Bauernbund | 15.10.2012

Frauen werden Schlüsselrolle für ländlichen Raum einnehmen

Am gestrigen Internationalen Tag der Landfrauen, veranstaltete die Südtiroler Bäuerinnenorganisation (SBO) eine Pressekonferenz um die neue Broschüre zur Bäuerinnenumfrage 2012 vorzustellen. Im Rahmen dieser Pressekonferenz wurden auch die Sieger des Fotowettbewerbs „Heint zu Tog Bäuerin sein“ prämiert.

Anlässlich des Internationalen Tages der Landfrauen am 15. Oktober präsentierte die Südtiroler Bäuerinnenorganisation (SBO) bei einer Pressekonferenz die Ergebnisse der Bäuerinnenumfrage 2012, welche gemeinsam mit dem Sozialforschungsinstitut apollis ausgearbeitet wurden. Die letzte Umfrage fand vor 10 Jahren statt - seitdem hat sich viel geändert.
Vor allem sind die Bäuerinnen älter geworden. Mehr als die Hälfte aller Bäuerinnen ist über 60 Jahre alt. Der Mangel an jungen Jahrgängen komme vor allem durch die späte Hofübergabe und die damit einhergehende spätere Lebensplanung zustande, so Landesbäuerin Hiltraud Erschbamer. Einen Trend, den man in vielen ländlichen Regionen beobachten kann, ist der Frauenmangel, v.a. gut ausgebildeter Frauen, die den ländlichen Raum für die Ausbildung verlassen. Nur wenige kehren dann wieder zurück. Durch diese ungleichen Geschlechterverhältnisse besteht die Gefahr, dass sich wirtschaftliche und demografische Schrumpfungsprozesse weiter beschleunigen. Hier gelte es, mit gezielten Maßnahmen und Förderprogrammen vor allem die jungen Frauen anzusprechen, denn sie spielen in den kommenden Jahren eine Schlüsselrolle für die Entwicklung des ländlichen Raumes, so Landesbäuerin Hiltraud Erschbamer. „Die Lebensqualität und die Erreichbarkeit des ländlichen Raumes muss erhalten und verbessert werden und die Investition in soziale Netzwerke und soziokulturelle Aktivitäten ausgebaut werden, um die Bindung zum eigenen Dorf und den ländlichen Raum zu stärken. So müssen beispielsweise der Zugang zu Breitband Internet oder verschiedenen Freizeit- und Bildungsangeboten im ländlichen Raum gewährleistet werden.“
Auch die Anzahl der Hofeigentümer gibt zu denken: lediglich 12% sind Eigentümerinnen eines geschlossenen Hofes – trotz Änderung des Höfegesetzes im Jahre 2001, welches Frauen den Männern als Hofübernehmerinnen gleichstellt. Hier gilt es, gezielt Frauen für die Nachfolge zu ermutigen und ihnen bei der Hofübergabe mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, so die Landesbäuerin.

Viele Bäuerinnen (31%) gehen einem nicht-landwirtschaftlichen Beruf nach, vor allem um die Existenz des Hofes zu sichern. Dies stellt eine enorme Mehrfachbelastung für die Bäuerinnen dar, der man mit konkreten Maßnahmen entgegenwirken muss. Familien am Land sollen finanziell unterstützt werden. Frauen, welche für die Kindererziehung zu Hause bleiben, müssen familienpolitisch gestützt werden und Strukturen draußen im Dorf auch in Zukunft erhalten bzw. weiter gefördert werden, fordert die Landesbäuerin Hiltraud Erschbamer.

Trotz der enormen Belastung schätzen 97 % der Befragten den Beruf der Bäuerin. „Dies ist ein sehr schönes Ergebnis, auf dem wir uns jedoch nicht ausruhen wollen“, so die Landesbäuerin. „Es gilt nun, Maßnahmen zu setzen und Rahmenbedingungen zu schaffen, um diese positive Zahl auch in den kommenden Jahren halten zu können.“
„Bäuerinnen und Frauen am Land spielen eine Schlüsselrolle in den kommenden Jahren. Sie sind das Rückgrat der Landwirtschaft, Hüterinnen von Kultur und Brauchtum und tragen wesentlich zum gesellschaftlichen Funktionieren draußen in den Dörfern und Städten bei. Diese wichtigen Rollen gilt es zu sichern und zu stärken. Einerseits durch unsere Organisation, welche sich für unsere Mitglieder stark macht, andererseits aber auch durch die Politik, welche die Rahmenbedingungen festlegt. Hier werden wir in Zukunft noch stärker zusammen arbeiten, um die Interessen und Anliegen unserer Mitglieder vertreten und umsetzen zu können und dadurch die Zukunft im ländlichen Raum zu sichern“, betont Landesbäuerin Hiltraud Erschbamer.

Im Rahmen der Pressekonferenz wurden auch die Gewinner des Fotowettbewerbes „Heint zu Tog Bäuerin sein“ präsentiert, welcher in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift „die Südtiroler Frau“ und der Landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft organisiert wurde. Es war keine einfache Wahl. Aus den rund 300 Einsendungen hat eine Fachjury, bestehend aus Vertretern der SBO (Landesbäuerin Hiltraud Erschbamer, den ehemaligen Landesbäuerinnen Maria Leiner und Gretl Schweigkofler), der Politik (Landtagsabgeordnete und ehemalige Landesbäuerin Maria Hochgruber Kuenzer und Landesrat Hans Berger) und der Medien (Chefredakteurin der Zeitschrift „Die Südtiroler Frau“ Martha Ebner sowie die Fotografinnen Brigitte Niedermair und Elisabeth Hölzl), ihre drei Favoriten gewählt. Ebenso hatte auch das Publikum die Möglichkeit über ein online-Voting auf der Seite www.stol.it/baeuerinnen sein Lieblingsfoto zu bestimmen. Die Bäuerinnen im Motiv erhielten ein Jahres-Abo der Zeitschrift „Die Südtiroler Frau“ und eine SBO-Tasche. Die Einsender erhielten Gutscheine von der Landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft. Die Preise wurden von Martina Rainer von der Zeitschrift die „Südtiroler Frau“ und von Dr. Reinhard Fuchs, Direktor der Landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft, überreicht.


Bid: Die Gewinnerinnen mit Fotografen des Fotowettbewerbs „Heint zu Tog Bäuerin sein“ – Dr. Reinhard Fuchs (Direktor Landwirtschaftliche Hauptgenossenschaft 1.v.l.), Martina Rainer (Zeitschrift „Die Südtiroler Frau“ 2.v.l.), Landesbäuerin – Stellvertreterin Helga Fischnaller (3.v.l.), Landesbäuerin Hiltraud Erschbamer (9.v.l.), Landesbäuerin- Stellvertreterin Maria Egger (13 v.l.)