Bauernbund | 17.07.2011

„Ihr seid schon grün genug“

Der oberste Bauernvertreter Europas auf Europas größter Hochalm: Gerd Sonnleitner, Präsident des Europäischen Bauernverbandes COPA kam am Sa., 16.7.2011 zur „Europawanderung“ des Südtiroler Bauernbundes auf die Seiser Alm. Mit Bauernvertretern aus Bayern und Südtirol erörterte er die heiße Diskussionsphase in Brüssel, bei der es derzeit darum geht, wie viele Finanzmittel als Leistungsausgleiche Europas Bauern in den nächsten sieben Jahren bekommen sollen.

Die COPA wird sich um einen gut ausgestatteten EU-Landwirtschaftshaushalt bemühen. Schließlich gehe es darum, die Lebensmittelversorgung zu sichern. Weiters werde die Agrarreform wohl ein deutliches „Greening“ der Agrarpolitik bringen. Das heißt: Bauern sollen nur dann Förderungen bekommen, wenn sie noch mehr als bisher nachweisen können, dass sie umweltfreundlich und konsumentenfreundlich produzieren.

Südtirol erfüllt hohe Umweltstandards
In diesem Zusammenhang lobte Sonnleitner – der die Realitäten in fast allen europäischen Ländern kennt – Südtirols Landwirtschaft: „Ihr seid ja schon grün genug! Das haben wir heute bei dieser Wanderung eindrucksvoll gesehen.“ In Südtirol sind bereits jetzt 95 Prozent der Zahlungen an Bauern mit Umweltauflagen verbunden, in Holland sind es zum Beispiel nur fünf Prozent. Südtirol dürfe nicht dafür bestraft werden, dass es diese Leistungen bereits erbringt. „Das muss in der Agrarreform berücksichtigt werden“, so Sonnleitner.
Südtirols Europaparlamentarier Herbert Dorfmann, Landwirtschaftslandesrat Hans Berger und Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler äußerten die Hoffnung, dass Brüssel den Mitgliedsstaaten bereits vorschreibt, die Berggebiete bei der Verteilung der EU-Gelder bevorzugt zu behandeln. Ansonsten werde es schwierig, die Mittel aus Rom nach Südtirol zu bekommen.

Agrarpreise dürften langfristig steigen
Dorfmann zeigte sich auch zuversichtlich, „dass die Preise für Lebensmittel in Zukunft steigen.“ Immerhin nehme die Weltbevölkerung stark zu. Sollte es . Sollte es gelingen, die Preise für Produktionsmittel stabil zu halten, könnte das Einkommen der Bauern wieder stärker über die Produktion gesichert werden und sie wären weniger abhängig von öffentlichen Geldern.
Landesrat Berger forderte, dass die Landwirtschaft auch zu anderen Regional-Entwicklungsprogrammen, z.B. im Bereich der Forschung und Innovation, Zugang finden und dort berücksichtigt werden muss, damit sie weiterhin eine Stütze für einen lebendigen ländlichen Raum bleiben kann.
Mit bei der Wanderung waren unter anderem auch der Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbandes Hans Müller und Südtirols Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner.


Foto oben (v.l.n.r.): Leo Tiefenthaler, Gerd Sonnleitner, Herbert Dorfmann und Hans Berger


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