Bauernbund | 24.05.2011

Griechische Verhältnisse beim Agrarhaushalt

Im Südtiroler Agrarhaushalt fehlen derzeit 20 bis 25 Millionen Euro im Jahr. Wird weiterhin mehr Geld ausgegeben als vorhanden, drohen deutlich längere Wartezeiten für Investitionsbeiträge. Der Landesbauernrat fordert daher 25 Millionen Euro mehr im nächsten Haushalt.

Knapp 84 Millionen Euro umfasst der Landeshaushalt für die Landwirtschaft, de facto sind es aber nur 74 Millionen Euro. „Von den restlichen zehn Millionen Euro fließen fünf in die Ausgleichszulage und fünf in die Junglandwirteförderung“, erklärte Landesobmann Leo Tiefenthaler auf der Sitzung des Landesbauernrates die schwierige Situation. „So wie derzeit, wo mehr ausgegeben wird als vorhanden ist, kann es nicht weitergehen – außer wir wollen griechische Verhältnisse“. Vor allem befürchtet Tiefenthaler deutlich längere Wartezeiten bei der Auszahlung von Investitionsbeihilfen. „In spätestens zwei Jahren sind die gleich langen Wartezeiten wie im Tourismus, also mindestens drei bis vier Jahre, vorprogrammiert“, erklärte Direktor Siegfried Rinner. Daher sei die Politik aufgefordert, rasch zu handeln – will heißen, den Landeshaushalt deutlich aufzustocken. „Die Rechnung ist einfach: Wir brauchen für 2012 und 2013 25 Millionen im Jahr zusätzlich.“ Daher wird der Südtiroler Bauernbund massiv auf die politisch Verantwortlichen einwirken. „Regelmäßig unterstreichen Politiker die große Bedeutung der Berglandwirtschaft. Nun können sie beweisen, wie wichtig ihnen die Bergbauern wirklich sind. Denn das zusätzliche Geld fließt in die Berglandwirtschaft“, stellte Rinner klar. Zudem forderte er eine längerfristige politische Strategie für die Berglandwirtschaft. „Für alles hat die Politik eine Strategie, seit kurzem auch für die Tourismusabgabe. Wieso nicht auch, was den zukünftigen Agrarhaushalt betrifft“, fragte sich Rinner.
Unterstützung erhält der Südtiroler Bauernbund vom Südtiroler Wirtschaftsring. „Dort herrscht Konsens darüber, dass die Forderung nach einer Tourismusabgabe und eben die Anliegen der Berglandwirtschaft mitunterstützt werden“, freute sich Tiefenthaler.

Entschädigung für Trockenschäden?
Geld wird es auch für die Entschädigung der Trockenschäden brauchen. Im Landesbauernrat haben die Bezirksobmänner einen dramatischen Überblick über die Trockenheit gegeben. „Auf vielen Höfen ist der erste Schnitt komplett ausgefallen. Auch ergiebige Niederschläge werden das Jahr nicht mehr retten. Heuzukäufe sind durch die Trockenheit in ganz Mitteleuropa teuer, ein Verkauf des Viehs lohnt sich aufgrund der niedrigen Preise nicht“, so die Bezirksobmänner. Daher fordert der Landesbauernrat zusätzlich zu dem 95 Millionen Euro weitere 10 bis 15 Millionen Euro als Entschädigung für die trockengeschädigten Bauern. „Damit wäre in etwa ein Ernteausfall von 50 Prozent abgedeckt“, rechnete Leo Tiefenthaler vor. In wie weit die Forderung des Landesbauernrat ob der leeren Kassen überhaut erfüllt werden kann, ist unklar. „Wir haben gefordert, dass bei den Erhebungen unsere Ortsobmänner bzw. Ortsgruppen involviert werden. Das genaue Schadensausmaß wird erst im Spätsommer klar werden. Und dann wird sich auch entscheiden, wie es mit der Entschädigung aussieht. Aus Rom ist jedenfalls nicht viel zu erwarten, auch wenn Südtirol als Katastrophengebiet ausgewiesen werden sollte“, dämpfte der Landesbauernrat allzu große Erwartungen.

Feuerbrand: mit blauem Auge davongekommen
Auch wenn in den nächsten Tagen noch einige Feuerbrandfälle in Junganlagen zu erwarten sind, deutet vieles darauf hin, dass die meisten Südtiroler Obstbauern mit einem blauen Auge davonkommen. „Das ist auch auf das verantwortungsvolle und rasche Handeln der Bauern selbst zurückzuführen“, lobte Tiefenthaler. Er appellierte aber gleichzeitig, auch weiterhin die Augen offen zu halten. Besonders während der Blüte müsse zukünftig die Oberkronenbewässerung absolut tabu sein. Das sei heuer leider nicht immer der Fall gewesen. Lobend hob Tiefenthaler auch das Verständnis der Bevölkerung und die konstruktive Mitarbeit hervor.


Foto: Jörg Siebauer - www.pixelio.de