Bauernbund | 10.05.2011

Landwirtschaft soll noch grüner werden

Grüner und transparenter soll die europäische Landwirtschaft nach der anstehenden Reform der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik sein, hat der Österreichische Agrarminister Niki Berlakovich zum Abschluss der Klausur des Bauernbundes heute in Gargazon angekündigt. Dazu müsse aber der EU-Finanzrahmen für die Landwirtschaft in der bisherigen Höhe gesichert werden.

Europas Bauern werden sich in Zukunft noch stärker als bisher im Umwelt- und Klimaschutz engagieren. Der derzeitige Reformentwurf für die EU-Agrarpolitik nach 2013 sieht eine deutliche „Vergrünung“ der landwirtschaftlichen Produktion vor. Zudem soll die Landwirtschaft transparenter produzieren. „Die Konsumenten wollen zu recht sichere Lebensmittel und garantierte Rückverfolgbarkeit. Diese Herausforderung nehmen unsere Bauern gerne an“, erklärte Agrarminister Niki Berlakovich. Doch diese hohen Standards im Umweltschutz, im Tierschutz und bei der Lebensmittelsicherheit kosten Geld. Daher forderten der Österreichische und der Südtiroler Bauernbund die Beibehaltung des derzeitigen EU-Agrarhaushalts. „Sollte die EU die Mittel deutlich kürzen, ist die bäuerlich kleinstrukturierte Landwirtschaft ernsthaft in Gefahr“, warnten Fritz Grillitsch, Präsident des Österreichischen Bauernbundes und Leo Tiefenthaler, Obmann des Südtiroler Bauernbundes. Vor allem sei dann eine flächendeckende Landwirtschaft nicht mehr zu halten – mit enormen Auswirkungen auf den Tourismus.
Eine erste wichtige Vorentscheidung, wie viel EU-Geld für die Landwirtschaft nach 2013 zur Verfügung steht, wird es mit der finanziellen Vorschau im Juni geben.

„Für Berggebiet zuversichtlich“
Auf der Klausurtagung wurde auch über die Verwendung der Geldmittel diskutiert. Für das Berggebiet ist Berlakovich zuversichtlich, auch weil die bisherigen Verhandlungen gut verlaufen seien. „Es ist uns auf EU-Ebene gelungen, einige wichtige Anliegen der Berglandwirtschaft zu verankern. So bleibt die für das Berggebiet wichtige Ausgleichszulage für die erschwerte Bewirtschaftung in der 2. Fördersäule. Das bedeutet, dass die Erschwernispunkte auch weiterhin als Kriterium für die Berechnung der Zahlungen dienen.“ Beibehalten werden dürften auch die unterschiedlichen Flächenprämien. Eine Angleichung der Prämiensätze wäre aufgrund der unterschiedlichen Kaufkraft und Produktionskosten zwischen West und Ost ungerecht.

„Selbstbestimmungsrecht bei Gentechnik“
Ein Selbstbestimmungsrecht für die einzelnen Mitgliedsstaaten forderte Berlakovich in Sachen Gentechnik. „Die einzelnen Mitgliedsstaaten sollen selbst entscheiden dürfen, ob sie den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen zulassen wollen oder nicht. Unsere Position ist klar: Wir wollen keine Gentechnik auf unseren Äckern.“ Diese Selbstbestimmungsforderung hat Berlakovich vor Monaten eingebracht und soll in das EU-Recht eingearbeitet werden. „Auch wenn es von einzelnen Mitgliedsstaaten heftigen Protest gibt“, so Berlakovich. Unterstützung erhält Berlakovich von Landesrat Hans Berger, der sich ebenfalls klar für eine Gentechnikfreiheit ausspricht.
Am Ball bleiben will die Landwirtschaft bei den erneuerbaren Energien. „Hier muss Südtirol noch viel von Österreich lernen. In der Versorgung mit Strom und Wärme aus erneuerbaren Energiequellen ist Österreich Europameister, wenn nicht sogar Weltmeister“, zollte Tiefenthaler Respekt. Ausgebaut werden müsse vor allem die Verwendung von Holz. Was Südtirol aber nicht brauche, sei der Anbau von Energiepflanzen. Einig waren sich Berger und Tiefenthaler auch, dass die ländlichen Räume in Südtirol belebte Wirtschaftsräume bleiben müssten.