Bauernbund | 09.08.2012

Sommergespräch der SBO mit Landeshauptmann

Alle Jahre wieder trifft sich die Südtiroler Bäuerinnenorganisation mit Landeshauptmann Luis Durnwalder zum mittlerweile Tradition gewordenen Sommergespräch. Die Themenpalette reichte vom Familiengesetz über die Raumordnung bis hin zu den neuen Arbeitssicherheitsbestimmungen in der Landwirtschaft.

„Man merkt, wie praxisnah die Bäuerinnen sind. Hier sind Leute am Werk die wissen, welche Probleme es gibt sowohl im ländlichen Raum als auch in gesellschaftspolitischer Hinsicht“, so das Fazit von Landeshauptmann Luis Durnwalder vom diesjährigem Sommergespräch der Südtiroler Bäuerinnenorganisation. Die Landesführung der SBO und die Bezirksbäuerinnen brachten ihre Anliegen und Verbesserungsvorschläge vor, welche anschließend mit dem Landeshauptmann durchdiskutiert wurden. So war den Bäuerinnen vor allem das neue Familiengesetz ein wichtiges Anliegen. Es enthalte zu wenig konkrete Maßnahmen, wie die Familie in Zukunft unterstützt wird. Sie forderten ein klares Konzept und die Gleichstellung der einzelnen Maßnahmen - sprich die Arbeit der Tagesmütter soll in gleichem Maße anerkannt werden, wie die Arbeit in einem Kinderhort beispielsweise. Auch die finanzielle Unterstützung für die Kinder seitens der Region, des Landes und des Staates sollte in einer übersichtlicheren Weise gestaltet werden, um den bürokratischen Aufwand für Familien so gering als möglich zu halten.
Neben weiteren speziellen Familienthemen wie der Eingliederung von Menschen mit Einschränkungen in die Arbeitswelt diskutierten die Bäuerinnen vor allem auch landwirtschaftliche Themen. So bestehen sie beispielsweise darauf, dass der Ausbau einer unabhängigen Bergbauernberatung weiter vorangetrieben wird. Landeshauptmann Luis Durnwalder unterstützt dieses Anliegen: „Es braucht eine Beratung, welche die praktische, die gesamtbetriebswirtschaftliche und die menschliche Seite berücksichtigt. Der Betrieb und dessen Familie mit seinen individuellen Schwierigkeiten sollen als einzelne Institution beraten werden.“
Auch die neuen Arbeitssicherheitsbestimmungen der landwirtschaftlichen Fahrzeuge waren den Bäuerinnen ein Anliegen. Es brauche solche Gesetze, welche in der Praxis durchführbar und ohne großen finanziellen Aufwand umsetzbar sind.

Vor allem setzten sich die Bäuerinnen für den Erhalt der bäuerlichen Kultur und Struktur ein. Bäuerliche Familien müssen eine Zukunftsperspektive haben. Die Veränderungen der letzten Jahre sind nicht übersehbar: der Baustil, die Bearbeitung und Bewirtschaftung der Höfe, die Form des Familienlebens, die Nachfrage nach Grund und Boden. Man müsse verhindern, dass landwirtschaftlicher Grund ein Spekulationsobjekt wird, leerstehende Kubatur soll genutzt und nicht neuer, unverbrauchter Kulturgrund ausgeschrieben werden und die Landwirtschaft benötigt auch in Zukunft die finanzielle Unterstützung sowohl vom Land und Staat als auch von der Europäischen Union.
Auch allgemeine gesellschaftliche Themen wurden aufgegriffen, wie beispielsweise eine sinnvollere Umsetzung bei der Errichtung von neuen Handyumsetzern oder den Abbau von bürokratischem Aufwand bei den unterschiedlichen Antragsstellungen. Landesbäuerin Hiltraud Erschbamer zeigt sich zufrieden und nutzte die Gelegenheit, dem Landeshauptmann über die Aktivitäten der SBO zu berichten, wobei sie besonderen Schwerpunkt auf die sozialen und kulturellen Dienstleistungen der Bäuerinnen legte: Bäuerinnen bringen Kindern die Landwirtschaft als Botschafterinnen oder Tagesmütter näher, sie geben die wertvolle Tradition als Referentinnen in Kursen oder als Anbieterinnen von bäuerlichen Buffets weiter, vertreten das Land Südtirol mit seiner Kultur auf Messen und Veranstaltungen und bieten Familien in schwierigen Lagen wertvolle menschliche Unterstützung. „ Bäuerinnen nehmen eine Schlüsselposition im Erhalt der ländlichen Struktur ein, daher ist es notwendig, engen Kontakt mit der Politik zu halten. Wir freuen uns besonders, dass sich der Landeshauptmann die Zeit für unsere Anliegen nimmt und hoffen, dass viele der von uns gebrachten Vorschläge umgesetzt werden“.