Bauernbund | 04.11.2011

Zusatzrente: In sich selbst investieren

Agrialp-Diskussion: Wieso Bauern früh an die eigene Pensionsabsicherung denken sollten und wie die Politik dabei helfen kann.

Schon in zehn bis fünfzehn Jahren könnte die bäuerliche Gesellschaft vor einer dramatischen Situation stehen: Die Pension in der Landwirtschaft könnte dann weniger als 300 Euro pro Monat betragen! Daher gilt es jetzt, vor allem die junge bäuerliche Bevölkerung von einer regelmäßigen Investition in die eigene Zusatzrente zu überzeugen. Der Südtiroler Bauernbund und die Südtiroler Bauernjugend (SBJ) wollen gemeinsam mit der Regionalassessorin für Familienpaket und Sozialfürsorge, Martha Stocker, alles daran setzen, dass dies gelingt. Und die Region könnte den Geldhahn dafür ein wenig stärker öffnen. Dies bekräftigten Stocker, Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler und Bauernjugend-Obmann Hannes Dosser heute im Rahmen einer von SBB-Weiterbildungsleiter Matthias Bertagnolli moderierten Podiumsdiskussion auf der Bauernbund-Aktionsbühne der Bozner Landwirtschaftsmesse Agrialp.

Jeder ist für sich selbst verantwortlich
Gerade bei der Aufklärung der bäuerlichen Jugend sieht SBJ-Obmann Dosser viel Nachholbedarf: "Die meisten wissen noch viel zu wenig über ihre künftige Rentensituation." Mit Pressearbeit, Vorträgen und gezielten Schreiben an besonders betroffene Mitglieder der Bauerjugend wollen wir hier gegensteuern."
Gefragt sei aber jeder einzelne, auch die Eltern, die ihre Kinder von klein auf zum Sparen anregen sollten. "Denn wer früh anfängt, eine Kleinigkeit beiseite zu legen, dem bleibt später der Schock erspart." Stocker zeigte Verständnis dafür, "dass einem Menschen mit 20 Jahren andere Dinge wichtiger sind als der Blick auf die Rente in einigen Jahrzehnten." Mehr als früher sei dieser Blick aber nötig: "Früher hatte jeder eine obligatorische Mindestrente, mit der er im Alter mehr oder weniger sein Auskommen fand. Heute bekommt er nur mehr heraus, was er eingezahlt hat." Gerade dies ist bei Bauern oft sehr wenig. Stocker vesteht, dass die Investition in einen gesunden Betrieb wichtig ist, auch für eine spätere Übergabe an die nächste Generation. Gleichzeitig habe jeder aber die Verantwortung, sich selbst abzusichern und somit auch "in sich selbst zu investieren."
Neben der obligatorischen Rente braucht es daher ein zweites Standbein. Eines davon ist die Zusatzrente der Region Trentino-Südtirol. Hier hat der Gesetzgeber auch Anreize wie die steuerliche Absetzbarkeit eingebaut. Der Bauernbund hat sich dafür eingesetzt, dass auch Bauern in diese Zusatzrente einzahlen können. Jetzt müsse die bäuerliche Bevölkerung diese Möglichkeit auch nutzen, sagte Bauernbund-Obmann Tiefenthaler, "denn für einige wäre die Zukunft sonst sehr prekär."

Stocker: "Könnten Kleinigkeit drauf legen"
Er gab aber auch zu bedenken, "dass viele Bauernfamilien, vor allem in der Berglandwirtschaft, es sich kaum leisten, regelmäßig etwas beiseite zu legen." Hier also sei nicht nur Aufklärung gefragt, sondern die Hilfe der Politik. Stocker erinnerte, dass die Region sozial schwachen Gruppen durch Zuschüsse für die obligatorische Rente bereits unterstütze. Sie zeigte sich auch bereit, "noch etwas zuästzliches Geld zuzuschießen. Aber nur, wenn man dafür auch einen Teil der Beihilfen von der obligatorischen in die freiwillige Rentenabsicherung verlagert." Tiefenthaler sieht das mit gemischten Gefühlen: "Zusätzliche Gelder sind nötig und wir freuen uns über diese Zusage. Aber es hat wenig Sinn, das Geld von der obligatorischen in die freiwillige Rente verschieben, weil wir hier ein Loch öffnen, um ein anderes zu stopfen." Bauernjugend-Obmann Dosser regte ein "Zuckerle" zum Einstieg an: "Hier brauchen wir einen Anreiz. Der Einstieg in die Zusatzrente ist für viele ein großer Schritt. Den sollten wir fördern. Wenn jemand mal drin ist, dann läuft das von alleine."

Zusatzrente mit Bausparen koppeln
Um die Zusatzrente früher in den Köpfen junger Menschen zu verankern, arbeitet die Region auch an einem Modell, die Zusatzrente mit dem in Ausarbeitung befindlichen Bausparen zu koppeln. "Damit erreichen wir Jugendliche sicher mehr, weil das eigene Dach über dem Kopf sicher näher ist als die Rente am Lebensabend."

SBJ organisiert Informationstag
Am Freitag, 2. Dezember, Vormittag organisiert die Südtiroler Bauernjugend im Bauernbund-Haus in Bozen (K.-M.-Gamper-Str. 5) eine Informationsveranstaltung zur Zusatzrente für alle Interessierten mit Beratungsmöglichkeit.

Hilfe für alle im Bauernbund-Patronat
Mit den Pensplan-Infopoints bietet das Patronat ENAPA im Südtiroler Bauernbund übrigens nicht nur den Bauernbund-Mitgliedern, sondern der gesamten Bevölkerung eine Beratung im Bereich Zusatzrente an. Information gibt es in allen Bauernbund-Bezirksbüros, per E-Mail (enapa@sbb.it) oder im Internet: www.sbb.it/sozialberatung