Bauernbund | 05.04.2012

Aus für viele Familienbetriebe

Die Regierung Monti plant massive Steuerbelastungen und deutlich mehr Bürokratie für die Landwirtschaft. Wird der vorgestern im Senat beschlossene Gesetzesentwurf so auch in der Abgeordnetenkammer genehmigt, droht vielen bäuerlichen Familienbetrieben das Aus, befürchtet der Südtiroler Bauernbund, der gegen die geplanten Änderungen Sturm läuft. Auch die nationalen Verbände kündigen massiven Widerstand an.

Dass die Regierung Monti nur eine industrialisierte Landwirtschaft will und null Sensibilität für die kleinen Familienbetriebe hat, die in Südtirol die Regel sind, hat sie bereits in den letzten Monaten bewiesen – mit der Anhebung der Sozialbeiträge (Mehrbelastungen von bis zu 50%), der starken Anhebung der Akzise auf Treibstoffe, der Mehrwertsteuererhöhung, die alle trifft, und damit der höheren Produktionskosten.

Einkommenssteuer statt IMU
Der nun vorliegende Gesetzesentwurf schlägt dem Fass aber endgültig den Boden aus. „Zwar sieht dieser eine Befreiung für alle landwirtschaftlichen Wirtschaftsgebäude im Berggebiet – und damit in über 5.000 von insgesamt 8.100 italienischen Gemeinden – vor. Im Gegenzug aber werden diese Gebäude, und das ist ein steuerrechtliches Blutbad, separat über eine Ersatzsteuer, die über die Einkommenssteuer IRPEF eingehoben wird, besteuert. Das war bisher in keinem anderen Wirtschaftssektor der Fall. Die Folge: Die Bauern zahlen zukünftig mehr als doppelt so viel für ihre Gebäude wie im IMU-Landesgesetz vorgesehen“, zeigt sich SBB-Landesobmann Leo Tiefenthaler entsetzt. Damit werde die Landwirtschaft, gemessen an der Wertschöpfung, stärker besteuert als alle anderen Sektoren! Ganz abgesehen von einer dramatischen Zunahme der Bürokratie.
Besonders tragisch: Die IMU auf die landwirtschaftlichen Wirtschaftsgebäude (Urlaub auf dem Bauernhof und Genossenschaften) wäre bei den Gemeinden geblieben, die Ersatzsteuer hingegen fließt nach Rom ab. „Damit verlieren unsere Gemeinden über 3 Millionen Euro jährlich“, warnt Tiefenthaler.

Nächster „Hammer“ im Herbst
Der nächste „Hammer“ wartet in der 2. Jahreshälfte. Mit Jahresende sollen die Katasterwerte deutlich erhöht oder das System der Besteuerung über die Katasterwerte gänzlich abgeschafft werden. „Wir haben bereits jetzt viele Betriebe, besonders im Berggebiet und die kleinen Obst- und Weinbaubetriebe, die mehr schlecht als recht über die Runden kommen. Auf vielen dieser Höfe wird die Regierung Monti wohl das Licht ausdrehen“, befürchtet Tiefenthaler.
Ebenfalls ein deutlicher Mehraufwand ist in diesem Zusammenhang die geplante Eintragung aller landwirtschaftlichen Gebäude – vorwiegend Heuschupfen, Ställe und Städel. „Mehr als 30.000 Gebäude sollen laut Schätzungen in Südtirol betroffen sein. Deren Erhebung und Eintragung werden der Landwirtschaft alleine mindestens 50 Millionen Euro kosten. Dabei ist der Nutzen dieser Eintragungen kaum gegeben“, ärgert sich Tiefenthaler.
Wer massiv draufzahlen wird, sind wieder einmal die heimischen Kleinbetriebe. „Da die Regierung Monti eine Flurbereinigung will, wird es in Zukunft deutlich weniger Betriebe geben – mit allen negativen Auswirkungen auf die Lebensmittelproduktion und das Landschaftsbild“, so Tiefenthaler.