Bauernbund | 17.12.2012

Versuchszentrum Laimburg: Hunderte Forschungsprojekte

Mit 380 Forschungsprojekten und Tätigkeiten in allen Bereichen der Landwirtschaft ist das Versuchszentrum Laimburg die führende landwirtschaftliche Forschungsinstitution in Südtirol. Landeshauptmann Durnwalder hat das Tätigkeitsprogramm für das kommende Jahr heute in Bozen vorgestellt.

"Im Jahr 2013", führte Landeshauptmann Luis Durnwalder bei der Pressekonferenz aus, der auch Präsident des Verwaltungsrates des Versuchszentrums Laimburg ist, "beginnen wir 48 neue Forschungsprojekte und Tätigkeiten am Versuchszentrum, darunter sechs Drittmittelprojekte. Insbesondere diese Projekte ermöglichen es uns, komplexe Themen fachübergreifend zu bearbeiten." Im laufenden Jahr 2012 sind insgesamt 2,5 Millionen Euro an Drittmitteln für Forschungsprojekte der Laimburg bewilligt worden. Davon entfallen 1,3 Millionen Euro auf bereits 2012 begonnene Projekte und weitere 1,2 Millionen Euro auf bereits bewilligte, aber noch nicht aktivierte Projekte.

Das Versuchsprogramm des Versuchszentrums Laimburg beschäftigt sich mit der ganzen Bandbreite der Südtiroler Landwirtschaft: von Obst- und Weinbau über Sonderkulturen bis hin zur Berglandwirtschaft. Die Ausrichtung der Forschung folgt einem 2010 ins Leben gerufenen Schwerpunktkonzept, das die Ressourcen bündelt und die Forschungstätigkeiten fachübergreifend auf vier Forschungssäulen konzentriert: Pflanzengesundheit, Qualität der Produkte, Sorten und Agrobiodiversität, Höhenlage-Berg.

Die erste Säule zielt darauf ab, die Pflanzengesundheit durch überlegte Sortenwahl und Kulturführung für eine ertragreiche und qualitativ hochwertige Produktion zu erhalten. Dabei wird gezielt zu bestimmten Schwerpunktproblemen in Pflanzenschutz und Anbau geforscht. Ein neues, von der Obstwirtschaft finanziertes Drittmittelprojekt erforscht die Pilzkrankheit "Alternaria alternata". Dabei werden die Pilzgifte identifiziert, welche die Krankheit auslösen. Darauf aufbauend soll eine Analysemethode entwickelt werden, um diese Gifte charakterisieren zu können. Schließlich soll mittels Versuchen erforscht werden, bei welchen Temperaturen die Bildung der Gifte in den Pflanzen wie lange dauert. Die Forschungen zur Kirschessigfliege Drosophila suzukii gehen weiter. Drei Projekte untersuchen die Biologie und Ökologie dieses neu eingewanderten Schädlings, der Beeren, Steinobst und Weinbau in Südtirol gefährdet. Die Fälle von Apfeltriebsucht nehmen nach Jahren, in denen die Krankheit erfolgreich in Schach gehalten werden konnte, wieder zu. So hat das Versuchszentrum Laimburg bereits im Lauf des Jahres 2012 ein großes Forschungsprojekt begonnen, das auf den Ergebnissen der bisherigen Forschung aufbaut. Im Gegensatz zu früher betraf der Anstieg der Krankheitssymptome die Ertragsanlagen, wobei einige Gebiete deutlich stärker betroffen sind als der Rest des Landes. Um den Infektionszeitpunkt der erkrankten Bäume abzuschätzen und so Rückschlüsse auf die Ursachen des Anstiegs zu ziehen, wird im Projekt die durchschnittliche Zeit zwischen Infektion und Krankheitsausbruch in Ertragsanlagen bestimmt. Daneben wird das Auftreten der Überträgerinsekten erfasst und nach genetischen Ursachen für eine veränderte Aggressivität und Übertragbarkeit des Triebsuchterregers gesucht. Denn beides, Dichte der Überträger und erhöhte Aggressivität oder Übertragbarkeit des Erregers, können zu einem Anstieg und zu lokalen Unterschieden in den Krankheitsraten führen. Auch die Aufklärung des Mechanismus, mit dem der Erreger die Symptome der Krankheit in den Pflanzen auslöst, steht im Fokus der Untersuchungen. Zusätzlich sind Versuche, um den Übertragungszeitraum genauer zu bestimmen und mögliche zusätzliche Vektoren zu identifizieren, Teil des Projektes. Wirksamkeitsprüfungen verschiedener Pflanzenschutzstrategien sollen Aufschluss darüber geben, ob und wie Bekämpfungsmaßnahmen gegen den Besenwuchs effizienter und erfolgreicher gestaltet werden können. Die Untersuchungen zur Attraktivität von Pflanzeninhaltstoffen gegenüber dem Hauptvektor der Apfeltriebsucht Cacopsylla picta werden 2013 wieder aufgenommen. Als neue Tätigkeit sind Untersuchungen zu Biologie und Verhalten der im Südtiroler Obstbau vorkommenden Blattsaugerarten geplant. Zudem bleiben Krankheiten wie der Feuerbrand, Schorf und andere weiterhin im Fokus der Forschung des Versuchszentrums Laimburg.

Vorrangiges Ziel bei der Qualität ist die Erzeugung einer definierten, inneren Qualität bei Agrarprodukten vom Anbau bis zur Lagerung. Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung EFRE finanziert das Projekt Pomosano. Dieses beschäftigt sich mit der Erforschung des Gesundheitswertes alter und neuer, insbesondere rotfleischiger Apfelsorten und ihrer Verarbeitungsprodukte wie etwa Apfelsaft. Parallel dazu werden Forschungsprojekte fortgeführt, welche die Qualität regionaler Lebensmittel und deren Herkunftsnachweis erforschen. Dadurch sollen regionale landwirt-schaftliche Produkte wie Obst, Fleisch und Milchprodukte aufgewertet werden (Originalp). Weitere Projekte werden die Qualität und Typizität Südtiroler Weißburgunder untersuchen und sich mit der automatischen Sortierung von Äpfeln und Weintrauben befassen.

Was Sorten und Agrobiodiversität betrifft, gilt: Nur perfekt angepasste, sorgfältig ausgewählte Sorten ermöglichen maximalen Ertrag bei hoher Qualität und geringem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Seit 1997 züchtet das Versuchszentrum Laimburg eigene Apfelsorten. Nun sind erste Pilotanlagen mit viel versprechenden Kreuzungsprodukten angelegt worden. Auch für den Erdbeeranbau in Höhenlagen ist eine eigene Züchtung gestartet, die eine erste Selektion hervorbringen soll. Die Erforschung der Nutzung alter und moderner Apfelsorten geht in das letzte Untersuchungsjahr (Projekt Apfelfit). Mit dem diesjährigen Tätigkeitsprogramm wird unter anderem mit dem Aufbau und der genetischen Charakterisierung einer Sammlung von krankheitsresistenten Rebsorten begonnen. Neue Forschungsprojekte befassen sich 2013 mit der Identifizierung und Anwendung von Molekularmarkern in Äpfeln. Ziel ist es, effizienter zu qualitätsvollen und krankheitsrobusten Apfelsorten zu kommen.

Die Höhenlagen Südtirols sind Chance und Herausforderung zugleich; sie ermöglichen die Produktion einer besonderen Berg-Qualität und erlauben die Nutzung der unterschiedlichen Vegetationsperioden in höheren Lagen als Nischen. Diese Nischen werden systematisch im Projekt "Vegemont" (geeignete Standorte für Gemüseanbau) sowie weiteren Projekten zur Förderung regionaler Bergprodukte erforscht. Zur verstärkten Auseinandersetzung mit dem Klimawandel wurde der Forschungsschwerpunkt "Klima- und standortangepasste Bewirtschaftung" gebildet: Das neue Forschungsprojekt "webGRAS" widmet sich der Abschätzung der Futterqualität des ersten Schnitts von Dauerwiesen mithilfe eines einfach zu bedienenden Online-Tools. In einem weiteren Projekt werden Bodenproben in Grünland und Ackerbau ausgewertet und es wird ein neues Werkzeug zur einheitlichen Düngeempfehlung aus Bodenanalysen erstellt.

Das Tätigkeitsprogramm des Versuchszentrums Laimburg wird jährlich in Sitzungen der Fachbeiräte erarbeitet und vom wissenschaftlichen Beirat begutachtet. In diesen Prozess sind Mitglieder aller Interessensgruppen der Landwirtschaft einbezogen.

www.laimburg.it

Bild unten (LPA/Pertl): Direktor Michael Oberhuber, Landeshauptmann Durnwalder und Ressortdirektor Heinrich Holzer haben die Forschungsprojekte und Tätigkeiten des Versuchszentrums Laimburg vorgestellt.


LPA-Mitteilung