Bauernbund | 06.12.2011

„Stehen zu unserer Verantwortung“

Sparpaket: Bauernbund fordert Ausgewogenheit – Maßnahmen für Wirtschaftswachstum fehlen

Das Sparpaket der Regierung Monti werden auch die Bauern zu spüren bekommen. Bis zu 300 Prozent soll die Steuerbelastung laut dem italienischen Bauernverband Confagricoltura steigen. Der Südtiroler Bauernbund hat Verständnis dafür, dass in diesen schwierigen Zeiten alle Verantwortung übernehmen müssen. Er fordert aber eine ausgewogene Besteuerung und gleichzeitig Maßnahmen zur Stärkung der Landwirtschaft.

Besonders die neue Immobiliensteuer IMU wird alle landwirtschaftlichen Betriebe hart treffen. Besteuert werden nämlich nicht nur die Wohngebäude, sondern auch die Wirtschaftsgebäude – sprich Stall und Stadel.
Vor allem für die Berglandwirtschaft bedeutet das eine enorme Belastung. „Wir verstehen, dass in diesen Zeiten alle Opfer bringen müssen. Wir hoffen aber, dass mit Hausverstand vorgegangen wird. Viele Bergbauern besitzen große Gebäude, in denen lediglich Heu lagert und die sonst nichts zur Wertschöpfung beitragen. Eine übermäßige Besteuerung würde viele Betriebe im Berggebiet, die es bereits jetzt schwer haben, in enorme Schwierigkeiten bringen“, befürchtet Landesobmann Leo Tiefenthaler.

Druck auf Nebenerwerbsbauern steigt
Deutlich negative Auswirkungen auf den gesamten Bauernstand fürchtet der Südtiroler Bauernbund auch durch die zweifache Belastung der Nebenerwerbsbauern. Rund 10.000 Landwirte in Südtirol gehen einer Tätigkeit außerhalb der Landwirtschaft nach. Die meisten investieren von dem damit verdienten Geld mehr in ihren landwirtschaftlichen Betrieb, als dieser für sie wieder abwirft. Tiefenthaler kritisiert: „Wenn diese Familien jetzt an beiden Fronten – als Arbeitnehmer und als Bauern – zur Kasse gebeten werden, ist der Druck noch größer, die landwirtschaftliche Tätigkeit endgültig an den Nagel zu hängen.“ Denn schon in den vergangenen zehn Jahren haben mit 3000 Betrieben so viele zugesperrt wie noch nie. „Wenn sich dieser Trend bis 2020 beschleunigt, ist der ländliche Raum in Gefahr“, fürchtet Tiefenthaler.
Zudem dürfe die Landwirtschaft nicht doppelt besteuert werden: direkt die einzelnen Betriebe und indirekt die gleichen Betriebe über eine Besteuerung der Genossenschaften.

Maßnahmen für Wirtschaftswachstum fehlen
Was dem Bauernbund in der ganzen Spardiskussion fehlt, sind Maßnahmen zum Ankurbeln des Wirtschaftswachstums. „Die Regierung Monti hat, neben Steuererhöhungen, auch wirtschaftsfördernde Maßnahmen angekündigt. Von Letzteren ist derzeit, zumindest aus Sicht der Landwirtschaft, nichts zu sehen und im Gegensatz zur Wirtschaft auch nichts angekündigt. Wenn schon die Steuern steigen, sollten auch Maßnahmen gesetzt werden, die die Investitionen und den Konsum fördern. Denn nur mit mehr Wachstum ist der derzeitigen Schuldenkrise langfristig Herr zu werden“, so Tiefenthaler.