Bauernbund | 27.11.2012

Bauernbund: Innovation gezielt fördern

Neuer Innovationsschalter startet im neuen Jahr – In Studie Innovationsfelder erhoben

Gesellschaftliche Veränderungen und neue Kundenbedürfnisse machen immer neue bäuerliche Produkte und Dienstleistungen nötig. Bäuerinnen und Bauern mit neuen Geschäftsideen möchte der Südtiroler Bauernbund zukünftig noch gezielter unterstützen - mit einem eigenen Innovationsschalter. Welche Innovationsfelder für die Landwirtschaft in Zukunft von Interesse sind, wurde in einer Studie erhoben.

Die Innovationsfähigkeit der Betriebe wird in Zukunft noch stärker als bisher über Erfolg und Misserfolg entscheiden, ist der Südtiroler Bauernbund überzeugt. Um die Innovation in der Landwirtschaft gezielter zu unterstützen, wird derzeit deshalb ein Innovationsschalter im SBB „eingerichtet“. „Mit Beginn des neuen Jahres bieten wir eine projektbezogene Beratung, Informations- und Weiterbildungsangebote und weitere innovationsfördernde Initiativen. In einer Erstberatung wird die Umsetzbarkeit der Idee und deren Förderwürdigkeit geprüft. Bei spezifischen Fragen z. B. zu Wirtschaftlichkeit, Design, Marketing, Recht, Steuern und Finanzierung werden die Beratungssuchenden von internen Experten des Südtiroler Bauernbundes oder externen Fachexperten betreut, die in einem Expertennetzwerk zusammengeschlossen sind“, erklärte Irene Unterkofler, die im Südtiroler Bauernbund für die
Innovation verantwortlich ist. Zudem wird der Innovationsschalter Infoabende, Leitfäden und Ideenwerkstätten anbieten. Abgerundet wird das Angebot mit betriebsübergreifenden Initiativen des Innnovationsschalters selbst, wie Kooperationsprojekten mit Forschungsinstitutionen oder innovationsorientierter Markt- und Trendforschung. Den Innovationsschalter in Anspruch nehmen können Landwirtschaftsbetriebe, Genossenschaften und Gärtnereibetriebe.

Demografie, Gesundheit, Umwelt und Technologie erfordern neue Angebote
Um die Chancen auf den Märkten besser nutzen und mit neuen Angeboten gezielt auf neue Kundenbedürfnisse eingehen zu können, hat der Südtiroler Bauernbund eine Innovationsstudie in Auftrag gegeben, die von der Landesabteilung für Innovation, Forschung und Entwicklung mitfinanziert wurde und die „Innovationstreiber“ der Zukunft aufzeigt. Einer der großen Trends ist die Demografie. „Aufgrund der immer größeren Anzahl an Klein- und Singlehaushalten und älteren Menschen werden die Verpackungseinheiten kleiner. Auch kommt den Themen Lebensmittelsicherheit, Gesundheit, Wellness und Umwelt zukünftig eine noch größere Bedeutung zu. Hier können Bäuerinnen und Bauern mit „grünen“, gesunden und gesundheitsfördernden Lebensmitteln, Lebensmitteln, die zugleich Kosmetika sind oder Gesundheit und Genuss verbinden, sowie Wellnessangeboten punkten“, ist SBB-Obmann Leo Tiefenthaler überzeugt. Auch die Faktoren Zeit und Herkunft spielen eine immer größere Rolle: Daher müssen auch bäuerliche Produkte und Dienstleistungen einfach zu erreichen (Homeshopping, Lieferung frei Haus usw.) und zeitsparend sein (Fertig- und Halbfertigprodukte wie z.B. „Fresh Cut“) und idealerweise aus der Region kommen, da damit lange Transportwege wegfallen. Auch im Anbau sind die Landwirte noch mehr als bisher gefordert: Umweltfreundliche Technologien und verstärkte Anpassungsfähigkeit an das Klima werden nötig sein.
Ein Augenmerk gilt auch der Verpackung: Funktionale Verpackungen, welche die Merkmale des Produkts unterstreichen bzw. die Qualität erhalten, werden von immer mehr Konsumenten gewünscht.
Neuerungen wird es auch in der Produktion geben: „Die Maschinisierung und Roboterisierung, aber auch die Digitalisierung werden an Bedeutung gewinnen. Darauf wird sich die Landwirtschaft einstellen müssen – genauso wie auf neue Formen der Kooperation. Ein großes Potential liegt auch im bäuerlichen Handwerk“, ist Tiefenthaler überzeugt.
Weitere Innovationstreiber sind die Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Der verstärkte Einsatz regenerativer Energiequellen und nachwachsender Rohstoffe sowie die zunehmend dezentrale Energieversorgung durch Mikrowärmenetze bieten der heimischen Landwirtschaft ungeahnte Einkommensmöglichkeiten.
Auch die Forschung in Bereichen wie z.B. Boden- und Standorteigenschaften, Pflanzengesundheit und –resistenz stellt die Landwirtschaft vor Herausforderungen, birgt aber auch Chancen. Und nicht zuletzt können auch die Gemeinsame Agrarpolitik der EU und die lokale Verwaltung die landwirtschaftlichen Betriebe durch gezielte Förderungen zur Innovation anspornen.
Auf der heutigen Pressekonferenz wurden Beispiele innovativer Produkte und Dienstleistungen außerhalb des Landes aufgezeigt, die auch für Südtirol interessant sein könnten. „Mymuesli.com liefert nach den Wünschen der Kunden zusammengestellte Müslimischungen frei Haus. In Deutschland können Bürger Gartenbeete pachten, im Trentino Apfelbäume adoptieren. Die Saftfabrik liefert individualisierte, selbst zusammengestellte Fruchtsäfte. Und in der Schweiz können Gäste in alten großen Weinfässern übernachten oder in Eselsmilch baden“, berichtete SBB-Direktor Siegfried Rinner. Landesrat Bizzo lobte die Initiative des SBB, die „einen weiteren Schritt darstellt, um die heimische Landwirtschaft noch attraktiver zu machen. Was Innovation bewirken kann, zeigt sich am Beispiel der Weinwirtschaft, die heutzutage deutlich innovativer und besser dasteht als noch vor einigen Jahren.“


Bildtext: Stellten die Innovationsstudie und den Innovationsschalter vor: SBB-Direktor Siegfried Rinner, SBB-Obmann Leo Tiefenthaler, Landesrat Roberto Bizzo und SBB-Abteilungsleiterin Irene Unterkofler.