Südtiroler Landwirt | 01.08.2013

Die Marschroute

Maria, Christian, Josef und Albert: Das sollen künftig die Namen der wichtigsten bäuerlichen Ansprechpartner im Landtag sein. Am Mittwoch haben die Kandidaten, die der Bauernbund bei den Wahlen unterstützt, das gemeinsame Arbeitsprogramm unterzeichnet.

Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler und die vier Landtagskandidaten stellten ihre gemeinsames Arbeitsprogramm in St. Magdalena/Bozen vor.

Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler und die vier Landtagskandidaten stellten ihre gemeinsames Arbeitsprogramm in St. Magdalena/Bozen vor.

Für diesen wichtigen Anlass hatten sich der Südtiroler Bauernbund und jene vier Kandidaten, die er bei den Landtagswahlen im Oktober unterstützt, auch diesmal einen besonders aussichtsreichen Ort ausgesucht: den Steidlerhof in St. Magdalena oberhalb von Bozen.
Aussichtsreich sollen auch die kommenden Jahre für die bäuerlichen Familien in Südtirol sein. Eine wichtige Voraussetzung dafür nannte Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler: „Wir müssen alles daran setzen, dass die Anliegen der Bäuerinnen und Bauern im Landtag auch weiterhin bestmöglich vertreten werden. Wir haben uns für Maria Hochgruber Kuenzer, Christian Gruber, Josef Noggler und Albert Wurzer entschieden, weil wir davon überzeugt sind, dass sie das beste Team für diese Aufgabe sind.“ Das erklärte Ziel des Bauernbundes sei es, dass alle vier Kandidaten den Sprung in den Landtag schaffen.

Fünf große Schwerpunkte
Das ganze Arbeitsprogramm fußt auf fünf Schwerpunktthemen, die alle Bereiche abdecken, in denen der Bauernbund in den kommenden fünf Jahren seine Kräfte mobilisieren möchte: Einmal steht der Mensch in der Landwirtschaft im Mittelpunkt, in der zweiten Säule ist es die „Land-Wirtschaft“ – mit besonderer Betonung des wirtschaftlichen Aspektes. Im dritten Bereich sind alle Themen rund um das Thema Umwelt zusammengefasst, in Bereich vier geht es um das Schwerpunktthema Flächen. In Bereich Nummer fünf dreht sich alles um den ländlichen Raum.  (siehe auch Grafik rechts).
Dass sie als Team gut harmonieren, haben die vier bäuerlichen Kandidaten bereits in den vergangenen Wochen bewiesen. „Wir haben die einzelnen Punkte des Programms gemeinsam Schritt für Schritt erarbeitet. Dabei haben sich die Kandidaten sehr konstruktiv eingebracht. Es ist wirklich ein gemeinsames Programm, kein Forderungskatalog des Bauernbundes“, betonte Tiefenthaler.

Der Mensch im Mittelpunkt
Die wichtigste Säule der europäischen Landwirtschaft sind die Familienbetriebe. Die Familie braucht deshalb besondere Unterstützung. Die Sicherung des Einkommens der bäuerlichen Familien und die Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe haben Priorität, weitere Ziele sind die Aufwertung und Gleichstellung der Kinderbetreuung am Hof und die Einrichtung eines Betriebshelferdienstes.
Von zentraler Bedeutung für die Jugend ist die Hofübernahme: Die Förderung der Junglandwirte über das Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum (ELR) muss ausgebaut werden. Für die Bäuerinnen als gleichberechtigte Partnerinnen sind die Anerkennung der Erziehungszeiten und soziale Absicherung im Alter durch die Auszahlung einer Mindestrente besonders wichtig. Für die Senioren braucht es Maßnahmen für seniorengerechtes Wohnen, für Hauspflegedienste, Essen auf Rädern sowie zur Gesundheitsförderung. Eine exzellente Aus- und Weiterbildung und die mögliche Kombination der landwirtschaftlichen Grundausbildung mit einer handwerklichen Ausbildung sind massiv zu fördern, da dadurch die Chancen der Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt steigen. Zudem wird die Attraktivität der landwirtschaftlichen Fachschulen erhöht.

Land-Wirtschaft im Mittelpunkt
Vorrangige Ziele des Bauernbundes sind die Aufrechterhaltung einer vielfältigen, wettbewerbsfähigen und unternehmerisch ausgerichteten Land- und Forstwirtschaft – betrieben durch bäuerliche Familienbetriebe – und die Sicherung eines befriedigenden Einkommens. Das Landwirtschaftsbudget des Landes muss im derzeitigen Umfang unbedingt aufrecht bleiben, um die Anzahl der Betriebe zu erhalten. Die Risikoabsicherung für die landwirtschaftliche Produktion – vor allem die Vieh- und Hagelversicherung – muss weiterhin unterstützt werden.
Die Berglandwirtschaft verdient besondere Beachtung. Ausgleichszulagen und Grünlanderhaltungsbeiträge sind beizubehalten, die Investitionsbeiträge zu erhöhen. In der Milchwirtschaft muss aufgrund des Wegfalls der Milchquoten ein Schutznetz eingezogen werden. Der neue Beratungsring BRING muss auf eine solide finanzielle Basis gestellt werden. Um die Produktion im Berggebiet zu erhalten, müssen neben der Milchwirtschaft auch andere Einkommensquellen vermehrt unterstützt werden.
Bei der Produktion und Vermarktung der Produkte fordert der Bauernbund eine Strategie zur Reduzierung Ausgleich von Kostensteigerungen in der Produktion. Besonderes Augenmerk muss auf die Genossenschaften gelegt werden, die den größten Teil der bäuerlichen Produkte vermarkten. Daneben sollen aber auch neue Formen der Kooperation unter Landwirtschaftsbetrieben ermöglicht werden. Gewünscht ist die Förderung der Kooperation unter den Genossenschaften. Auch die nachhaltige Nutzung der Wälder und die Holzvermarktung müssen forciert werden.
Vorrangig sind die Erhaltung und Schaffung von attraktiven Arbeitsplätzen im Zu- und Nebenerwerb, vor allem innerhalb der Landwirtschaft. Daher soll ein vernünftiger Ausbau des Urlaubs auf dem Bauernhof möglich sein. Auch die Abwicklung von landwirtschaftlichen und landwirtschaftsnahen Dienstleistungen gilt es, voran zu treiben. Der Bürokratieabbau soll konkret angegangen werden. Die politische Zuständigkeit für die Landwirtschaft muss in einer Hand bleiben, um eine gesamtheitliche Sichtweise und Ausrichtung der Politik zu gewährleisten. Für eine zukunftsfeste Landwirtschaft braucht es Investitionen in Innovation, Forschung und Beratung und eine gute Vernetzung der Akteure.

Wichtiger Faktor Umwelt
Die Forschung zu gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen muss – so der Bauernbund – ermöglicht und ausgebaut werden, die Entwicklung von resistenten Sorten ist zu begünstigen. Die Förderung einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Bewirtschaftung ist ein wichtiges Ziel. Die Landwirtschaft setzt sich für Biodiversität ein. Das heißt auch, dass Saatgut von lokalen Sorten weiterhin verwendet werden darf und seine Verbreitung gefördert wird. Im Energiebereich soll die Nutzung von Holz aus heimischen Wäldern durch besondere Anreize unterstützt werden. Höhere Aufwände bei der energetischen Sanierung von historischer Bausubstanz müssen ausgeglichen werden.

Flächen für Landwirtschaft sichern
Ein besonderes Anliegen ist dem Bauernbund auch für die kommenden Jahre der Schutz des bäuerlichen Eigentums. Die landwirtschaftlichen Flächen sind die Lebensgrundlage eines jeden landwirtschaftlichen Betriebes. Die zunehmende Verbauung und Belastung von landwirtschaftlichen Flächen durch andere Wirtschaftssektoren wirkt sich negativ auf die landwirtschaftliche Struktur Südtirols aus. Freizeitnutzungen müssen durch faire Abkommen zwischen Grundbesitzern und Streckenbetreibern geregelt werden. Die Wassernutzung durch die Landwirtschaft muss vorrangig sichergestellt werden.
Die Regeln im Bereich der Raumordnung sind das zentrale Element, um die Entwicklung Südtirols in demographischer, wirtschaftlicher und landschaftlicher Hinsicht zu steuern.
Der Bauernbund ist für eine umfassende Vereinfachung des Raumordnungsgesetzes unter Beibehaltung der bewährten Grundsätze: mehr Klarheit, weniger Ausnahmen, bessere Verständlichkeit, mehr Bürgernähe.
Für eine Trendwende in Sachen Flächenverbrauch braucht es die Etablierung der Flächensicherung als ressortübergreifendes Politikfeld und ein Bündel von Maßnahmen, um den Flächenverbrauch einzudämmen. Der Bauernbund fordert die Festlegung eines konkreten Flächenziels, die Einrichtung eines Kontrollsystems zur Bautätigkeit mit verlässlichen Daten zur Nutzung und Verfügbarkeit von Flächen sowie einen besseren Schutz für das landwirtschaftliche Grün. Das Prinzip „Sanierung vor Neubau – braun vor grün“ sollte bei allen Bauvorhaben gelten. Vor der Verwirklichung eines Bauvorhabens auf der grünen Wiese sollten demzufolge alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, dafür bestehende Gebäude oder bereits erschlossenes Bauland zu verwenden.
Die Südtiroler Landschaft ist gewachsene Kulturlandschaft. Prägende Landschaftselemente gilt es zu erhalten, ohne Entwicklung zu verunmöglichen. Kulturlandschaft zu erhalten bedeutet auch Sicherung des Lebensraums für Menschen, Tiere und Pflanzen.

Für lebendigen ländlichen Raum
Eine zentrale Rolle beim Kampf gegen die Abwanderung aus den entlegenen Gemeinden spielt die Erhaltung und die Schaffung von Arbeitsplätzen, inner- und außerhalb der land- und forstwirtschaftlichen Wertschöpfungskette. Der Bauernbund fordert unter anderem die Streichung der IRAP und weitere Steuererleichterungen für gewerbliche Betriebe bei Schaffung von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum sowie die dezentrale Auslegung des Technologiezentrums mit Ablegern in ländlichen Schwerpunktgemeinden
Neben der notwendigen und erfolgreichen Exportorientierung der Südtiroler Landwirtschaft eröffnet der Megatrend „Regionalität“ neue Chancen auf dem heimischen Markt. Das bestehende Produktionspotential für Lebens- und Futtermittel soll besser genutzt und gesteigert werden.
Erreichbarkeit und Instandhaltung von Infrastrukturen gilt es zu sichern – durch flächendeckende schnelle Internetverbindungen (Breitband), die Aufrechterhaltung des Postdienstes und dessen Integration in Strukturen vor Ort, z.B. Bars oder Geschäfte.
Geht es der Landwirtschaft gut, profitieren viele andere Sektoren davon: Ernährungsindustrie und -handel, Holzverarbeiter, Futtermittel- und Maschinenhersteller u.a. stehen mit der Landwirtschaft in enger wirtschaftlicher Beziehung. Zur Stärkung dieser Netzwerke möchte der Bauernbund eine Förderlinie für die sektorenübergreifende Zusammenarbeit im ländlichen Raum und die Entwicklung von Programmen zur Stärkung von Kooperationen.