Südtiroler Landwirt | 19.07.2013

Ein Bauer aus Freude und Berufung

Albert Wurzer prägte als Ressortdirektor und Mitglied zahlreicher Kommissionen über viele Jahre die Südtiroler Landwirtschaft mit. Im Herbst bewirbt er sich um einen Sitz im Südtiroler Landtag. Das Porträt eines Unermüdlichen.

Albert Wurzer und die Bienen: Eine besonders innige Beziehung (Foto: Othmar Seehauser)

Albert Wurzer und die Bienen: Eine besonders innige Beziehung (Foto: Othmar Seehauser)

Es ist ein sonniger Tag. Die Luft ist klar. Am Bienenstand herrscht geschäftiges Treiben. Albert Wurzer entnimmt eine Wabe. Mit Kennerblick mustert er sie. „Heuer wird kein gutes Honigjahr“, erklärt er. Seit 1976 schon ist Wurzer Imker. Die Arbeit mit den Bienen betreibt er mit viel Leidenschaft. Wie auch das Singen im Chor oder die Jagd. Und natürlich die Landwirtschaft.

Schwere Lehrjahre
Eigentlich wollte Wurzer es seinem Vater gleich tun und Förster werden. Dann entschied er sich aber doch für das Studium der Landwirtschaft. Die ersten Jahre an der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien waren hart: Fächer wie Zoologie, Botanik, Physik oder Mathematik musste er sich, nachdem er eine Handelsmatura gemacht hatte, erst von Grund auf selber aneignen.
Als der Agrarökomom dann mit dem Diplom in der Tasche, seiner Frau Gerlinde und Töchterchen Maria an der Hand wieder ins heimatliche Pustertal zurückkehrte, überließ ihm der Vater das kleine Höfl „Obwegiser“ in Maria Saalen bei St. Lorenzen. Damit hatte sich der gelernte Förster und Eigentümer der „Wurzer-Bar“ nämlich einen Lebenstraum erfüllt: Eine eigene Landwirtschaft mit knapp 28 Hektar Grund, davon 4,7 Hektar Wiesen und der Rest Mischwald. In der Höfekartei scheint der „Obwegiser“ mit stattlichen 92 Erschwernispunkten auf.

Landwirtschaft als Leidenschaft
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Obwohl Albert Wurzer praktisch gleich seinen Dienst bei der A. Rieper AG in Vintl antrat, bewirtschaftete er den Hof und seine teils steilen Flächen selber: In den stärksten Jahren hatte er rund 30 Schafe und 35 Bienenvölker zu versorgen. Wald und Wiesen rundeten die Landwirtschaft ab. Hauptberuflich leitete er aber den Bereich Verkauf und Marketing für beide Produktlinien von Rieper, die Mehle und das Kraftfutter, bis er 1998 kündigte.
Dann starb sein Vater. Für Albert Wurzer begann nun eine schwierige Zeit, weil der Verlust schwer wog und das Leben neu geregelt werden musste. Gleichzeitig stellte sich die Frage, ob die junge Familie – inzwischen waren noch die drei Buben Georg, Peter und Johannes dazugekommen – vom Hof weg ins Haus der Großeltern ziehen sollten. Besonders die Kinder waren aber dagegen. Sie wollten auf ihrem „Obwegiser“ bleiben.
In dieser Zeit lernte Albert Wurzer Hans Berger kennen: Der damals neue Landesrat für Landwirtschaft war öfter Gast in der „Wurzer-Bar“ und verstand schnell, dass Albert Wurzer sein Mann sein könnte. Als er ihn aber um seine Mitarbeit fragte, kam ein glattes Nein. „Ich wusste damals nicht, wie lange ich brauchen würde, um alles zu regeln. Und ich wollte den Landesrat nicht einfach auf unbestimmte Zeit vertrösten. Deshalb habe ich nein gesagt. Auch beim zweiten Mal“, sagt Albert Wurzer und schmunzelt dabei.
Aber der Landesrat blieb hartnäckig und holte sich seinen Ressortdirektor dann doch noch nach Bozen. Das war im Juni 1999. Bis im Januar diesen Jahres, als Hans Berger als Landesrat seinen Hut nahm. Heute arbeitet Wurzer als Agronom im Ressort Landwirtschaft, betreut Projekte im Obst- und Weinbau, arbeitet am neuen EU-Programm für die Ländliche Entwicklung und beim Land- und Forstwirtschaftlichen Informationssystem mit, sitzt in der Sonderkommission für die Aussiedlung und Verlegung von geschlossenen Höfen und ist Vorsitzender der Wildschadens-Rekurs-Kommission. Das Betätigungsfeld ist breit gefächert und abwechslungsreich.

Der Hof als Bereicherung
Albert Wurzer gefällt seine Arbeit gut: „Das Ressort von Hans Berger hat sich über die drei Legislaturen ja immer stark verändert. So konnte ich in viele verschiedene Bereiche Einblick nehmen.“ Denn neben dem großen Bereich der Landwirtschaft waren auch der Tourismus, die land-, forst- und hauswirtschaftliche Berufsbildung, Raumordnung, Informationstechnik, Grundbuch und Kataster zeitweise Teil des Ressorts, dem Albert Wurzer seit 1999 vorstand.
„In den letzten Jahren blieb mir natürlich wenig Zeit für die Landwirtschaft zu Hause“, bedauert Wurzer. „Zum Glück haben mich meine Frau und nach und nach auch die Kinder immer stark unterstützt. Der Hof bietet zwar wenig Einkommen für unsere Familie, aber er bereichert unser Leben. Wir haben alle Freude daran.“