Bauernbund | 12.01.2012

Damit Mann und Frau im Dorf bleiben

Lebendige Städte, Dörfer mit hoher Lebensqualität und eine gepflegte Kulturlandschaft bis weit über die Waldgrenze hinauf: So präsentiert sich Südtirol derzeit. Doch dieses Bild bekommt Risse. 13 Gemeinden gelten als mehr oder weniger stark abwanderungsgefährdet.

Um diesen Trend zu stoppen, hat der Landesbauernrat im Südtiroler Bauernbund (SBB) eine Resolution mit Maßnahmen beschlossen, die weit über die reine Landwirtschaft hinausgehen und den Ländlichen Raum allgemein attraktiver machen sollen. 

Eines hat eine Studie des WIFO zur wirtschaftlichen, sozialen und demographischen Entwicklung der Südtiroler Gemeinden klar gezeigt: Bevölkerungsentwicklung und Wirtschaftsstruktur korrelieren. Je stärker die Wirtschaft und je mehr Arbeitsplätze vorhanden sind, desto eher bleiben vor allem junge Menschen auch in entlegenen Gemeinden. Daher setzt ein Großteil der vorgeschlagenen Maßnahmen des Landesbauernrates, des höchsten Gremiums im SBB, bei der Wirtschaftsförderung und der Schaffung von Arbeitsplätzen an – für Betriebe aller Wirtschaftssektoren. „Wir schlagen vor, in von Abwanderung bedrohten Gemeinden für die Wirtschaft höhere Fördersätze vorzusehen und die Beiträge früher auszuzahlen. Auch muss der Fonds für regionale Entwicklung EFRE stärker für den Ländlichen Raum genutzt werden. Gründerzentren sollen zudem die Ansiedelung von Betrieben und damit die Schaffung von Arbeitsplätzen in den Randgemeinden fördern“, erklärte SBB-Landesobmann Leo Tiefenthaler.
Aber auch bereits bestehende Betriebe sollten für Tiefenthaler zukünftig weitreichende Unterstützung erhalten. „Wir sehen Nachholbedarf in der strategischen Betriebsberatung. Viele Betriebe hätten das Potential zu wachsen. Aber ihnen fehlt oft das Knowhow oder aber rechtliche Bestimmungen verhindern dies. Daher sollten Betriebe in der Peripherie unbürokratisch erweitert werden können.“ Wer sektorenübergreifend zusammenarbeitet, sollte ebenfalls besonders gefördert werden.
Zudem würden Steuererleichterungen die peripheren Gebiete attraktiver machen und die Schaffung von Arbeitsplätzen begünstigen.
Einen wichtigen Schlüssel zur Stärkung der Randgebiete sieht der Landesbauernrat im Tourismus. „Randgemeinden müssen zukünftig stärker von Tourismushochburgen im Umfeld profitieren. Dafür braucht es entsprechende Marketingkonzepte, die das Hinterland begehrlicher machen. Auch muss es möglich sein, den Urlaub auf dem Bauernhof auszubauen.“ Und für die Landwirtschaft sollen, neben der Unterstützung bei der Vermarktung bäuerlicher Produkte, alternative Produktionszweige besonders gefördert werden. „Wir sehen im Beeren-, Gemüse- und Getreideanbau eine große Chance für die bäuerlichen Betriebe“, so Tiefenthaler.
Ausgebaut werden müssten laut Landesbauernrat die alltäglichen Dienstleistungen. „Auch in den Dörfern brauchen wir Breitbandverbindungen, ein funktionierendes Strom- und Telefonnetz und einen verlässlichen Postdienst.
Damit die peripheren Gebiete attraktive Wohnorte bleiben, muss die Nahversorgung flächendeckend erhalten bzw. wiederhergestellt werden – unter anderem durch kurze Wertschöpfungsketten und die Unterstützung der Vermarktung lokaler Produkte. „Wir werden uns aber auch für eine erhöhte Wohnbauförderung sowie niedrigere Erschließungsgebühren und Baukostenabgaben einsetzen. Mehr Geld soll es zukünftig für die Sanierung bestehender Gebäude geben“, sagte Tiefenthaler.
Darüber hinaus sollen im neuen Familiengesetz spezielle familienfreundliche Maßnahmen für Randgemeinden vorgesehen werden. Gesichert werden sollen die Bezirksschulstandorte und die Zwergschulen. „Notfalls müssen wir die Mindestschülerzahlen nach unten korrigieren“, so Tiefenthaler.