Südtiroler Landwirt | 01.08.2013

Die Kuh ist kein Klimakiller

Karl von Koerber, Experte für nachhaltige Ernährung an der TU München, referierte vor einigen Wochen auf dem think more about-Kongress. Der „Südtiroler Landwirt“ hat sich mit ihm unterhalten.

Karl von Koerber: „Beim Essen wird (noch) zu wenig auf die Nachhaltigkeit geachtet.“

Karl von Koerber: „Beim Essen wird (noch) zu wenig auf die Nachhaltigkeit geachtet.“

Südtiroler Landwirt: Beim Einkauf von Lebensmitteln achten wir auf den Gesundheitswert, den Preis, die Herkunft usw. Viel seltener machen sich die Konsumenten Gedanken über die Nachhaltigkeit. Wie nachhaltig ernähren wir uns eigentlich?
Karl von Koerber: Vielfach ernähren wir uns leider nicht nachhaltig. Ziel muss es sein, sich einerseits klimaschonend zu ernähren und andererseits die Ressourcen so zu nutzen, dass alle Menschen etwas zu essen haben. Das bedeutet auch, die landwirtschaftlichen Flächen richtig zu nutzen.
Ein großes Problem ist der zu hohe Fleischkonsum. Dieser führt dazu, dass große Flächen für die Futtermittelproduktion gebraucht werden und sie für die eigentliche Lebensmittelproduktion nicht mehr zur Verfügung stehen. Das ist eine ziemliche Ressourcenverschwendung.

Wie könnte eine nachhaltigere Ernährung aussehen? Was müssen wir als Konsumenten vor allem beachten?
Bei einer nachhaltigen Ernährung sollte auf alle Fälle darauf geachtet werden, dass Fleisch und andere tierische Produkte reduziert werden. Dabei geht es nicht darum, kein Fleisch mehr zu essen, sondern nur weniger und besseres. Und wenn, dann aus artgerechter Tierhaltung aus der Region. Dafür muss der Konsument aber auch bereits sein, mehr zu zahlen und dem Bauern so ein Einkommen zu sichern.
Sie haben es bereits angesprochen: Die Regionalität ist derzeit sprichwörtlich in aller Munde.

Welche Rolle spielt die Regionalität für die Nachhaltigkeit?
Bei Regionalität sind verschiedene Aspekte zu berücksichtigen. Regionale Lebensmittel sind für das Klima besser, da lange Transportwege wegfallen. Allerdings muss auch auf die Herstellung geachtet werden. Wenn Lebensmittel in geheizten Gewächshäusern produziert werden oder Tiere in Großbetrieben vorwiegend mit Kraftfutter aus der ganzen Welt gefüttert werden, schaut die Klimabilanz gleich anders aus. Zudem ist zu schauen, wo die heimischen Lebensmittel verkauft werden und welche Anfahrtswege notwendig sind.
Aber generell sind regionale Lebensmittel zu bevorzugen. Besonders gut finde ich Bauernmärkte und die Direktvermarktung.

Stichwort Klima: Die Viehwirtschaft gilt häufig als klimaschädigend. Hat die Kuh tatsächlich einen negativen Einfluss auf unser Klima?
Die Kuh ist kein Klimakiller, wenn sie sprichwörtlich ins Gras beißt. Kühe, die auf der Wiese stehen und vorwiegend Gras zu fressen bekommen, sind gute Verbündete.
Anders sieht es bei der Intensivtierhaltung aus. Dort ist die Klimabilanz deutlich schlechter – vor allem, wenn Regenwälder abgeholzt werden müssen, um Flächen für die Produktion von Kraftfutter zu gewinnen.  

Nachhaltigkeit wird sehr oft mit biologischer Landwirtschaft in Verbindung gebracht. Ist Bio wirklich besser?
Ich würde hier nicht Schwarz-Weiß-malen.
Bio ist sicherlich ein sehr gutes Ziel, das es anzupeilen gilt. Sehr gut sind aber auch – vor allem kleine – konventionelle Betriebe, besonders in der Berglandwirtschaft.
Problematisch sind allerdings die großen Agrarbetriebe mit beispielsweise Massentierhaltung in Großställen.