisiert werden, erklärte Michael Blass von der AMA Austria. Hilfreich sei auch eine entsprechende Kennzeichnung. Denn viele Kennzeichnungen tragen heute mehr zur Verwirrung als zur Information bei.