Südtiroler Landwirt | 01.08.2013

Multitalent mit Hang zur Praxis

Als ehemaligen Bürgermeister von Mals und amtierenden Landtagsabgeordneten kennt man ihn im ganzen Land. Dass Josef Noggler auch mit Leib und Seele Bauer ist, weiß fast niemand. Viele hat es verwundert, dass ihn der SBB bei den Landtagswahlen im Herbst untersützt. Der „Südtiroler Landwirt“ hat ihn besucht.

Die Kuh und ihr Bauer: Fototermin mit Josef Noggler auf der Malser Haide.

Die Kuh und ihr Bauer: Fototermin mit Josef Noggler auf der Malser Haide.

Gemütlich liegen oder stehen die Kühe auf der Malser Haide. Ruhig nähert sich ihnen Josef Noggler. Gerne kommt er herauf auf die Gemeinschaftsweide, um nach seinen Kühen zu sehen. Heute ist er nicht allein: Der „Südtiroler Landwirt“ hat um einen Fototermin gebeten. Einige Tiere werden nervös. Doch Noggler kann sie beruhigen, und es klappt mit dem passenden Foto: Zutraulich schmiegt sich eine Kuh an ihren Bauern.
In seiner Heimatgemeinde wissen die Menschen, dass ihr Ex-Bürgermeister eingefleischter Bauer ist. Im Rest des Landes ist das eher unbekannt. Selbst Landtagskollegen haben sich gewundert, dass Noggler bei den kommenden Wahlen vom Südtiroler Bauernbund unterstützt wird. Doch hier heroben, auf der Haide, da sieht man ihm seine Freude am Vieh richtig an. 20 Stück Braunvieh nennt er sein Eigen und liefert jährlich rund 40.000 Liter Milch an die „Bergmilch Südtirol“. Er kennt das so von klein auf. Schon lange  stand er – und nicht eines seiner drei Geschwister – als Hofübernehmer fest. Daher auch sein Agrarstudium in Padua. Vor fünf Jahren hat er den Hof nun endgültig übernommen.

Besondere Freude an der Zucht
Am Vieh interessiert Noggler besonders die Zucht: Rund 12 Stück Jungvieh hält er. „Nach der Besamung bin ich immer ganz gespannt auf das Ergebnis“, erzählt er. Oberstes Zuchtziel ist für ihn die Langlebigkeit. Für eine optimale Milchleistung braucht es Perfektion im Stall. „Dazu haben wir bei unserer Familiensituation einfach zu wenig Zeit,“ berichtet Noggler. Aufgrund seiner politischen Verpflichtungen ist jeder Tag ein kleines organisatorisches Wunder. Meist steht Noggler selbst im Stall. Abends lässt sich das nicht immer mit seinen Terminen vereinen. Dann springen die Familienmitglieder unter der Regie von Ehefrau Anna ein. Vor allem am Wochenende und im Sommer sind die Kinder Paul (23 Jahre), Hannes (22) und Marlies (19) zur Stelle und helfen tatkräftig mit – auch wenn sie alle drei in Innsbruck studieren.
Auch Josef Nogglers Eltern hängen an der Viehwirtschaft: Mutter Luise und Vater Arnold leben trotz ihrer 85 und 87 Jahre in einer eigenen Wohnung am Hof. Auch sie springen ein, wo sie können. Die Mutter hatte vor einigen Jahren einen Schlaganfall. Noggler ist überzeugt: „Die Arbeit am Hof ist die beste Therapie: Wir haben sie sofort wieder in den Alltag integriert. Das hat ihr gut getan.“ Vielleicht ist das mit ein Grund, warum sich Noggler im Landtag künftig auch stark um bäuerliche Seniorenthemen kümmern möchte.
Nogglers Betrieb ist in vielerlei Hinsicht typisch für die Landwirtschaft im oberen Vinschgau: Aufgrund der Realteilung ist es kein Geschlossener Hof. Die Hofstelle liegt mitten im Dorf; die rund sechs Hektar Grünland aber verteilen sich auf ganze zwölf Parzellen im Umfeld des Dorfes. Entsprechend aufwändig ist die Bewirtschaftung, eine Zusammenlegung von Flächen aber schwierig.

Ergänzung: Kirschen und Imkerei
Noggler versucht, die Wirtschaftlichkeit zu verbessern. „Die Landwirtschaft bietet überall Chancen, man muss aber Neues ausprobieren“, berichtet er. Auf einem knappen Hektar hat er vor vier Jahren eine Kirschenanlage errichtet, die Früchte liefert er an die Genossenschaft OVEG. Aus eigener Erfahrung weiß er nun: „Der Hektarertrag ist einfach erheblich besser.“ Er kennt aber auch die Probleme, vor allem die Abdrift. „Die kriegen wir nur in den Griff“, ist Noggler überzeugt, „wenn wir Bauern gemeinsam Lösungen suchen und Rücksicht aufeinander nehmen.“ Erste Schritte habe man getan, an weiteren arbeite man hart.
Seine Ruhe findet Noggler seit 30 Jahren bei der Imkerei. Bei seinen 15 Völkern kann er abschalten vom ereignisreichen Alltag. Er selbst betreibt die Imkerei nur als Hobby. Aber er zieht seine Lehren daraus: Beides, Steinobst und Imkerei, haben für ihn das Potenzial, im oberen Vinschgau neben der Viehhaltung zu zu einem interessanten Standbein werden.
Der landwirtschaftliche Beruf hat ihn geprägt, sagt der Politiker-Bauer: „Wer Bauer ist, muss bodenständig sein … Immer gilt es, einfache, praktische Lösungen zu finden. Die Natur bestimmt, der Bauer hat sich damit zurechtzufinden. Das macht auch bescheiden.“ Diese Erkenntnis nimmt Josef Noggler in die Politik mit: „Ich will auch im Landtag Bodenhaftung behalten.“ Für ihn bedeutet das: Bei jeder Aussprache und jedem Gesetzesvorschlag nach möglichst unbürokratischen, praxisnahen Lösungsansätzen zu suchen.