Bauernbund | 28.10.2012

Landwirtschaftliche Lebensberatung

Heute veranstaltete die Südtiroler Bäuerinnenorganisation (SBO) eine Pressekonferenz um die Tätigkeit der Landwirtschaftlichen Lebensberatung vorzustellen. Im Rahmen dieser Pressekonferenz wurde auch ein Einblick in den Ablauf des Dienstes, die Ausbildung und die Themenschwerpunkte der Nachfragen der letzten drei Jahre gegeben.

Die Landwirtschaft unterliegt seit einigen Jahrzehnten derart starken Veränderungen, wie sie in kaum einem anderen Wirtschaftsbereich zu finden sind. Viele landwirtschaftliche Betriebe sind angesichts dieses Strukturwandels in einer besonders schwierigen Situation: der wirtschaftliche Druck wird immer stärker, gleichzeitig sinkt das Ansehen der bäuerlichen Familien in der Gesellschaft und nicht selten kommen noch innerfamiliäre Konflikte hinzu.
Diese Argumente veranlassten die Südtiroler Bäuerinnenorganisation im Jahre 2009 den Dienst der Landwirtschaftlichen Lebensberatung ins Leben zu rufen. Vor fast genau drei Jahren wurde die Telefonlinie frei geschaltet und der Dienst nahm die Tätigkeit auf.

In der Koordinationsstelle im Büro der Südtiroler Bäuerinnenorganisation hat das Telefon im Zeitraum zwischen November 2009 und Oktober 2012 insgesamt 172 mal geklingelt, 125 Frauen und 47 Männer meldeten sich zu Wort. Zu den drei häufigsten Themen zählen: Krisen in der Partnerschaft und Familie, Hofübergabe und Generationsstreitigkeiten.

Voraussetzungen und Ausbildung für Lebensberaterinnen

Nachdem im Mai 2012 die dritte Ausbildung abgeschlossen wurde, stehen der Landwirtschaftlichen Lebensberatung im Moment 48 Lebensberaterinnen zu Verfügung. Auch vier Männer stehen für die ehrenamtliche Tätigkeit bereit. Die Lebensberaterinnen zeichnen sich alle durch einen persönlichen Bezug zur Landwirtschaft und zum bäuerlichen Leben aus, welcher grundlegende Voraussetzung für die Ausübung der Tätigkeit ist. Weitere wichtige Eigenschaft sind die Gewährleistung von Verschwiegenheit und der eigenen Anonymität sowie die Bereitschaft, ehrenamtlich Zeit zur Verfügung zu stellen. „Wichtig ist, dass den Ratsuchenden eine feste Begleitperson zur Verfügung steht, zu der eine Vertrauensbasis aufgebaut werden kann“, betonte die Landesbäuerin Hiltraud Erschbamer. Diese Begleitperson kann dann innerhalb der Familie als Mediator fungieren und wenn erforderlich, gemeinsam mit der von ihr betreuten Person/Familie, die verschiedenen in Südtirol bereits existierenden Institutionen aufsuchen und in Anspruch nehmen. Diese Begleitung der Ratsuchenden durch den Ehrenamtlichen ist ein Prozess, der sich über längere Zeit hinweg erstrecken kann.
Ein wichtiges Richtmaß für den Berater stellen die eigens verfassten Richtlinien dar, in denen die Vorgangs-und Beratungsweisen festgehalten sind.
Die Ausbildung wurde in Wochenendseminaren in insgesamt 357 Stunden im Bildungshaus Lichtenburg in Nals in Zusammenarbeit mit der Abteilung 22 (Land-, Forst- und Hauswirtschaftliche Berufsbildung) abgehalten. Nach abgeschlossener Ausbildung verpflichten sich die Lebensberaterinnen zu einer dreijährigen Ausübung der Tätigkeit und nehmen an monatlichen Supervisionen, welche zum wertvollen Austausch von Erfahrungen unter der Begleitung einer ausgebildeten Supervisorin dient, teil. Die Weiterbildung wird den Anforderungen der Lebensberater entsprechend geplant und angepasst.

Zusammenarbeit mit den bestehenden Fachberatungsdiensten
„Die Landwirtschaftliche Lebensberatung stellt eine notwendige Ergänzung zu den schon bestehenden Fachberatungsdiensten dar, die in ihren jeweiligen Bereichen bereits hervorragende Arbeit leisten, denen jedoch die speziellen Gegebenheiten in der Landwirtschaft fremd sind,“ ist die Landesbäuerin Hiltraud Erschbamer überzeugt. Dies bestätigt auch Silvia Moser, Dienststellenleiterin der Caritas Telefonseelsorge: „Es erfüllt mich mit besonderer Freude, dass durch dieses Angebot der Landwirtschaftlichen Lebensberatung eine wichtige Lücke im Begleitungs-und Beratungsangebot des Landes geschlossen wird. Stefan Eikemann, Direktor der Ehe-und Erziehungsberatung Südtirol und Silvia Moser arbeiten an der kontinuierlichen Verbesserung des Dienstes in der Steuerungsgruppe mit.

Ablauf der Landwirtschaftlichen Lebensberatung
Ratsuchende können sich bei der Koordinationsstelle unter der Telefonnummer 0471 999400 (Montag bis Freitag von 9-12 Uhr und von 14-16 Uhr) melden. Die Koordinatorin führt ein erstes Gespräch und vermittelt dann einen Lebensberater. Dieser meldet sich direkt beim Ratsuchenden zur Vereinbarung des ersten Treffens.


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