Bauernbund | 20.10.2011

Weinjahrgang 2011: Sonniger September gibt richtige Würze

Der goldene Spätsommer hat es gerichtet. Viele Weinbauern blickten im Weinjahr 2011 auch mal bedenklich auf ihre Weinberge. Doch im Herbst lasen sie durchwegs reife und gesunde Trauben. Ihr Resümee: «Ernte gut - alles gut». Die Weinlese 2011 begann zwei Wochen früher, dauerte deutlich länger als zunächst erwartet und war – abgesehen von wenigen Ausnahmen – begleitet von wahrem Bilderbuchwetter. Das Ergebnis kann sich sehen und vor allem schmecken lassen. Was die Winzer bei der Weinlese 2011 geerntet und die Erzeugerbetriebe in ihren Kellern eingelagert haben, weckt Hoffnungen auf einen tollen Jahrgang 2011, wie eine Umfrage in den verschiedenen Weinbauregionen Südtirols ergab. Die Trauben wiesen durchaus eine hohe Zuckergradation auf. Die Säure ging zwar im Vergleich zum letzten Jahr etwas zurück, nichts desto Trotz, stimmt die Verbindung. Die Weißweine zeigen knackige Frische und auch beim Rotwein lassen vor allem Lagrein und Blauburgunder Freude aufkommen.

Das Traubenwetter 2011
Dieser Frühling war mit Abstand der sonnenreichste der vergangenen Jahre. Im Bozner Raum schien die Sonne ganze 788 Stunden und mit einer durchschnittlichen Temperatur von 15,1 °C zählte das Frühjahr zu einem der wärmsten seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen vor über 90 Jahren. Einer ausgedehnten Trockenheit folgte im Juni dann der große Regen. Die Temperaturenbilanz selbst blieb trotzdem ausgeglichen. Im Juli fielen die Temperaturen dann in ganz Südtirol unter den Durchschnittswert der vergangenen Jahre. Als überdurchschnittlich heißer Monat ging der August in die Wettergeschichte ein und besserte die Temperaturbilanz des Sommers kräftig auf. Diesem Beispiel folgte der September und zeigte sich von seiner schönsten Seite.


Dem kann Urban von Klebelsberg von der Klosterkellerei Neustift nur beipflichten: „Ein sehr warmer August und ein wunderbarer September, der eine frühe Reife der Trauben zur Folge hatte und somit die Ernte einige Wochen nach vorne schob.“ Zur Bewährungsprobe wurde die Tatsache, dass einige der Rebsorten mehr oder weniger zur selben Zeit geerntet werden mussten, was im Keller dazu führte, dass die Kapazitäten an Platz und Maschinen an ihre Grenzen stießen. „Das Traubenmaterial überraschte positiv, mit etwas weniger Säure als im letzten Jahr, aber mit durchwegs 20° KMW“, so von Klebelsberg. Mengenmäßig wurde mehr geerntet, sodass nicht nur die Verluste des letzten Jahres durch das freundlichere Wetter weggemacht wurden. Es kamen auch neu angelegte Flächen dazu, die heuer erst richtig in Ertrag gingen. Freudig sieht man auch dem Grünen Veltliner entgegen, welcher einiges an Qualität erwarten lässt. Vor allem gibt es nun auch genügend Ertrag, um die Liebhaber dieser Rebsorte zufrieden zu stellen. Schlussendlich aber muss man sich noch gedulden: Die Erfahrung und die Anstrengung, welche nun auf den Keller übergehen, lassen aber Gutes ahnen.

Früh aufstehen hieß es hingegen in Terlan. „Dank der überaus warmen Temperaturen, war man schon in den frühen Morgenstunden bei der Arbeit, um die Trauben so kühl wie möglich in die Kellerei zu bringen“, so Rudi Kofler, Kellermeister der Kellerei Terlan. Damit verhinderte man einen zu schnellen Säureabbau. „Obwohl die Säurewerte etwas niederer waren als im letzten Jahr, liegen wir immer noch in einem Bereich, der guten Wein erwarten lässt. Die Erntemenge liegt dabei im Durchschnitt, natürlich mehr als im letzten Jahr, aber 5 % weniger als man gerne hätte.“ Dass die Weißweintrauben besonderes Potential aufweisen zeigt sich schon bei Chardonnay und Gewürztraminer. Der zukünftige Rotwein wird bereits vinifiziert und da das Material sehr gut ausgereift in den Keller kam, besitzen die Weine eine makellose und dunkle Farbe, was zusammen mit einem ausgeglichen Gerbstoffgehalt und toller Struktur nur Gutes bedeuten kann. Besonders der Lagrein wird heuer interessant und das nicht nur in Topqualität.

Da kann man im Unterland locker mithalten. Christof Tiefenbrunner, vom gleichnamigen Weingut zeigt sich ausnehmend zufrieden, da der Hagelschlag Ende August den Trauben kaum Schäden zufügte. Die Beeren waren zu diesem Zeitpunkt schon weich genug und der Hagel selbst, hatte nicht jene Kraft, die er im Überetsch entwickelte. Mit dem Ertrag zeigt man sich im Großen und Ganzen zufrieden, einzig der Blauburgunder geizte mit seinen Früchten. In Anbetracht der schwierigen Rebsorte scheint dies aber nicht ungewöhnlich. Die ansonsten optimalen Bedingungen brachten eine tolle Substanz für Weißweine zum Vorschein, die eine optimale Reife und eine hohe Gradation zeigten. „Als spannend erweist sich die Tatsache, dass die biologisch angebauten Weine ein besseres Säure/pH Verhältnis aufzeigen, als dies bei den konventionell angebauten Weinen der Fall ist.“ Eine besondere Kraftreserve dürften im Weißweinbereich die Sorten Sauvignon, Gewürztraminer und Weißburgunder entwickeln. Beim Rotwein hingegen, stechen Blauburgunder und besonders der Lagrein hervor.

Das sind natürlich gute Voraussetzungen für den Vinschgau wo der Gesundheitszustand des Traubenmaterials zum Zeitpunkt der Ernte im Allgemeinen gut bis sehr gut war, da es keine nennenswerten Schäden durch Hagel zu registrieren gab. Nur beim Blauburgunder setzte durch die anhaltend trockene Witterung Anfangs September eine sortentypische, aber unerwünschte Schrumpfung der Beeren ein, die eine lagenweise schnelle Ernte dieser Sorte erforderte. Die hohen Tagestemperaturen ließen die Zuckerkonzentrationen in den Beeren zügig ansteigen und die warmen Nächte die Säuregehalte kontinuierlich abfallen, was eine aufmerksame Verfolgung des weiteren Reifeverlaufes erforderte, um den Gebietscharakter mit seinen mineralischen Weinen auch 2011 zu erhalten. So waren bis in den ersten Oktobertagen die Trauben eingebracht. Die Weine - sofern sie ihr Gesicht schon zeigen - sind im Fall der Weißweine von ausdrucksvoller Frucht und allgemein ausgeglichener als 2010 geprägt, so Martin Aurich vom Weingut Unterortl.

Und wenn man schon vom Hagel spricht … Hans Terzer, Kellerei St. Michael-Eppan: „Nach drei Hagelschlägen sind wir im Großen und Ganzen zufrieden und trotz eines Ausfalls von 40%, mit einem blauen Auge davongekommen. Dies ist vor allem der Disziplin der Weinbauern zu verdanken, welche sich unermüdlich im Weinberg zu schaffen machten, um angeschlagene Beeren zu entfernen. Somit konnte man ein Übergreifen der Fäulnis auf die gesunden Beeren verhindern.“ Der letzte Hagel am 27. August nötigte die Bauern eine Woche früher mit der Ernte zu beginnen, als dies unter normalen Bedingungen der Fall gewesen wäre. Sehr gute Weine gibt es heuer vor allem jenen Gebieten, welche nicht oder kaum vom Hagel Schaden genommen haben. Hierzu zählen: Missian, St. Pauls, Eppan Berg, letzteres ist vor allem für seine hervorragenden Weißburgunder bekannt. Schwieriger zeigt sich die Situation beim Vernatsch. Die Kirschessigfliege zwang die Bauern früher in den Weinberg, um zumindest einen Teil der Ernte zu retten. Vernatsch wird es natürlich geben, er könnte sich aber rar machen.


Mitteilung: Konsortium Südtiroler Wein