Südtiroler Landwirt, Südtiroler Bauernjugend | 01.08.2013

Jugend Perspektiven geben

Die Jugend spielt eine Schlüsselrolle wenn es um die Zukunft der Landwirtschaft geht. Jungbäuerinnen und Jungbauern wollen die Zukunft aktiv mitgestalten. Im Interview erzählt Christian Gruber, der jüngste vom Bauernbund unterstützte Kandidat für die Landtagswahlen, was die Politik dafür tun kann.

Bei Studienreisen ins Ausland können junge Menschen wertvolle Erfahrungen sammeln, ist Christian Gruber überzeugt.

Bei Studienreisen ins Ausland können junge Menschen wertvolle Erfahrungen sammeln, ist Christian Gruber überzeugt.

Südtiroler Landwirt: Die Jugend hat großes Interesse daran, die Bauernhöfe in Südtirol weiter zu bewirtschaften. Dies zeigen nicht nur die steigenden Schülerzahlen an den Fachschulen für Land-, Forst- und Hauswirtschaft. Wie beurteilen Sie die derzeitigen Rahmenbedingungen für die bäuerliche Jugend?
Christian Gruber: Meiner Meinung nach sind die Rahmenbedingungen in Südtirol gut, jedoch dürfen wir uns nicht davon blenden lassen. Die Südtiroler Landwirtschaft muss sich weiterentwickeln und sich den ständig ändernden Rahmenbedingungen anpassen. Wir haben den Vorteil, dass die bäuerliche Jugend eine gute Ausbildung erhält. Dies ist die Grundvoraussetzung für eine Entwicklung unserer Betriebe. Wir produzieren Lebensmittel mit hoher Qualität und dies muss auch weiterhin unser Ziel sein. Dafür ist unsere kleinstrukturierte Landwirtschaft gut geeignet, denn Großbetriebe im Ausland haben Schwierigkeiten mit dieser Sorgfalt und Genauigkeit Lebensmittel zu produzieren wie wir.

Wo gibt es Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?
Verbesserungspotentiale gibt es immer, und gerade bei uns in der Landwirtschaft gibt es noch viele. Dies stimmt mich sehr positiv für die Zukunft, da wir Möglichkeiten haben, uns zu verbessern.
Großes Potential sehe ich in der Vermarktung unserer Lebensmittel, egal ob Obst, Wein, Milch, Gemüse, Fleisch usw. Wir produzieren auf einem hohen Niveau und dies muss unseren Konsumenten verstärkt mitgeteilt werden. Unsere Kunden haben sich in Vergangenheit stark konzentriert, und mit Kunden meine ich nicht den Endkonsumenten, sondern vor allem den Lebensmittelhandel. Auf diese Veränderung müssen wir reagieren, ansonsten werden wir zum Spielball einzelner.
Weiteres Verbesserungspotential sehe ich im Bereich der Kosten. Die Produktionskosten auf unseren Bauernhöfen sind in den letzten Jahren extrem angestiegen. Hier müssen wir verstärkt versuchen, durch Kooperationen Synergien zu nutzen. Denn wir wollen ja nicht nur arbeiten, um unsere Maschinen zu kaufen. Der Beratungsbereich muss sich ständig weiterentwickeln, um unsere Bauern optimal beraten zu können. Dies ist ein Muss, denn wer in diesem Bereich stehen bleibt, verliert mit Sicherheit.

Der Generationswechsel ist in den Reihen der SBJ derzeit großes Gesprächsthema. In Italien sind lediglich 2,9 Prozent aller Hofbesitzer jünger als 35 Jahre. In Südtirol scheinen die Zukunftsperspektiven für Jungbauern und Jungbäuerinnen bei weitem besser, doch bei lediglich sieben Prozent aller Hofbesitzer, die jünger als 35 Jahre sind, gilt es auch hier Maßnahmen zu setzen. Welche?
Das ist ein natürliches Phänomen, wir werden immer älter und sind somit auch länger fähig zu arbeiten. Ich erinnere mich noch gut, als ich ein Kind war und meine Oma und Opa ca. 65 Jahre waren; damals waren diese wirklich Oma und Opa. Im Vergleich sind meine Eltern heute topfit und können den Hof noch bewirtschaften und so wird es vielen gehen. Deshalb müssen wir in Zukunft verstärkt darauf setzen, dass die Hofbesitzer gesichert am Hof bleiben können und trotzdem den Hof an die Nachkommen übergeben. Vor allem die Sicherung der Rente spielt hier eine entscheidende Rolle. Zudem müssen weitere Anreize geschaffen werden, damit die Hofübergabe schneller erfolgt. Diese Anreize könnten z.B. in Form von gestaffelten Förderungen erfolgen.

Innovation ist der Motor für eine zukunftsorientierte Landwirtschaft. Zukunftsorientiertes Denken und Handeln steht in enger Verbindung mit Jungbäuerinnen und Jungbauern. Wie können Jungbauern unterstützt werden, innovative Ideen weiterzuentwickeln und auch umzusetzen?
Hier spielt vor allem die Information und Weiterbildung eine entscheidende Rolle. Wir müssen den Jungbäuerinnen und Jungbauern den Zugang zu Informationen schaffen und sie selbst mehr zum Nachdenken bringen. Es helfen vor allem Studienreisen ins Ausland; jedes Land hat seine Eigenheiten und öffnet den jungen Menschen oft die Augen und bringt somit neue Ideen ins Land. Zudem müssen die Ideen in der Entwicklung unterstützt werden, d.h. es sollen Fachleute zur Verfügung stehen, welche die Innovation oder Idee bewerten und diese auch auf deren Umsetzbarkeit prüfen.

Das Ehrenamt ist in Südtirol eine tragende Säule der Gesellschaft. Wie kann das Ehrenamt weiterhin gezielt unterstützt werden?
Viele von uns sind in einem Ehrenamt tätig, egal ob dies die SBJ, Feuerwehr, Musikkappelle, Konsortien, Jugendorganisationen usw. sind. Somit wissen wir auch, wie wichtig diese Arbeit ist und welcher gesellschaftlicher Beitrag damit geleistet wird. Meiner Meinung nach muss versucht werden, auch weiterhin die größtmögliche Unterstützung zu bieten. Diese Unterstützung wird in Zukunft vor allem auf Absicherung der Haftung und Verantwortung bauen müssen. Es kann nicht sein, dass jemand, der alles ehrenamtlich macht, noch mit seinem Privatvermögen haftet. Zudem müssen wir die finanziellen Mittel bereitstellen, um das Ehrenamt zu ermöglichen – vor allem im Jugendbereich gibt es viele Organisationen, die auf Mitarbeiter angewiesen sind. Ein weiterer wichtiger Punkt ist für mich die verstärkte Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Organisationen, z.B. können im Verwaltungsbereich viele Synergien genutzt werden.
Jedoch das wichtigste ist, dass wir unsere Jugend dazu animieren und vor allem motivieren, im Ehrenamt tätig zu sein, denn das Ehrenamt machen die Menschen aus und nicht die finanziellen Mittel und Strukturen!