Bauernbund | 21.07.2011

„Zuerst informieren, dann investieren“

Auf dem Weg Südtirols zum Vorzeige-Klimaland gibt es eine unerwartete Hürde: Nicht überall kann der durch Wasserkraft, Photovoltaik usw. erzeugte Strom ohne weiteres in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden. Der Grund ist, dass die Netze überaltert und überlastet sind. Der Südtiroler Bauernbund, der Raiffeisen Energieverband und SELNET haben kürzlich die Situation besprochen. Ihr gemeinsamer Rat: Jeder Private sollte sich, bevor er ein Projekt in Planung gibt, genau über den Netzeinspeisung informieren.

Der deutliche Anstieg der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien auf dem Land hat dazu geführt, dass einzelne Stromverteilernetze an die Grenze der Belastbarkeit stoßen bzw. bereits überbelastet sind. Schuld an der Situation ist aber nicht SELNET, die das Verteilernetz zu Jahresanfang von der ENEL übernommen hat, sondern die ENEL selbst, die in den letzten Jahren kaum mehr etwas in den Ausbau der Leitungen und Transformatorstationen investiert hat und viele Anlagen deshalb überaltert sind. „Besonders kritisch ist die Situation in den sogenannten roten Zonen, wie in den Gemeinden um Sterzing, in Mühlbach, Natz Schabs und Vintl, in den Gemeinden des Tauferer Ahrntales, in Ulten und dem Deutschnonsberg, im Passeiertal sowie im Sarntal und in Jenesien. Hier sollten sich Private unbedingt vor der Investition informieren, ab wann der Netzanschluss garantiert werden kann“, rät Luis Amort, Generaldirektor der SELNET. Neben den roten gibt es noch orange und gelbe Zonen. Auch hier müsse sich jeder, der eine Netzeinspeisung plant, vorab informieren, in wie weit eine Stromeinspeisung möglich ist.
Der Südtiroler Bauernbund hatte SELNET und den Raiffeisen Energieverband zu dem Treffen geladen, weil sich die Klagen von Betreibern von Photovoltaikanlagen über Netzprobleme häufen. „Wir können unseren Mitgliedern nicht zumuten, dass sie nach Abschluss der Bauarbeiten und Inbetriebnahme der Anlage ihren Strom nicht oder nicht zur Gänze einspeisen können. Das stellt nicht nur ein wirtschaftliches Problem dar und wirft so manchen Finanzierungsplan über den Haufen, sondern schadet auch dem Ansehen Südtirols als Klimaland“, erklärt Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler, der um einen raschen Ausbau des Stromnetzes ersuchte. Generaldirektor Amort sicherte den schnellstmöglichen Ausbau des Netzes und der Übergabestationen zu. Derzeit würde SELNET deutlich mehr investieren als die ENEL in den letzten Jahren getan hat. Allerdings kann es, trotz der Bemühungen der SELNET, noch einige Jahre dauern, bis ein leistungsstarkes Netz flächendeckend vorhanden ist. Sich vorab zu informieren ist deshalb oberstes Gebot.

Im Bild: Leo Tiefenthaler und Luis Amort raten allen Privaten, die z. B. eine Photovoltaikanlage planen, sich vorab zu informieren, ob die Stromeinspeisung möglich ist bzw. wie lang die eventuellen Wartezeiten sind.