Bauernbund | 05.11.2011

Wer sich abkapselt, bremst sich selber aus

Die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei. Das haben auch die Südtiroler Wirtschaftsverbände längst verstanden. Wie sie im "Netzwerk Südtirol" zusammenarbeiten, was jeder einzelne davon hat und wo noch Potential liegt, waren die Themen der ersten Diskussionsrunde am heutigen Sonntagvormittag auf der Bauernbund-Aktionsbühne auf der Agrialp.

Zur Diskussion eingeladen hatte der Südtiroler Bauernbund (SBB) den LVH-Präsidenten Gert Lanz, EOS-Direktor Hansjörg Prast, den Direktor des Raiffeisen-Energieverbandes, Rudi Rienzner, den Obmann der Nahversorgungsgenossenschaft Südtirol (NaveS), Josef Unterrainer, und Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner. Der Ausgangspunkt ist in Südtirol überaus günstig, darin waren sich alle Diskussionsteilnehmer einig. Als praktische Beispiele dafür genannt wurden die Photovoltaik-Offensive von SBB und LVH, die Zusammenarbeit von Raiffeisen-Energieverband und Biomasseverband und die neu gegründete NaveS.

Mehrwert erkennen und eigenständig bleiben
Letztgenannte hat das Ziel, auch in der Peripherie die Nahversorgung der Bevölkerung mit Lebensmittelgeschäften sicherzustellen. "Das erste Geschäft in Vahrn läuft sehr gut, in Gsies wird mit Jänner 2012 das zweite öffnen. Neun weitere Anfragen haben wir derzeit vorliegen", zog NaveS-Obmann Unterrainer eine positive Zwischenbilanz. Ein Schwerpunkt der NaveS-Geschäfte ist das Angebot von Produkten, die auch im Ort erzeugt werden. Hier zeige sich der eigentliche Sinn der Kooperation: "Jeder Partner muss einen Mehrwert darin erkennen und nutzen, dabei aber gleichzeitig seine Eigenständigkeit bewahren und sich damit selbst weiterentwickeln", unterstrich LVH-Präsident Gert Lanz. Die Photovoltaik-Offensive habe gezeigt, dass ein solches gemeinsames Vorgehen auch ein Zeichen für Authentizität und Glaubwürdigkeit sei. "Bei einer Kooperation kommt es auch darauf an, dass man den Partner nicht unbedingt verändern will, sondern die Stärken des Partners nutzt, um weiterzukommen", unterstrich Lanz. "Grundlegend ist bei einer Kooperation die gegenseitige Akzeptanz und Wertschätzung der einzelnen Partner", ergänzte Josef Unterrainer. In die selbe Kerbe schlug auch Bauerndbund-Direktor Siegfried Rinner: "In Südtirol funktionieren regionale Wirtschaftskreisläufe im kleinen schon sehr gut. Wichtig ist immer, dass Kooperationspartner die Bereitschaft zeigen, aufeinander zuzugehen sowie die Arbeitsweise und Bedürfnisse des anderen kennenzulernen. Wir brauchen in Südtirol eine Kultur der Kooperation, die fehlt uns noch", erklärte Rinner.

Wie erfolgreiche Kooperation zu einem Mehrwert führen kann, zeigt auch die erfolgreiche Werbetätigkeit der Exportorganisation EOS im Ausland. "Damit wird Südtirol nicht nur als schönes Land, sondern auch mit seinen Produkten noch bekannter - und davon profitieren schlussendlich alle Wirtschaftszweige. Wer sich aus diesem Netzwerk abkapselt, bremst sich am Ende nur selber aus", unterstrich EOS -Direktor Hansjörg Prast. "Vielfach ist in Südtirol der einzelne Bürger im Kopf schon viel weiter als manche Verbände, wenn es um das Erkennen der Sinnhaftigkeit von Kooperationen geht. Hier liegt nach wie vor noch viel Potential", betonte Rudi Rienzner. Der Raiffeisen-Energieverband werde sich in Kürze mit dem Biomasseverband zu einem größeren Verbund zusammenschließen. "Das soll ein Zeichen sein, dass Kooperation auch Rationalisierung und das Bündeln von Kräften beinhalten kann. Vor allem auf dem Energiesektor hat es an echtem Kooperationswillen bislang gefehl", bemängelte Rienzner.

Bauernbund: Zusammenarbeit mit Tourismus geht weiter
Zur Sprache kam schließlich auch die Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Tourismus, die letzthin von Vertretern des Hotelier- und Gastwirteverbandes in Frage gestellt wurde. Für den Südtiroler Bauernbund ist die Zusammenarbeit keineswegs beendet. "Unsere Projekte gehen weiter wie bisher. Wir haben sehr viele Beispiele dafür, dass Bauern und Touristiker sehr gut und gerne zusammenarbeiten. Jene, die mit uns zusammenarbeiten, sollen es tun, jene, die es nicht wollen, sollen es bleiben lassen. Unsere Tür ist immer offen", unterstrich Rinner. Eine konkrete Möglichkeit einer neuen Form der Zusammenarbeit in diesem Bereich sei eine Anlehnung an das Gastrosiegel in Österreich. "Mit diesem Siegel werden in Österreich Gastbetriebe ausgezeichnet, die im Betrieb auf heimische Produkte setzen. Das Angebot kommt auch bei den Gastwirten sehr gut an. In Südtirol sind in diesem Bereich einige sehr interessante Projekt in Vorbereitung, wir sind gespannt wie es weitergeht", berichtete Hansjörg Prast. Schließlich gelte es auch, einem aktuellen Trend zu folgen: "Vor einigen Jahren hat noch jeder von Globalisierung gesprochen. Heute will der Kunde vermehrt wieder wissen, wer das Produkt, das er kauft, herstellt. Es liegt an allen Wirtschaftstreibenden in Südtirol, zu Botschaftern der eigenen Produkte zu werden", betonte Gert Lanz.

Bildtext: Zeigten auf der Bauernbund-Aktionsbühne viel Willen zur Kooperation: (v.l.) Rudi Rienzner, Siegfried Rinner, Moderator Michael Deltedesco, Gert Lanz, Hansjörg