Bauernbund | 24.02.2012

Bauernbund: „Südtirol muss Regionalland werden“

Immer mehr Konsumenten achten beim Einkauf auf die Herkunft der Lebensmittel. Für Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler müsse Südtirol zu einem Regionalland werden, das vor allem auf heimische Produkte setzt, erklärte er auf der 65. Landesversammlung des Südtiroler Bauernbundes.

Vor nicht allzu langer Zeit waren Wein aus Chile oder Australien, Rindsfleisch aus Argentinien und Spargel aus Peru schick. In der letzten Zeit aber hat ein Umdenken stattgefunden: Nicht mehr die „Je weiter weg, desto besser“-Mentalität ist heute gefragt, sondern regionale Lebensmittel. Dieser Trend lässt sich auch in Südtirol feststellen. Und sollte sich noch verstärken. „Südtirol muss zu einem Regionalland werden, wo es selbstverständlich ist, heimischen Produkten in Geschäft oder Gasthaus den Vorzug zu geben.“
Dass die heimische Landwirtschaft auf diesen neuen Trend zum Regionalen vorbereitet ist, davon ist Tiefenthaler überzeugt. „Wir stellen Qualitätsprodukte nach strengen Auflagen her – bei der Milch, beim Apfel und beim Wein. Ich glaube, in wenig anderen Ländern wird so genau kontrolliert wie in Südtirol und sind die Lebensmittel so sicher wie hier bei uns.“
Aber auch bei Nischenprodukten sieht Tiefenthaler Südtirol gut aufgestellt.
So gibt es seit einem Jahr das Projekt „Regiokorn“, das dem Getreideanbau im Land wieder neuen Schwung verleihen soll. Aufbruchsstimmung herrscht derzeit bei den Bauernmärkten. „Die Nachfrage nach Bauernmärkten ist größer als das Angebot – immer mehr Gemeindeverwaltungen wollen einen Bauernmarkt auch in ihrem Ort.“ Überhaupt sei die Direktvermarktung eine große Chance für jene heimischen Bauern, die Nischenmärkte besetzen wollen.
Potential sieht Tiefenthaler beim Fleisch. „Gerade bei Fleisch wird der Konsument zunehmend wählerisch. Das Projekt Südtiroler Qualitätsfleisch ist gestartet und wird sich erfolgreich entwickeln“, sagte Tiefenthaler.
Einen Namen habe sich Südtirol mit Sonderkulturen gemacht. „Das Martelltal ist mittlerweile als Beerenland bekannt. Mit dem Spargel ist Terlan erfolgreich. Andere Beispiel werden hoffentlich folgen.“
Genau dem Zeitgeist würden auch das Biokistl oder Ahrntal Natur als Anbieter heimischer Lebensmittel folgen.
Ein Erfolgsmodell und Inbegriff für Lokalität sei der „Rote Hahn“ – mit seinem authentischen Urlaub auf dem Bauernhof, den Schankbetrieben, den „DelikatESSEN vom Bauern“ und in Kürze mit dem bäuerlichen Handwerk.
Allerdings sieht Tiefenthaler auch Schwächen. „Wir brauchen noch mehr Bauern, die sich trauen, einen neuen Weg einzuschlagen und auf ein Nischenprodukt zu setzen. Diesen wollen wir in Zukunft unter die Arme greifen. Noch heuer soll im Südtiroler Bauernbund ein Innovationsschalter eingerichtet werden.“

Nah am Konsumenten

Immer mehr Konsumenten wollen aber auch einen direkten, engen Kontakt mit den Produzenten. „Wer es schafft, die Kunden an die lokalen Produkte heranzuführen, ihnen den Wert und die Geschichte, die sie erzählen können, näherzubringen, der hat in Zukunft die Nase vorn. Einen wertvollen Beitrag leisten in Südtirol die Bäuerinnen. Mit ihren Dienstleistungen wie der Bauernhof-Schule, der Bäuerinnen-Brotzeit, Kultur- und Naturführung, der Bäuerinnen-Produktvorstellung, der Fachkurse usw. können Interessierte hinter die Kulissen blicken“, erklärte Tiefenthaler.
Am 20. Mai veranstaltet der Südtiroler Bauernbund den Bauernhof-Sonntag. „Acht Bauernhöfe in allen Bezirken werden bei diesem Tag der offenen Hof-Tür die Herkunft unserer Lebensmittel greif- und erlebbar machen“, freute sich Tiefenthaler.
Einen Trend zum Regionalen sieht Tiefenthaler auch in der Gastronomie. „Die gehobene Regionalküche wird die Zukunft der Spitzengastronomie darstellen.“
Für Bauern interessant könnte der Anbau alter Sorten sein.
Landwirtschaft und Tourismus bzw. Gastronomie werden in Zukunft noch enger als bisher zusammenarbeiten, erklärte Tiefenthaler. „Wer auf vorwiegend heimische Produkte setzt, sollte dafür belohnt werden – etwa mit einem Gastrosiegel, das sagt: In diesem Gastronomiebetrieb kommen vorwiegend heimische Lebensmittel auf den Tisch!“



Fotos:
- Landesobmann Leo Tiefenthaler: Südtirol müsse zu einem Regionalland werden, wo heimischen Produkten wie selbstverständlich der Vorzug gegeben werde.
- Familie Alexander Fusco hat heute den „Dr.-Steinkeller-Stiftungsbeitrag“ für die mustergültige Sanierung des Huberhofes in Natz erhalten.
- Die Bergbauernpreisträger 2012 sind die Familien Gasser, Frener und Schönegger.
- An die Familie von Seppl Lamprecht wurde heute das Ehrenzeichen in Gold des SBB verliehen.


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Videobotschaft von Agrarkommissar Dacian Ciolos