Bauernbund | 23.08.2012

„Gut, dass ihr mir das sagt“

Die Europawanderung des Südtiroler Bauernbundes führte heute ins Sarntal. Europas Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner hörte sich dabei interessiert einige Südtiroler Anliegen zur GAP-Reform an und versprach, sich dafür in Brüssel stark zu machen.

Es ist ein Treffen unter Freunden: Alle Jahre lädt der Südtiroler Bauernbund im August namhafte Bauernvertreter und Agrarpolitiker aus dem Alpenraum zur traditionellen Europawanderung. Vor zwei Wochen ging es von Pens zur Oberbergalm am Fuße des Sarner Weißhorns und hinab nach Weißenbach.
Auf der Alm selbst läutete Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler die Debatte über die anstehende Reform der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) ein. Mit Interesse hörte sich COPA-Präsident Gerd Sonnleitner unter anderem den Wunsch der Südtiroler an, dass die EU ihre Mitgliedsländer zu einer gerechteren innerstaatlichen Verteilung der Direktzahlungen verpflichten solle. „Gut, dass ihr mir das sagt“, antwortete Sonnleitner, „in Deutschland haben wir diese Hausaufgaben ja längst gemacht. Ich kann aber gut verstehen, dass ihr in Italien gegenüber besser gestellten Regionen wie der Lombardei schlechte Karten habt.“ Er versprach, sich in Brüssel für eine EU-weite Regelung stark zu machen.

Milchwirtschaft im Berggebiet absichern
Mit Nachdruck verwies Dorfmann auch auf die bevorstehende Abschaffung des Milchquotensystems im Jahr 2014: „Niemand weiß genau, wie sich das auf die europäische Milchwirtschaft auswirken wird. Aber es könnte sich ja negativ auf die Milchproduzenten in benachteiligten Gebieten auswirken. Daher braucht es ein Auffangsystem.“ Wenn die Milchbauern im Berggebiet aufgäben, gäbe es bald keine Landwirtschaft mehr. „Hier brauchen wir bald schlüssige Antworten der EU-Politik“, warnte der EU-Abgeordnete.
Allgemein spürbar war die Sorge über die Schuldenkrise. Sonnleitner bestätigte, „dass die wirklichen Entscheidungsträger in der EU derzeit nur die Rettung der EU und des Euro im Kopf haben, und kaum einen Gedanken an die GAP verschwenden.“ Diese Krise könne sich – unter anderem durch möglicherweise geringere Finanzen für die Europäische Union – auch unmittelbar auf die europäische Agrarpolitik auswirken.
Landesrat Berger lobte die Wanderung als Möglichkeit, innere Geschlossenheit zu pflegen und nach außen hin zu zeigen: „Die städtische Bevölkerung entfernt sich immer mehr von der Landwirtschaft. Da ist es immens wichtig, zu zeigen, dass die Landwirtschaft in ganz Europa eine Gesamtheit bildet und einen gemeinsamen Weg geht.“
Hausherr war der Sarner Bürgermeister und Bauernbund-Ortsobmann Franz Locher. Mit dem ihm typischen Schuss Humor erläuterte er seinen Gästen die Besonderheit der Sarner Gemeinde mit ihrer großen Fläche und bäuerlichen Prägung, aber auch die Eigenheiten des Menschenschlages, der die Einwohner dieses Tales im Herzen Südtirols so besonders macht.


Hochkarätig und breit gestreut

Mit rund 30 Teilnehmern war die heurige Europawanderung im Sarntal nicht nur hochkarätig besetzt, sondern auch in der Vielfalt der politischen Ämter und vertretenen Institutionen so breit gestreut wie noch nie. Wie schon vergangenes Jahr war auch heuer Gerd Sonnleinter mit dabei. Er hat zwar kürzlich die Ämter als Präsident des Bayerischen und Deutschen Bauernverbandes abgegeben. Er ist aber noch immer Präsident des Europäischen Bauerverbandes COPA und wird am Tisch der anstehenden, entscheidenden Verhandlungen zur Gemeinsamen EU-Agrarpolitik ein gewichtiges Wort mitzureden haben. Begleitet hat ihn eine starke Bayern-Delegation mit dem neuen Bauernverbandspräsidenten Walter Heidl und Generaldirektor Hans Müller. Aus Tirol kamen Landeshauptmann-Stellvertreter und Bauernbund-Obmann Toni Steixner, der Südtirol-Sprecher im Österreichischen Nationalrat Hermann Gahr, ÖVP-Klubobmann Josef Geisler und Bauernbund-Direktor Peter Raggl. Auch viel Südtiroler Prominenz hat den Landesbauernrat mit Obmann Leo Tiefenthaler und Direktor Siegfried Rinner an der Spitze begleitet: vor allem Landesrat Hans Berger, Altlandesrat Sepp Mayr, Regionalratspräsidentin Rosa Thaler, Gemeindenverbandspräsident Arno Kompatscher oder Raiffeisen-Verbandsobmann Heiner Nicolussi-Leck.

 
   

Foto: Gute Laune und ernsthafte Debatte schließen einander nicht aus: Unter dem Sarner Weißhorn pflegten die Bauernvertreter aus Bayern, Tirol und Südtirol ihre Gemeinsamkeit.

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