Südtiroler Landwirt | 19.07.2013

Ein Wirtschaftsstratege mit Herz

Jung, dynamisch und arbeitstüchtig – so präsentiert sich Christian Gruber. Der 32-jährige Obermaiser stellt sich im Herbst als jüngster vom Bauernbund unterstützter Kandidat den Landtagswahlen. Das Profil eines Wirtschaftsstrategen, der sich die Konzepte der Landwirtschaft zum Vorbild für die Arbeit in der Politik nimmt.

Christian Gruber auf der Hebebühn in den Obstanlagen: "Ich liebe die Arbeit in der freien Natur!"

Christian Gruber auf der Hebebühn in den Obstanlagen: "Ich liebe die Arbeit in der freien Natur!"

Bereits in Kindertagen stand für Christian Gruber fest: „Entweder werde ich Bauer oder Gärtner.“ Die Liebe zur Natur zeigte sich schon früh. So erzählt sein Vater Hans schmunzelnd, dass Christian als kleiner Bub die Blumen seiner Mutter, die sie eigentlich schon entsorgt hatte, wieder sorgfältig im Garten eingepflanzt hat. Aber auch die Arbeit in den Obstanlagen bereitete ihm schon als Kind große Freude.

Familienbetrieb Tschenglserhof
Christian Gruber stammt von einem Obst- und Weinbaubetrieb in Obermais in Meran. Der Tschenglserhof wird derzeit noch von seinen Eltern bewirtschaftet. Der Betrieb besteht aus etwa fünf Hektar Obst- und Weinbau, der Großteil der Fläche ist Obstbau. Dazu kommen etwa sechs Hektar Wald. Weil Christian Gruber die Arbeit auf dem Hof liebt, nutzt er jede freie Minute, um dem Vater unter die Arme zu greifen. „Für mich ist Bauer einfach ein Traumberuf“, erzählt er.
Christian Gruber lebt zusammen mit seiner Verlobten Michaela, seinen Eltern Monika und Hans und seinem jüngeren Bruder Michael auf dem Familienbetrieb.
Durch das gemeinsame Wohnen funktioniert auch die Zusammenarbeit zwischen Vater und Sohn sehr gut. Alle größeren betrieblichen Entscheidungen treffen sie gemeinsam und die Entwicklungen werden gemeinsam diskutiert. Die Bürokratie erledigt meist Sohn Christian. Beliebte „Familienprojekte“ sind auch das Pressen von Apfelsaft und Einkellern des hauseigenen Weins.

Schulkarriere in Eil-Etappen
Da die beiden Brüder Andreas und Michael andere Berufe vorziehen, stand bald fest: Christian soll die Hofnachfolge antreten.
Dennoch führte es den jungen Obermaiser nach der Mittelschule zunächst in die dreijährige Handelsschule. Mit dem erfolgreichen Abschluss in der Tasche ging es weiter an die Fachschule Laimburg. Dort spezialisierte sich Gruber auf Obst- und Weinbau. Dank seiner sehr guten schulischen Leistungen durfte er dort die zweite Klasse überspringen. Am Ende der dreijährigen Ausbildung wurde er von seinem Buchhaltungslehrer ermutigt, seine Schullaufbahn an der Oberschule für Landwirtschaft in Auer fortzusetzen, wo er 2002 seinen Maturaabschluss feiern konnte. Weiter ging es nach Innsbruck, wo sich der junge Mann dem Studium der Internationalen Wirtschaftswissenschaften widmete, zu dem auch ein zweisemestriger Auslandsaufenthalt in Kopenhagen zählte. 2006 schloss Gruber sein Studium ab.

Mit Elan und Wirtschaftssinn
Erneut stellte sich die Frage, ob Gruber nun im familiären Betrieb einsteigen sollte. Doch der Vater konnte die Arbeit immer noch mühelos alleine bewältigen. Christian entschloss sich also, anderswo Erfahrung in der Arbeitswelt zu sammeln und hat unter anderem in einem Bewässerungskonsortium mitgearbeitet.
Seit 2007 ist Christian Gruber nun beim Beratungsunternehmen ROI Team beschäftigt,  das Unternehmen, öffentliche Körperschaften und Verbände berät und unterstützt. Gruber hat sich hier auf Vertriebsstrategien und Controlling spezialisiert und kann vor allem durch seinen starken Bezug zur Landwirtschaft erfolgreich agieren.  Unter anderem hat er an zahlreichen Projekten und Konzepten für die Südtiroler Landwirtschaft mitgearbeitet, wie der neuen Vermarktungsstrategie des VOG, Strategiekonzepten für Milchhöfe, Fusionen von Obstgenossenschaften und Kellereien oder derzeit auch am Milchpool-Modell für den Südtiroler Sennereiverband. Außerdem ist er verantwortlich für die strategische Entwicklung eines der größten biodynamischen Obst- und Weinbaubetriebe in Südtirol.
Gruber war einige Jahre lang Obmann der Bauernjugend-Ortsgruppe Meran und ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Außerdem wurde er 2010 mit Unterstützung der Bauern und SVP-Jugend in den Gemeinderat von Meran gewählt und wurde gleich zum Stadtrat – mit Zuständigkeiten in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft, Bauordnung und privates Bauwesen, Natur- und Landschaftsschutz, Jugend, Sport und Freizeit.

Für Gruber liegt der Reiz der Politik darin, dass man sich – ähnlich wie die Landwirtschaft – ständig neuen Situationen anpassen muss. In beiden Fällen liegt der Erfolg für ihn in der Konsequenz der Umsetzung von Plänen, aber auch im Umgang mit Rückschlägen. „Ein Bauer muss auf unerwartete Wetterereignisse und deren Folgen reagieren. So muss sich auch die Politik flexibel an wechselnde Rahmenbedingungen anpassen“, sagt er.