Bauernbund | 01.02.2012

„Gleiche Chancen in Prettau wie in Bozen“

Klausurtagung des Südtiroler Bauernbundes: Flächensicherung ist Jahresthema 2012

Ein Umdenken beim Grundverbrauch, ein Maßnahmenpaket für den ländlichen Raum und mehr Investitionen in den sozialen Bereich haben die Delegierten auf der Klausurtagung des Südtiroler Bauernbundes heute in Terlan gefordert. Einstimmig gutgeheißen wurde ein Maßnahmenpaket zur Belebung der Landwirtschaft.
In den letzten Jahrzehnten ist überdurchschnittlich viel Kulturgrund für Straßen, Gewerbebauten und Wohnungsbau verbraucht worden. Der Südtiroler Bauernbund sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf und hat die Flächensicherung zum Jahresthema 2012 bestimmt. „Im Interesse der zukünftigen Generationen müssen wir den Flächenverbrauch deutlich einschränken. Wenn wir so weitermachen, sind in spätestens 150 Jahren alle bebaubaren Flächen verbaut“, erklärte Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner. Konkret müssen bestehende Kubaturen besser genutzt werden. Gewerbegebiete sollten nur nach Bedarf ausgewiesen werden. Aber auch durch die Erhöhung der Baudichte und durch qualitative statt quantitative Erweiterungen wird wertvoller Kulturgrund geschützt.
Durch die starke Verbauung sieht Rinner die landwirtschaftliche Produktion und damit die Erwerbsgrundlage der Bauern in Gefahr. „Auf Beton wächst nun mal kein Brot.“
Kritisch bewertet Rinner die Liberalisierungstendenzen im Handel. „Der Entwurf der Landesregierung, die Liberalisierung zu beschränken, ist nicht ausreichend. Wir befürchten, dass neue Einkaufszentren, die nun möglich werden, der Nahversorgung in der Peripherie schaden und die Attraktivität des ländlichen Raumes darunter leiden wird.“
Einbringen will sich der Südtiroler Bauernbund in die Diskussion um das neue Landesraumordnungsgesetz. „Vor allem die geplante Liberalisierung bei den Gewerbezonen geht für uns so nicht in Ordnung.“

Maßnahmen zur Konjunkturbelebung gutgeheißen
Einstimmig gutgeheißen haben die Funktionäre ein Maßnahmenpaket zur Belebung der Landwirtschaft und zur Entlastung der bäuerlichen Familien, das nun den zuständigen Landesräten übermittelt werden soll. „Wir fordern eine Reduzierung des IRAP-Steuersatzes um ein Prozent. Im Trentino ist das bereits geschehen“, stellte Rinner klar.
Zudem fordert der Südtiroler Bauernbund die Befreiung der landwirtschaftlichen Wirtschaftsgebäude von der IMU. „Die Erstwohnungen sollen für alle Bürger IMU-befreit bleiben. Für den Rest - Urlaub auf dem Bauernhof und Genossenschaften - werden die Bauern die IMU bezahlen“, so Rinner. Landwirtschaftliche Gebäude, die nicht IMU-pflichtig sind, sollten zudem von der Katastereintragung befreit werden. „Der Kostenaufwand, eine Almschupfe zu erheben und einzutragen, ist nicht gerechtfertigt“, erklärte Landesobmann Leo Tiefenthaler.
Auch wird sich der Südtiroler Bauernbund gegen eine Kürzung des Landwirtschaftskapitels im Landeshaushalt zur Wehr setzen. „Wir haben in den letzten Jahren auf viele Mittel verzichtet. Einer undifferenzierten Kürzung werden wir sicherlich nicht zustimmen.“
Weitere Maßnahmen zur Belebung der Landwirtschaft sind die Gründung einer Beratungsorganisation für die Berg- und Grünlandwirtschaft, eine stärkere Finanzierung von Beregnungsanlagen im Berggebiet, eine verstärkte Unterstützung der Marketingtätigkeit im Bereich Urlaub auf dem Bauernhof und die Sicherung der Wasserverfügbarkeit für die Landwirtschaft.
Klar wurde auch, dass die Forderung nach einer fünften Ferienwohnung für den Urlaub auf dem Bauernhof bestehen bleibt.
Um Projekte in der Landwirtschaft zu unterstützen, soll noch heuer zusammen mit dem Bauernverband Coldiretti in Südtirol eine Garantiegenossenschaft gegründet werden. „Dank der Bürgschaftsleistungen der Genossenschaft werden die Kreditkosten sinken. Bei einem Kreditvolumen in der Landwirtschaft von einer Milliarde Euro ist das eine Notwendigkeit“, so Rinner.
Stärker als bisher widmet sich der Südtiroler Bauernbund dem Bereich Innovation. „Wir werden einen Innovationsschalter im SBB ins Leben rufen – als Anlaufstelle für Bauern mit innovativen Ideen und Projekten.“

Ländlicher Raum im Fokus
Ein Arbeitsschwerpunkt bleibt auch 2012 der ländliche Raum. „Wir brauchen weitere Maßnahmen, um den ländlichen Raum lebenswert zu halten. Vor allem aber müssen die Menschen in Prettau die gleichen Chancen erhalten wie die Bürger in Bozen im Bezug auf soziale Dienstleistungen, schulische Ausbildung, die Schaffung von Arbeitsplätzen und schnelle Internetverbindungen.“
Südtirol könne es sich schlichtweg nicht leisten, auf den ländlichen Raum als Arbeits- und Lebensraum zu verzichten. „Eine größere Abwanderung würde die Ballungszentren überfordern.“
Auch im sozialen Bereich sieht der Südtiroler Bauernbund Handlungsbedarf - wie beim geplanten Familiengesetz oder der sozialen Absicherung. „Viele Bäuerinnen und Bauern sind sozial nur schlecht abgesichert. Das gilt besonders für die Rente“, erklärte Tiefenthaler. Hier sei die Politik gefordert, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Auf alle Fälle werde der Südtiroler Bauernbund seine Vorschläge in die Diskussion über das neue Familiengesetz einbringen.


Foto oben: Das Präsidium des SBB mit Karl Framba (Bezirksobmann Bozen), Hannes Dosser (Landesobmann der Südtiroler Bauernjugend), Bernhard Burger (Obmann-Stellvertreter), Direktor Siegfried Rinner, Obmann Leo Tiefenthaler und Viktor Peintner (Obmann-Stellvertreter).


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