Bauernbund | 20.03.2012

Hohes Feuerbrand-Risiko

In einigen Apfelanlagen im Etschtal und Burggrafenamt haben Feuerbrand-Bakterien in der Baumrinde überwintert. Dies hat das Versuchszentrum Laimburg festgestellt. Der Südtiroler Beratungsring mahnt daher zu höchster Wachsamkeit.

Aufgefallen sind die eingesunkenen, dunkel gefärbten Stellen mit Längsrissen in der Baumrinde – sogenannte Canker – bisher an sechs Anlagen mit Vorjahresbefall: fünf Ertragsanlagen im Etschtal und eine unveredelte Anlage im Burggrafenamt. Luis Lindner vom Versuchszentrum Laimburg hat in diesen eingesunkenen Rindenpartien Feuerbrandbakterien gefunden. In diesen sogenannten Cankern überwintern die Bakterien. Dies teilt der Beratungsring in einem Rundschreiben mit.
Auch wenn der Beratungsring bis jetzt noch keinen austretenden Bakterienschleim beobachtet hat, ist die Gefahr groß: Laut US-amerikanischen Experten produziert ein aktiver Canker ausreichend Bakterien, um die Blüten von zwei bis vier Hektar Kernobstanlagen zu besiedeln. Bei anhaltend warmer Witterung in Südtirol würde der Bakterienschleim voraussichtlich kurz vor oder während der Apfelblüte austreten.
Die gefundenen Canker zeigen, dass die Sanierung der betroffenen Bäume in manchen Fällen nicht den erwarteten Erfolg gebracht hat und die Feuerbrandbakterien bereits weiter ins Holz vorgedrungen waren als vermutet.

Anleitung zu Kontrollen
Der Beratungsring gibt eine Reihe von Tipps, um die Anlagen auf Feuerbrand zu kontrollieren und so dem Infektionsrisiko vorzubeugen:
• Anlagen mit Vorjahresbefall auf aktive Befallsstellen (Canker) kontrollieren. Jetzt besteht die letzte Möglichkeit, eventuell übersehene Krankheitsherde noch vor der Blüte auszumerzen und so das Infektionspotential entscheidend zu senken.
• Bei Bäumen mit Cankern ist anzunehmen, dass der Feuerbrand bereits bis in die Unterlage vorgedrungen ist. Diese Bäume sind nicht mehr zu retten, müssen umgehend gerodet und an Ort und Stelle verbrannt werden (Feuerwehr verständigen!).
• Feuerbrand ist meldepflichtig. Die Meldung liegt nicht nur im Interesse jedes einzelnen Bauern, sondern auch der Grundstücksnachbarn. Die Mitarbeiter des Beratungsrings wurden heuer offiziell mit der Feuerbrandkontrolle beauftragt und sind bei Feuerbrandverdacht die ersten Ansprechpartner. Eine Rodung können aber weiterhin nur Beamte des Landespflanzenschutzdienstes anordnen.
• Bei Temperaturen über 10 °C nimmt die Verschleppungsgefahr für Feuerbrandbakterien mit Werkzeugen stark zu.Deshalb müssen sie nach der Rodung desinfiziert werden.

Tipps zur Vorsorge
• Während der Blüte auf keinen Fall die Oberkronenbewässerung verwenden. Ihr Einsatz in einer Frostnacht erhöht das Feuerbrandrisiko nicht.
• Sobald sich ein hohes Infektionsrisiko abzeichnet, darf mit dem Fadengerät nicht mehr mechanisch ausgedünnt werden. In Anlagen mit Feuerbrandbefall im Vorjahr und in deren unmittelbarer Nachbarschaft empfiehlt der Beratungsring, auf den Einsatz des Fadengeräts zu verzichten.
• Ist eine Spritzung an Tagen mit hohem Risiko unumgänglich, sollte man maximal 100 l Brühe pro m Kronenhöhe (fünffach konzentriert) verwenden.

Der Beratungsring baut heuer seinen Feuerbrand-Warndienst aus: Mitglieder wissen so täglich über das aktuelle Feuerbrandrisiko und mögliche Behandlungstermine bescheid.


Foto (Südtiroler Beratungsring): Längsrisse in der Baumrinde: Die gefundenen Canker zeigen, dass die Sanierung der betroffenen Bäume nicht erfolgreich war.