Bauernbund | 16.07.2012

Rückschlag für Erneuerbare Energien

Trotz Detailerfolgen bei den Verhandlungen zum Fünften Conto Energia: Die neuen Photovoltaik-Tarife benachteiligen die Landwirtschaft

Mit dem neuen Fördersystem für Photovoltaik-Anlagen kann die Südtiroler Landwirtschaft nicht zufrieden sein. Dies die Meinung des Südtiroler Bauernbundes zum sogenannten Fünften Conto Energia, das vergangene Woche in Rom verabschiedet wurde.
Für konventionelle PV-Anlagen auf landwirtschaftlichen Gebäuden gilt ein geringerer Tarif als für jene auf Gebäuden anderer Wirtschaftszweige, z.B. auf Industriegebäuden. Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler ist sichtlich verärgert: „Diese eindeutige Ungleichbehandlung ist mit nichts zu rechtfertigen!“

Für Landwirtschaft nur Mittelwert
Mit dem Fünften Conto Energia werden „landwirtschaftliche Gebäude“ nicht mehr mit „anderen Gebäuden“ gleichgestellt, obwohl gleichzeitig die Verpflichtung besteht, landwirtschaftliche Gebäude ins Gebäudekataster eintragen zu lassen, bevor die Anlage, die auf den landwirtschaftlichen Gebäuden errichtet wird, in Betrieb geht.
Damit gibt es für sie nicht mehr – wie bisher – den höheren Fördertarif für die Kategorie „Anlagen auf Gebäuden“, sondern nur mehr den arithmetischen Mittelwert zwischen dem Fördertarif für die Kategorie „Anlagen auf Gebäuden“ und dem geringeren Tarif für die Kategorie „Andere Anlagen“ (z.B. Bodenanlagen).

Fossiler Energiesektor indirekt gestärkt
Laut Tiefenthaler erweckt die Neuregelung insgesamt den Eindruck, als hätte die Branche der fossilen Energien im Hintergrund beste Vorarbeit geleistet. „So wird nun indirekt jener Sektor gestärkt, der Energie nicht aus erneuerbaren sondern aus fossilen Energieträgern erzeugt“, zieht Tiefenthaler seine Schlüsse.

Teilerfolge für praxisnähere Umsetzung
Abseits der Tarifdiskussion ist es dem Bauernbund gelungen, zusammen mit Partnern und dank hartnäckiger Verhandlungen einige Zugeständnisse der Ministerien in Rom und somit eine praktikablere Umsetzung zu erreichen, u.a. leichte zeitliche Verschiebung des Starttermins für die neuen Regelungen, eine Erhöhung des jährlichen Fördervolumens, eine Aufweichung und flexiblere Gestaltung der verpflichtenden Eintragung ins Register sowie der Weiterbestand von Prämien.

Jetzt heißt es noch besser kalkulieren

Die neue Tarifgestaltung bedeutet nicht automatisch das „Aus“ der Photovoltaik. „Sie kann weiterhin interessant sein“, sagt Leo Tiefenthaler, „vor allem weil die Investitionskosten – v.a. die Modulpreise – inzwischen deutlich gesunken sind.“ Allerdings: Für landwirtschaftliche Betriebe gelte es vor der Investition noch genauer als bisher den Standort zu prüfen und die Wirtschaftlichkeit genau zu berechnen. Der Südtiroler Bauernbund ist dabei mit seinem Beratungsservice "Erneuerbare Energien" behilflich (Kontakt: Tel. 0471 999375; E-Mail: innovation-energie@sbb.it).


Foto: TIS