Südtiroler Landwirt | 13.06.2013

Jugend hat Freude am Bauer-Sein

2012 war ein Durchschnittsjahr: So fasste Landeshauptmann Luis Durnwalder am Donnerstag vergangener Woche den Inhalt des neuen Agrar- und Forstberichtes zusammen. Besonders erfreulich sei der anhaltende Aufwärtstrend beim bäuerlichen Nachwuchs und bei den Junglandwirten. von Bernhard Christanell

Südtirols Landwirtschaft kann beruhigt nach vorne blicken und muss sich keine großen Sorgen um den Nachwuchs machen. Das zeigen auch die Zahlen aus dem aktuellen Agrar- und Forstbericht. (Foto: www.agrarfoto.com)

Südtirols Landwirtschaft kann beruhigt nach vorne blicken und muss sich keine großen Sorgen um den Nachwuchs machen. Das zeigen auch die Zahlen aus dem aktuellen Agrar- und Forstbericht. (Foto: www.agrarfoto.com)

Erstmals seit langer Zeit stellte nur ein Vertreter der Landesregierung den über 200 Seiten dicken Agrar- und Forstbericht vor. „Es ist eine etwas seltsame Vorstellung eines Berichtes, weil ich hier alleine sitze", begrüßte Landeshauptmann Luis Durnwalder denn auch die Medienvertreter. Bekanntlich ist Durnwalder seit dem Abschied von Hans Berger nicht nur für die Forst-, sondern auch für die Landwirtschaft zuständig.
Das Jahr 2012 sei insgesamt „kein besonders gutes Jahr gewesen, aber auch kein besonders schlechtes", betonte Durnwalder. Hervorzuheben sei die erfreuliche Tatsache, dass vor allem bei den jungen Landwirten eine positive Grundstimmung vorherrsche. „Die jungen Leute sind motiviert, die Landwirtschaft weiterzuführen – und darüber können wir sehr froh sein, weil das alles andere als selbstverständlich ist", unterstrich Durnwalder.

Schülerzahlen in elf Jahren fast verdoppelt
Diese Freude an der Landwirtschaft lässt sich auch an einigen Zahlen festmachen. So sind allein im Jahr 2012 insgesamt 200 Personen mit dem dreijährigen Beratungsprogramm für Junglandwirte gestartet, die Zahl der Schüler an den Land-, Forst und Hauswirtschaftsschulen hat sich in den vergangenen elf Jahren von unter 500 auf über 900 fast verdoppelt. „Wir können also davon ausgehen, dass unsere Höfe auch von den kommenden Generationen noch bewirtschaftet werden", freute sich Durnwalder.
Damit die Motivation weiterhin so hoch bleibt, müssten auch in Zukunft die Rahmenbedingungen stimmen. „In den vergangenen Jahrzehnten haben wir dafür gesorgt, dass jeder Hof in Südtirol gut erschlossen ist. Jetzt müssen wir für alle Höfe in Südtirol die Versorgung auf dem Gebiet der Telekommunikation – sprich mit guten Internetverbindungen – sichern", erklärte Durnwalder.
Auch die Einrichtung eines eigenen Beratungsringes für die Berglandwirtschaft, die im vergangenen Jahr in die Wege geleitet und vor wenigen Wochen umgesetzt wurde, sei ein wichtiger Schritt für eine gesicherte Zukunft der Südtiroler Berglandwirtschaft.

Rund 20 Prozent geringere Ernte im Obstbau
Die Jahresbilanz für das Landwirtschaftsjahr 2012 fällt – wie es sich für ein Durchschnittsjahr gehört – gemischt aus. „Die Witterung war nicht sehr günstig, was sich im Obstbau beispielsweise in einer um rund 20 Prozent geringeren Ernte als im Jahr zuvor niedergeschlagen hat", berichtete Durnwalder.
Dafür seien die Preise für die Äpfel im vergangenen Jahr höher gewesen als im Jahr 2011, und auch die Vermarktung der Ernte 2012 laufe bislang sehr gut.
In punkto Pflanzenschutzmittel betonte Durnwalder, dass die Südtiroler Bauern schon jetzt sehr sparsam damit umgehen. „Mit modernsten Technologien wird genau berechnet, wie viel Pflanzenschutzmittel unbedingt notwendig ist, damit wir am Ende ein gutes Produkt haben", unterstrich der Landeshauptmann.
Im Weinbau sei die Erntemenge 2012 in etwa auf dem gleichen Niveau gewesen wie im Jahr zuvor, die Qualität war sehr gut. „Unsere Weinbauern setzen seit Jahren voll auf Qualität, und das mit Erfolg. Sie haben früh genug erkannt, dass es für die Qualität der Trauben wesentlich besser ist, wenn die Auslese streng und die Erntemenge dadurch geringer ist", lobte Durnwalder die Südtiroler Weinbauern.

Futterpreise „fressen" höhere Milchpreise auf
Eine „relativ gute Ernte" haben im vergangenen Jahr die Südtiroler Bergbauern im Grünland eingefahren, auch die Milchpreise waren 2012 höher als in den Jahren zuvor. „Die Milchbauern haben aber recht wenig von diesen guten Preisen, weil gleichzeitig auch die Futterpreise gestiegen sind. Unterm Strich kommt daher mehr oder weniger das gleiche Ergebnis raus, und das ist bei unseren Bergbauern nicht viel", berichtete Durnwalder.
Bei den Sonderkulturen seien 2012 zum Teil erhebliche Ernteeinbußen zu verzeichnen gewesen, vor allem bei den Marillen. Insgesamt zeige der Trend bei den Sonderkulturen wie Kirschen und Beeren oder bei anderen Kulturformen wie dem Getreideanbau weiter nach oben. Einen großen Boom erwartet sich Durnwalder aber nicht: „Unsere Landwirtschaft wird immer vielfältiger, und das ist gut so. Diese Nischen werden aber immer klein bleiben und nur für einige wenige Bauern eine sinnvolle Alternative sein", prophezeihte der Landeshauptmann.
Nicht nur bei der Entwicklung neuer Anbauformen, sondern in allen Bereichen der Südtiroler Landwirtschaft sehr gut entwickelt habe sich das Versuchszentrum Laimburg. „Hier wird alles daran gesetzt, Krankheiten und Schädlinge so naturnah wie möglich zu bekämpfen. Ein Schwerpunkt wird auch weiterhin die Suche nach wirksamen Mitteln gegen Feuerbrand und Besenwuchs sein", betonte Durnwalder.

Gesunder Wald wird zu wenig genutzt
Eine gemischte Bilanz hatte Durnwalder auch für den Bereich der Forstwirtschaft vorzuweisen. 90 Prozent des Südtiroler Waldes sind gesund, beim Rest ist fast immer bekannt, was die Ursache für die Krankheit ist. Die Nutzung des Waldes nahm zwar im vergangenen Jahr nach einem Hoch im Jahr 2011 wieder etwas ab, liegt aber weiterhin auf einem höheren Niveau als in den Jahren zuvor. „Auch die Preise ziehen zuletzt wieder etwas an, nachdem sie 2012 eher zurückgegangen sind. Auffallend und für die positive Entwicklung sicher mitverantwortlich ist die Tatsache, dass immer öfter österreichische Sägewerke nach Südtirol kommen, um hier Holz zu kaufen", freute sich Durnwalder.
Noch einiges an Nachholbedarf gebe es bei der Anlieferung von Holz minderer Qualität an die Südtiroler Fernheizwerke. Diese benötigen pro Jahr rund 1,3 Millionen Schüttraummeter Holz, davon kommen aber nur rund 15 Prozent von Südtiroler Bauern. „Hier müssen sich die Bauern schon auch ein bisschen mehr bemühen und Holz an die Fernheizwerke liefern. Es kann doch nicht sein, dass wir nach wie vor über ein Drittel der Ware importieren müssen, um den Bedarf der Fernheizwerke decken zu können", kritisierte der Landeshauptmann.