Bauernbund | 06.11.2011

Neuer Megatrend heißt "Vorwärts zum Ursprung"

Um das enorme Potential, das nach wie vor noch ungenutzt in regionalen Produkten schlummert, ging es am heutigen Montagvormittag auf der Bauernbund-Aktionsbühne der Landwirtschaftsmesse Agrialp. Das Fazit: Das Interesse beim Konsumenten nach regionalen Produkten ist sehr groß, das Wissen darüber hinkt vielfach noch hinterher.

Eingeladen hatten die Bauernbund-Weiterbildungsgenossenschaft und das TIS heute die Wiener Lebensmittel- und Ernährungsexpertin Hanni Rützler, Ernst Mölk von der Tiroler Lebensmittelkette MPreis, den Südtiroler Direktvermarkter Stefan Köhl, Bettina Schmid vom TIS und Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler.
Hanni Rützler stellte in einem Vortrag dar, welche Möglichkeit es für die Produzenten gibt, die Regionalität ihrer Produkte noch besser sichtbar zu machen. Weltweit sei eindeutig ein neuer Megatrend zu erkennen: Neben der Globalisierung, die nach wie vor fortschreitet, gewinnt die Regionalität immer mehr an Bedeutung. "Man kann diesen Trend unter dem Schlagwort ,Vorwärts zum Ursprung' zusammenfassen", erklärte Rützler. Das Hauptproblem liege eher darin, dass über den Begriff der Regionalität noch Unklarheit herrsche. "Untersuchungen zeigen, dass Konsumenten ein sehr großes Interesse daran haben, regionale Produkte zu kaufen. Wenn man sie aber dann danach fragt, was denn solche regionale Produkte konkret seien, gehen die Meinung weit auseinander und oft an der Realität vorbei", unterstrich Rützler.

Zugang zu regionalen Produkten erleichtern
Es gehe daher vorrangig darum, den Wert der Regionalität noch wesentlich besser als bisher zu kommunizieren und den Konsumenten den Zugang zu regionalen Produkten zu erleichtern. "Am besten geschieht das auf spielerische Weise, indem man den Verbraucher etwa an der Herstellung der Produkte selbst teilhaben lässt. Auch wenn der Konsument die regionale Küche nicht einfach nur vorgesetzt bekommt, sondern selbst mitkochen kann, wird der Begriff Regionalität für ihn leichter erlebbar", schlug Rützler vor.

Wie die Südtiroler Landwirtschaft von diesem neuen Megatrend der Regionalität profitieren kann, war Thema der anschließenden Diskussionsrudne auf der Aktionsbühne. "Wir sind in Südtirol in dieser Hinsicht schon auf einem guten Punkt. Herr und Frau Südtiroler schätzen unsere regionalen Produkte genauso wie es unsere Gäste tun", zeigte sich Leo Tiefenthaler erfreut. Eine wichtige Rolle spielen auch für die regionalen Produkte die Zertifizierungen. "Diese bringen für den einzelnen Produzenten leider auch viele Kontrollen und Bürokratie mit sich. Bis zu einem gewissen Punkt ist diese auch notwendig, weil nur so auch die Qualität garantiert werden kann", sagte Tiefenthaler.

Anpassung an neue gesellschaftliche Gegebenheiten
Hand in Hand sollte Regionalität mit Innovation gehen. "Das heißt im konkreten Südtiroler Fall, dass wir für traditionelle Produkte zu den bestehenden auch neue Vermarktungswege finden müssen. Auch die Anpassung an neue gesellschaftliche Begebenheiten wie die steigende Zahl der Single-Haushalte gehört dazu", unterstrich Bettina Schmid vom TIS. Auf alle Fälle sei es wichtig, die Geschichte, die hinter den regionalen Produkten stehe, besser zu kommunizieren, damit der Mehrwert der Regionalität auch besser beim Konsumenten ankomme.
Auch für den Lebensmittelhandel ist Regionalität eine große Chance. "Für uns ist es vor allem wichtig, dass der Produktmehrwert bei regionalen Produkten klar erkennbar ist. Wer im Geschäft regionale Produkte kauft, tut dies auch, aber nicht nur aus reinem Patriotismus. Er will auch wissen, was an diesem regionalen Produkt wirklich besser ist", betonte Ernst Mölk.
Dass das Prinzip der Regionalität vor allem in der Nische sehr gut funktioniert, zeigen die Südtiroler Direktvermarkter. "Wir produzieren in so geringen Mengen, dass der Markt außerhalb unseres Landes für uns kaum eine Rolle spielt. Wenn die Konsumenten beim Einkauf darauf achten, das zu kaufen, was im Land wächst und hier produziert wird, dann bleibt die Wertschöpfung im Land und alle haben mehr davon", erklärte Stefan Köhl. Fürden Erfolg der Regionalität müssten alle Glieder in der Wirtschaftskette gut zusammenarbeiten.
Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler spannte den Bogen noch etwas weiter: "Regionalität muss sich nicht nur auf Lebensmittel beziehen. Auch der Kauf eines Möbelstücks, das aus Südtiroler Holz gefertigt und hier produziert wird, trägt dazu bei, dass die Wertschöpfung im Land bleibt." Je besser die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Bereichen - Produktion, Verarbeitung und Handel - funktioniert, umso besser sei dies für Südtirol als Gesamtes.


Bildtext: Diskutierten über die Chancen des Megatrends Regionalität für Südtirol: (v.l.) Moderator Matthias Bertagnolli, Stefan Köhl, Bettina Schmid, Ernst Mölk, Hanni Rützler und Leo Tiefenthaler.