Südtiroler Landwirt | 12.09.2013

Vom heiligen Feuer des Bauernstandes

Wenn die Landwirtschaft in der Politik etwas erreichen will, braucht sie dort eigene Leute. Das gilt in der Schweiz wie in Südtirol, sagt Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes, im „Südtiroler-Landwirt“-Gespräch. von Guido Steinegger

Markus Ritter: „Wir brauchen verlässliche, bäuerliche Politiker, weil den anderen der Bezug zur Landwirtschaft immer mehr fehlt.

Markus Ritter: „Wir brauchen verlässliche, bäuerliche Politiker, weil den anderen der Bezug zur Landwirtschaft immer mehr fehlt.

Bereits öfter haben Sie den Bauern in unserem Land vor Wahlen Mut gemacht. Ende September werden sie das wieder tun. Wieso liegt Ihnen persönlich das Wohl der Südtiroler Bauern so sehr am Herzen?
Markus Ritter: Südtirol und die Schweiz haben sehr viel gemeinsam. Mir liegt das Wohl der Bauernfamilien im ganzen Alpenraum am Herzen. Zudem pflegen wir seit Jahren einen ausgesprochen wertvollen Kontakt zwischen den Verbänden. Ich bin überzeugt, dass beide Seiten voneinander profitieren können. Ich freue mich, wenn ich aufgrund unserer Erfahrungen in der Schweiz die Südtiroler Bauern unterstützen kann.

Dem Schweizer Bauernverband gelingt es immer wieder, sich in den Parlamenten – sowohl auf lokaler wie staatlicher Ebene – hervorragend zu positionieren. Was ist das Geheimrezept?
Das Geheimrezept ist einfach: Wir brauchen möglichst viele Bäuerinnen und Bauern, die sich engagieren und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen: angefangen im Kleinen, auf lokaler Ebene und in den landwirtschaftlichen Organisationen selber. Gute Wahlchancen haben jene, die bereits von einer gewissen Bekanntheit in ihrem Umfeld profitieren und die Übung haben in öffentlichen Auftritten. Für eine erfolgreiche Wahl braucht es am Schluss die Geschlossenheit und die hundertprozentige Mobilisierung der Landwirtschaft.

Sie halten eine wirksame Interessenvertretung für immens wichtig, weil die Landwirtschaft viele Berührungspunkte zur Politik hat. Was sind die wichtigsten?
Sämtliche politischen Themen, die mit der Nutzung des Bodens zu tun haben, haben praktisch immer einen Zusammenhang mit der Landwirtschaft: Raumplanung, Gewässerschutz, Umweltschutz und Ökologie, Landschaftsschutz, Tourismus, Energiegewinnung, um nur einige Beispiele zu nennen. Zudem ist die Landwirtschaft ein Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber. Auch wenn es um die Planung der Ausgaben des Landes geht, lohnt es sich, wenn man mitreden kann!

Neiddiskussion, Pflanzenschutz usw.: Die Landwirtschaft sieht sich europaweit immer mehr in einem Verteidigungskampf, auch auf politischer Ebene. Sind verlässliche, bäuerliche Politiker mit guten Argumenten umso wichtiger?
Aus meiner Sicht sind verlässliche, bäuerliche Politiker vor allem deshalb wichtig, weil allen übrigen der Bezug zur Landwirtschaft immer mehr fehlt. Früher hatten fast alle zumindest Verwandte oder Bekannte, die Bäuerinnen und Bauern waren. Heute lebt ein Grossteil der Bevölkerung in Städten und Agglomerationen. Diese Leute wissen nicht mehr, wann die Erdbeeren reif sind, welche gemeinwirtschaftlichen Leistungen an der Landwirtschaft hängen und auch nicht, warum sie durch ihre Standortgebundenheit nicht einfach in den gleichen Topf wie andere Branchen geworfen werden kann.

Sie fordern eine hohe Wahlbeteiligung der bäuerlichen Bevölkerung. Wie motivieren Sie unentschlossene Bäuerinnen und Bauern?
Es gilt, die große Bedeutung dieser Wahl in Bezug auf die Zukunft der Landwirtschaft ins Bewusstsein zu bringen. Starke Kräfte der Südtiroler Landwirtschaft treten bei dieser Wahl nicht mehr an. Dieser Generationenwechsel in der politischen Interessenvertretung ist sehr anspruchsvoll.  Nur mit vollem Einsatz aller können die frei werdenden Sitze erfolgreich durch bäuerliche Vertretungen besetzt werden.

Sie nehmen jeden Einzelnen in die Pflicht?
Erste Priorität bei der Wahl hat klar, dass alle Bäuerinnen und Bauern mit ihren ganzen Familien wählen gehen. Dieser Verantwortung sollten sich alle bewusst sein, und sonst muss man sie wirksam darauf hinweisen: „Willst du die Landwirtschaft stärken und mitgestalten? – Geh wählen!“ Was wir brauchen, ist Geschlossen- und Entschlossenheit – das „feu sacre“, das „heilige Feuer“, für unseren Berufsstand.