Südtiroler Landwirt | 29.08.2013

Milch wird neu verteilt

Die Einzugsgebiete der Milchhöfe in Südtirol werden neu geregelt. Und der sogenannte kleine Milchpool soll noch in diesem Jahr entstehen. Diese Neuerungen hat der Sennereiverband Südtirol auf einer Pressekonferenz im Haus der Tierzucht der Öffentlichkeit vorgestellt.

In Südtirols Milchwirtschaft kommt Bewegung. Die Genossenschaften bleiben autonom und arbeiten intensiver zusammen.

In Südtirols Milchwirtschaft kommt Bewegung. Die Genossenschaften bleiben autonom und arbeiten intensiver zusammen.

Der Schritt wird von allen Beteiligten als historisch bewertet. „Man wechselt nicht jeden Tag seine Genossenschaft“, meinte Joachim Reinalter, Obmann des Sennereiverbandes.  Die Einzugsgebiete der Milchhöfe Bergmilch Südtirol, Brimi und Meran werden neu aufgeteilt. Mehr als 80 Prozent der Milchbauern der Gemeinde Kastelruth haben sich Mitte August für den Wechsel von der Bergmilch hin zum Milchhof Brixen entschieden. Vorausgegangen waren intensive Gespräche und Informationsveranstaltungen vor Ort. Dieselbe Entscheidung hat die überwiegende Mehrzahl der Bauern vom Ritten gefällt. So werden ab dem kommenden Jahr 250 Bauern ihre Milch nicht mehr zur Bergmilch, sondern an den Milchhof Brixen liefern. Damit wird auch der Kooperationsvertrag zwischen beiden Milchhöfen neu geregelt, der bislang u. a. den Milchankauf der Brimi beim größten Milchhof Südtirols, der Bergmilch, vorsah. „So bekommen wir mehr Planungssicherheit“ sagt Klaus Faller, Obmann der Brimi. Dasselbe gilt für den Milchhof Meran. Bei einer verarbeiteten Milchmenge von 26 Mio. kg Milch und bei einer Anlieferung von 17. Mio. kg  musste der Milchhof jährlich 9 Mio. kg Milch von der Bergmilch zukaufen. „Wenn die 120 Milchbauern der Gemeinden Mölten und Vöran zu uns kommen, dann bekommen wir an die 11 Mio. kg mehr“, sagt Obmann Georg Egger. Allerdings steht die Entscheidung der Milchbauern der Gemeinde Mölten noch aus. Stichtag ist der 4. September.

Mangelware Milch
Mit dieser Gebietsverschiebung wird der konstante Milchüberschuss der Bergmilch reduziert. Insgesamt rückläufig sind allerdings die Milchanlieferungsmengen aller Milchhöfe. Und das schon seit einigen Jahren. Wurden im Jahr 2010 noch 365 Mio. kg Milch angeliefert, waren es ein Jahr später nur mehr 357 Mio. kg. Für das laufende Jahr werden es fünf Mio. kg weniger sein, prognostiziert Unternehmensberater Christian Gruber, der eine Studie durchgeführt hat. Im Jahr 2016 geht die Milchwirtschaft davon aus, dass nur mehr 339 Mio. kg Milch in Südtirol angeliefert werden. Neben dem Phänomen, dass immer mehr Bergbauern die Milchkanne an den Nagel hängen, steigt der Veredelungsgrad der Milchprodukte in den Sennereien jährlich an.

Kleiner Milchpool entsteht
Zudem gibt es physiologische Schwankungen bei der Anlieferung von Milch, die bei Verträgen mit Handelsketten zu Buche schlagen. Während Kühe im Winter durchschnittlich zehn Prozent mehr Milch geben, fehlen in den Sommermonaten an die neun Prozent auf den Jahresdurchschnitt. Die Milchhöfe haben sich zu einer stärkeren Zusammenarbeit bereit erklärt. Die restliche Überschussmilch soll in einem kleinen Milchpool gemeinschaftlich vertrieben werden. Auch der Einkauf soll gemeinschaftlich geregelt werden. Dies ist das deklarierte Ziel des Sennereiverbandes, der den Vertrag noch in diesem Jahr unter Dach und Fach haben möchte.