Südtiroler Landwirt | 26.09.2013

Besenwuchs-Befall beängstigend

Der Besenwuchs (oder Apfeltriebsucht) nimmt im Untervinschgau, besonders aber im Meraner Raum, beängstigende Ausmaße an. In einigen Obstanlagen sind allein heuer teilweise bis zu 15 Prozent der Bäume vom Bakterium befallen. Vergangene Woche hat es dazu in Schenna ein Treffen gegeben. von Michael Deltedesco

Der Besenwuchs-Befall nimmt heuer vor allem im Burggrafenamt dramatische Ausmaße an. Dies wurde vergangene Woche bei einem Treffen in einer betroffenen Apfelwiese in Schenna deutlich.

Der Besenwuchs-Befall nimmt heuer vor allem im Burggrafenamt dramatische Ausmaße an. Dies wurde vergangene Woche bei einem Treffen in einer betroffenen Apfelwiese in Schenna deutlich.

Das, was die zahlreichen Vertreter der Landespolitik und -verwaltung, des Bauernbundes, des Beratungsrings für Obst- und Weinbau und des Versuchszentrums Laimburg sowie die betroffenen Bauern selbst zu hören und zu sehen bekamen, war dramatisch: In einigen Anlagen muss nach der Ernte mehr als jeder siebte Baum gerodet werden.
In anderen Anlagen wurde in den letzten Jahren bereits ein Drittel der Bäume entfernt, ein Ende ist noch nicht in Sicht. Während in den letzten Jahren die Zahl der betroffenen Bäume nur leicht gestiegen ist, hat sich die Krankheit heuer explosionsartig bemerkbar gemacht.  
Dramatisch ist die Situation in den Obstwiesen auch deshalb, weil der Überträger – der Sommerapfelblattsauger – zwar bekannt ist, die direkte Bekämpfung des für die Krankheit verantwortlichen Bakteriums derzeit nicht möglich ist.
Auch die Bekämpfung des Schädlings erweist sich als schwierig, weil nur eine sehr geringe Schädlingsdichte ausreicht, um große Schäden zu verursachen. Zudem überwintern die Schädlinge häufig im Wald, wo sie vor einer Bekämpfung „sicher“ sind.
Was auch nicht hilft, ist die Tatsache, dass es noch viele offene Fragen gibt, wie z. B. wieso genau heuer die Situation besonders prekär ist und warum die Hanglagen stärker betroffen sind als die Tallagen.

Forschung arbeitet weiterhin auf Hochtouren
Das Versuchszentrum Laimburg hat die Forschung im Bereich Apfeltriebsucht auch aus diesem Grund intensiviert.
„Sieben Mitarbeiter und einige saisonale Angestellte forschen mit Hochdruck. Wir wollen klären, wieso gerade der Raum Meran so stark betroffen ist, ob noch andere Überträger als der Sommerapfelblattsauger in Frage kommen und wann bzw. wie die Infektion stattfindet. Darüber hinaus soll in zahlreichen Versuchen geprüft werden, wie die Überträger am effektivsten bekämpft werden können“, erklärten Landeshauptmann Luis Durnwalder und der Direktor des Versuchszentrums Laimburg Michael Oberhuber.
Eng arbeiten die Forscher dabei mit dem Versuchszentrum San Michele all’Adige und anderen Forschungseinrichtungen zusammen. In den Obstwiesen nehmen, zusammen mit den Obstbauern selbst, die Berater des Beratungsringes für Obst- und Weinbau Erhebungen und Auswertungen vor.
„Die Zusammenarbeit zwischen Laimburg, Beratungsring und Bauern ist immens wichtig“, erklärte Robert Widmer vom Beratungsring für Obst- und Weinbau.
Befallene Bäume sind zu roden
Er und der Landesobmann des Südtiroler Bauernbundes Leo Tiefenthaler sowie Bauernbund-Bezirksobmann Bernhard Burger appellierten an die Obstbauern, ihre Anlagen weiterhin im Auge zu behalten, „verdächtige“ Bäume zu kennzeichnen und zu roden.
Anlagen, die nicht mehr bewirtschaftet werden, sollten ebenfalls regelmäßig kontrolliert werden. „Eine Rodung ist nach wie vor die beste Maßnahme, um eine Übertragung der Krankheit von befallenen auf gesunde Bäume zu verringern.“
Die Rodung sei zudem verpflichtend, betonten die Vertreter des Landesamtes für Obst- und Weinbau des Landes. Wer sich nicht an diese Verpflichtung halte, riskiere Verwaltungsstrafen und – in letzter Konsequenz – die Zwangsrodung. Bewährt hat sich in einigen Gebieten eine Art Nachbarschaftshilfe. „Es kann sein, dass mancher Grundbesitzer aus Alters- oder sonstigen Gründen nicht mehr alleine in der Lage ist, seine befallenen Bäume zu roden. Hier sind die Nachbarn eingesprungen und haben mitgeholfen.“  Damit es nicht bis zu einer Rodung kommt, sollten alle Obstbauern die Empfehlungen des Beratungsringes für Obst- und Weinbau strengstens befolgen. „Nur wenn alle an einem Strang ziehen, können wir dieses Problem lösen“, betonten die Vertreter von Bauernbund und Beratungsring unisono.
Für die Zukunft hoffen nicht nur die Obstbauern auf neue Erkenntnisse aus der Forschung – und auf resistente Unterlagen. „Letztere würden eine effektive Verbesserung bringen. Allerdings dürfte dies noch einige Zeit dauern.“ Kurzfristige Wunderlösungen dürfe sich niemand erwarten, mittelfristige neue Erkenntnisse aber wohl.